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Mount Paektu : Der schlummernde Drache Nordkoreas

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Mount Paektu: Zuletzt war der im Grenzgebiet zwischen China und Nordkorea gelegene, mehr als 2700 Meter hohe Vulkan im Jahre 1903 aktiv. Bild: AP

Mount Paektu, unweit der chinesischen Grenze gelegen, ist einer der gefährlichsten und rätselhaftesten Vulkane der Erde. In einer ungewöhnlichen Kooperation dürfen britische Geologen ihn nun erstmals erforschen.

          Obwohl Mount Paektu zu den gefährlichsten Vulkanen auf der Erde gehört, ist geowissenschaftlich über ihn nur wenig bekannt. Zuletzt war der im Grenzgebiet zwischen China und Nordkorea gelegene, mehr als 2700 Meter hohe Vulkan im Jahre 1903 aktiv. Berüchtigt ist er wegen einer extrem starken Eruption im Jahr 946 nach Christus, die mehrere Jahre anhielt. Sie erreichte dabei die höchste Stufe auf der siebenteiligen Skala, mit der die Stärke von Vulkanausbrüchen bestimmt wird.

          Damals wurden aus dem Schlot des Mount Paektu mehr als 100 Kubikkilometer Asche geschleudert. Der Ausbruch gilt als eine der stärksten Vulkaneruptionen der vergangenen 5000 Jahre und war mindestens ebenso heftig wie die Eruption des Vulkans Tambora im Jahre 1815, die global zu einer mittelfristigen Klimaänderung führte. In einer im gegenwärtigen politischen Umfeld außergewöhnlichen Zusammenarbeit hat nun eine internationale Forschergruppe den Vulkan erstmals auf nordkoreanischer Seite seismisch vermessen.

          Spärliche Informationen über einen sagenumwobenen Berg

          In der koreanischen Mythologie spielt der aktive Vulkan Paektu eine besondere Rolle, gilt er doch als die Geburtsstätte von Dangun, dem Gründer des ersten koreanischen Königreiches. Auch Kim Jong-il, der Vater des gegenwärtigen kommunistischen Diktators in Nordkorea, Kim Jong-un, soll an den Flanken des Vulkans geboren worden sein. Dem widersprechen allerdings sowjetische Dokumente, nach denen er in der Nähe der sibirischen Stadt Chabarowsk zur Welt gekommen sein soll. Den Aufzeichnungen aus verschiedenen koreanischen Dynastien zufolge brach der Vulkan in der Vergangenheit im Durchschnitt mindestens einmal pro Jahrhundert aus.

          Trügerische Postkartenidylle am Mount Paektu Bilderstrecke

          Wegen der politischen Isolation Nordkoreas gibt es nur wenige geowissenschaftliche Informationen über den Berg. Dem Kieler Vulkanologen Hans-Ulrich Schmincke bot sich Mitte der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts als einem der ersten westlichen Forscher die Gelegenheit, den Berg auf nordkoreanischer Seite zu besuchen und dabei das ausgestoßene Aschevolumen der großen Eruption vor gut tausend Jahren zu bestimmen. Nach seinen Berechnungen betrug es mindestens 96 Kubikkilometer.

          Ein geblähter Vulkan bebt

          Auf einer Fläche, die der Größe Baden-Württembergs entspricht, war die Asche damals mehrere Dezimeter dick. Selbst in manchen Teilen Japans regnete es nach dem Ausbruch so viel Asche, dass diese eine bis zu fünf Zentimeter dicke Schicht bildete. Noch heute zeugen meterhohe Tephraschichten an den Flanken von Mount Paektu von der Wucht des Ausbruchs dieses Stratovulkans.

