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Trumps Klimadekret : Wunschdenken angesichts eines fossilen Präsidenten

Sonnenaufgang hinter dem Steinkohlekraftwerk Mehrum bei Hohenhameln in Niedersachsen Bild: dpa

Trumps Klimapolitik ist desaströs. Aber jetzt auf China hoffen?

          Donald Trump hat per Dekret wichtige klimapolitische Entscheidungen seines Vorgängers kassiert, unter anderem, um Arbeitsplätze im Kohlebergbau zu sichern. Auch damit dürfte er scheitern. Die Frage ist allerdings, wie. Hans Joachim Schellnhuber setzt auf den Trotz der Gerechten. „Auf internationaler Ebene“, erklärte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, „werden sich dadurch jetzt wahrscheinlich die Reihen der Akteure für den Klimaschutz schließen, die Trumps Intervention als Weckruf für die Transformation begreifen.“

          Wenn das mal kein Wunschdenken ist. Amerika ist Vizeweltmeister im CO2-Emittieren, und erst kürzlich hat Schellnhuber in Science vorgerechnet, dass die globale Klimaerwärmung nur dann auf zwei Grad zu begrenzen wäre, wenn die Kohle Ende der 2020er Jahre ganz aus dem globalen Energiemix verschwindet. Im selben Beitrag war auch Anerkennendes über den CO2-Champion China zu lesen, dessen Kohleverbrauch 2015 etwas zurückging. Wenn sich das smoggeplagte Reich der Mitte nun aber als führende Klimaschutznation sieht, stimmt das nur bedingt froh. China setzt unter anderem auf alte Kernenergie und biotop-fressende Wasserkraft – vor allem aber auf das Recht, im Zweifelsfall auf Klima und Umwelt pfeifen zu dürfen, solange kein westliches Konsumniveau erreicht ist. Für den Schellnhuberschen Traum einer Welt, die Energie nur aus Wind und Sonne gewinnt und ansonsten einspart, sind die Genossen in Peking die falschen Hoffnungsträger.

          Die bessere Nachricht ist, dass Unternehmen wie der Energiekonzern Exxon Mobil Trump nun davor warnen, aus dem Pariser Klimaabkommen auszutreten. Einem Weckruf wurde dabei nicht gefolgt. Den Multis geht es schlicht um Planungssicherheit und um die Förderung vergleichsweise CO2-arm verbrennenden Erdgases mittels Fracking, was umso einträglicher wird, je mehr die Politik Kohle und Öl zurückdrängt. Die große Transformation eines Ausstiegs aus der fossil befeuerten Weltwirtschaft sollte man sich also besser nicht als revolutionären Ruck vorstellen, bei denen womöglich autoritär-aufgeklärte Regime den westlichen Wohlstandsdemokraten zeigen wie's geht, sondern im besten Fall als zähes Ringen zwischen wissenschaftlich informierter Ordnungspolitik und kalkulierendem Kapitalismus. Das wird keine Heldengeschichte und das Zwei-Grad-Ziel dürfte so auch nicht zu erreichen sein, Aber es ist realistisch.

          Ulf von Rauchhaupt

          verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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