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Ökotourismus : Gefährliche Nähe

Fingerübung: Jane Goodall im Gombe-Nationalpark in Tansania mit einem Affenjungen namens Flint. Bild: Hugo van Lawick/Nat. Geographic

Die enge Verwandtschaft von Mensch und Affe bescherte uns Aids und Ebola. Zwischen beiden Arten können Erreger leicht überspringen. So dient es auch dem Schutz der Tiere, wenn wir ihnen nicht zu dicht aufs Fell rücken.

          Die Fotos, auf denen Dian Fossey zu sehen ist, wie sie mit ihren Berggorillas kuschelt, sind weltberühmt. Bis zu ihrer Ermordung 1985 machte sich die Amerikanerin für den Schutz der Menschenaffen stark. Die Schimpansenforscherin Jane Goodall tut das bis heute. Auch von ihr existieren geradezu ikonische Bilder, die sie in engstem Kontakt mit Affen zeigen. Ohne Mundschutz, ohne Sicherheitsabstand. Auf Du und Du mit einem Silberrücken oder mit einem Schimpansenbaby – das sieht bei diesen beiden Frauen recht einfach aus, und viele Ökotouristen würden es ihnen am liebsten gleichtun.

          Sonja Kastilan

          Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Das sind Bilder aus der schönen alten Zeit, als wir noch völlig naiv waren und nichts von Infektionen ahnten“, sagt dazu der Primatologe Christophe Boesch, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Diese Pionierinnen seien so stolz darauf gewesen, dass es ihnen überhaupt gelungen sei, wilde Schimpansen oder Gorillas an Menschen zu gewöhnen. Nur so meinten sie deren Verhalten besser studieren zu können. Aus der damaligen Perspektive sehr verständlich. „Aber retrospektiv betrachtet, war das unverantwortlich. Es besteht nun einmal die Gefahr, dass Krankheiten übertragen werden. Und das haben wir unterschätzt.“

          Touristen bringen Viren, Bakterien und Parasiten mit

          Boesch fürchtet weniger, dass sich die Forscher bei den Tieren anstecken und sich auf diese Weise verheerende Seuchen einhandeln könnten, obwohl auch das schon vorgekommen ist – in einem Fall erkrankte eine Studentin an Ebola, als man den Erreger noch nicht in Westafrika vermutete. Den Leipziger Primatenforscher treibt vielmehr die Sorge um, dass Menschen umgekehrt ihre eigenen Erreger auf die Affen übertragen und damit ohnehin bedrohte Arten noch weiter in ihrer Existenz gefährden.

          Wo Wälder gerodet werden und mehr und mehr Rückzugsgebiete der Affen Äckern, Palmöl-Plantagen oder Minen weichen müssen, rückt ihnen Homo sapiens mitsamt seinen sogenannten Kulturfolgern regelrecht zu Leibe. Abgesehen von Vieh und Haustieren, bringt er außerdem Viren, Bakterien und Parasiten mit. Unter Krätze litten deshalb vielleicht Berggorillas in Uganda und mussten von Tierärzten behandelt werden. Das berichteten 2001 Forscher um den Parasitologen Thaddeus Graczyk und den „Gorilla Doctor“ Michael Cranfield, ohne die Quelle der lästigen Milben gefunden zu haben. Doch weil dort die meisten Affengruppen inzwischen an Einheimische und Touristen gewöhnt sind, sind solche anthropozoonotischen Übertragungen keineswegs überraschend. Dazu reicht es aus, wenn etwa Kleidung im Wald zurückbleibt, mit der die Affen spielen. Sie steckten sich auch schon mit Darmparasiten des Giardia-Typs an, wahrscheinlich weil sich im Nationalpark nicht jeder an die Hygieneauflagen hielt. Bakterielle Erreger wie Salmonellen, Shigellen oder Campylobacter traten ebenfalls mehrfach in Erscheinung, ebenso antibiotikaresistente Staphylokokken. Vermutlich töteten Masern und Polio schon sowohl Schimpansen wie auch Gorillas, man fürchtet ferner den Ausbruch von Tuberkulose.

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