          Im Jahre 2002, knapp hundert Jahre nach seinem letzten kleineren Ausbruch, schien der Vulkan abermals zu erwachen. Chinesische Forscher hatten unter dem Changbaishan - so der Name des Vulkans in China - mehrere Erdbeben gemessen. Sie richteten daraufhin ein Vulkanobservatorium ein und begannen mit langfristigen geophysikalischen Messungen. Allerdings wurde es ihnen nicht erlaubt, ihre Messgeräte auch auf nordkoreanischer Seite aufzustellen, so dass eine komplette Erfassung der Aktivität des Vulkans nicht möglich war.

          Dennoch registrierten Xu Jiandong und seine Kollegen von der Erdbebebenbehörde Chinas innerhalb von fünf Jahren nahezu 4000 seismische Ereignisse unter dem Vulkan. Allerdings waren nur wenige dieser Mikrobeben an der Erdoberfläche zu spüren. Aus Neigungsmessungen ging außerdem hervor, dass sich der Vulkan in dieser Zeit mehrmals aufblähte, sich aber anschließend jedesmal wieder in seine ursprünglich Form zurückzog. Zu einem Ausbruch kam es schließlich nicht, und seit 2006 ist unter dem Berg wieder weitgehend Ruhe eingekehrt.

          Seismometer horchen in Paektus Inneres

          Nachdem die Aktivität unter dem Vulkan schon nahezu vollständig versiegt war, öffnete Nordkorea im Jahre 2010 zwei britischen Vulkanologen den Zugang zum Berg. Nach mehreren Aufstiegen zum Krater und vielen Verhandlungen erhielten James Hammond vom Imperial College in London und Clive Oppenheimer von der Cambridge University schließlich die Genehmigung, sechs moderne Seismometer auf der zu Nordkorea gehörenden Seite von Mount Peaktu aufzustellen.

          Diese Geräte haben nicht nur die inzwischen stark zurückgegangene seismische Aktivität unter dem Vulkan registriert. Sie zeichneten auch die seismischen Wellen von Erdbeben aus anderen Teilen der Welt auf. Ähnlich wie Röntgenstrahlen in der medizinischen Diagnostik lassen sich diese Wellen dazu nutzen, sonst völlig unzugängliche Bereiche des Erdinneren zu durchleuchten. Auf diese Weise ist es den beiden Briten zusammen mit Forschern aus Nordkorea und China gelungen, ein Bild der Verhältnisse in der Erdkruste viele Kilometer tief unter dem Vulkan zu zeichnen.

          Ein Magmareservoir speist vermutlich den Vulkan

          Wie die Forschergruppe in der Zeitschrift „Science Advances“ schreibt, ist die Erdkruste in diesem Gebiet etwa 40 Kilometer dick. Sie ist dabei aber keineswegs homogen, denn unterhalb von fünf Kilometern unter dem Vulkan durchdringen die seismischen Wellen ein Gebiet stark erhöhter Temperatur. Dabei könnte es sich um ein Magmareservoir handeln, das den Vulkan langfristig speist. Die seismische Aktivität unter Mount Paektu zu Beginn dieses Jahrhunderts wird auf Bewegungen der Schmelze in diesem Reservoir zurückgeführt. Nach Berechnungen der Forscher ist das Reservoir groß genug, um eine ähnlich starke Eruption wie jene vor mehr als tausend Jahren zu speisen.

          Ein vergleichbarer Ascheregen würde heute aber nicht nur einige abgelegene Gebiete Nordkoreas und Chinas bedecken, sondern auch Großstädte wie Pjöngjang, Seoul und je nach Windrichtung sogar Osaka und Tokio lahmlegen. Nach den jüngsten Messungen ist aber gegenwärtig nicht mit einem abermaligen Ausbruch des Vulkans zu rechnen. Die jüngste Untersuchung hat die Zusammenarbeit zwischen chinesischen und nordkoreanischen Wissenschaftlern beflügelt. Sie tauschen nun regelmäßig Messdaten ihrer jeweiligen Vulkanobservatorien aus, was eine bessere Überwachung der Vulkanaktivität möglich macht.

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