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Immer mehr Müll : Die Plastiklawine rollt jetzt rückwärts

Düstere Aussichten: Ein Strand in Libanon ist vollkommen verdreckt von Plastikmüll. Bild: dpa

Seitdem China die Grenzen für Plastikmüll aus dem Ausland geschlossen hat, herrscht große Not. Wohin nur mit dem ganzen Abfall? Die neuesten Zahlen lassen nur eine Option zu.

          Die Plastiklawine rollt weiter, und sie rollt jetzt mit Wucht rückwärts: Als China zum Jahreswechsel ein Importverbot für industriellen Plastikmüll in Kraft gesetzt hat, ging das noch im internationalen Politikchaos unter. Als dann wenig später die Europäische Kommission ihre Plastikstrategie vorgestellt und angekündigt hatte, Strohhalme, Wattestäbchen und Plastikgeschirr bald verbieten und die Recyclingquote dringend steigern zu wollen, zuckten einige zusammen und stimmten das alte Klagelied von der „Brüsseler Verbotskultur“ an. Es blieb beim leisen Grollen. Doch das Donnern der Lawine ist am am Industriehimmel inzwischen unüberhörbar. Es droht der Plastikkollaps. Die passenden Zahlen dazu lieferte jetzt das Wissenschaftsmagazin “Science Advances“. 

          Ohne China, vor allem aber ohne schnelle eigene Gegenmaßnahmen der Industrienationen, könnte der weltweite Plastikmüllhandel  zusammenbrechen, die Verschmutzung der Meere und Böden weltweit in kürzester Zeit explodieren.  Ein Team amerikanischer und chinesischer Ingenieure an der University of Georgia hat allein aus den verfügbaren Zahlen, die von Behörden und der Industrie herausgegeben werden,  schon für 2030 katastrophale Zustände vorausgesagt. 111 Millionen Tonnen Kunststoff, der eigentlich für das Recycling gedacht ist, könnten bis dahin buchstäblich “heimatlos“ werden, weil China die Grenzen dicht gemacht hat – ein Drittel der Jahresplastikproduktion weltweit.

          Bis zu elf Millionen Tonnen landen jedes Jahr in den Meeren

          „National Sword“, nationales Schwert, so hat die chinesische Regierung die Gesetzesmaßnahme genannt, die Ende des vergangenen Jahres zum radikalen Importverbot von Plastikmüll führte. Tatsächlich aber hatte Peking schon im Jahr 2013 erkennen lassen, dass man die Notbremse ziehen will. “Grüner Zaun“ hieß die Kampagne damals, mit der vor allem schwer verwertbarer, mit Chemikalien zusätzlich verunreinigter Plastikmüll aus dem Ausland blockiert werden sollte. Bis dahin waren die Plastikmüllimporte bereits rapide gestiegen. Aber auch die eigene Produktion. In den fünfziger Jahren, dem Beginn des Plastikbooms, wurden zwei Millionen Tonnen Kunststoffprodukte in den Industrienationen erzeugt.

          Im Jahr 2015 waren es schon 322 Millionen. Nicht weniger als 8,3 Milliarden Tonnen Plastik, so die Schätzungen der Wissenschaftler, sind bis zum Jahr 2017 weltweit in Umlauf gekommen. Und nur ein Bruchteil davon wurde wieder verwertet: Nicht mehr als neun Prozent weltweit. Heißt: Die große Masse (vierzig Prozent sind Tüten und anderes PVC-PET,-PP-Verpackungsmaterial) landete auf Mülldeponien oder verschmutzte die Umwelt. Zwischen vier und elf Millionen Tonnen Plastikmüll, so genau lässt sich das auch für die Wissenschaftler nicht recherchieren, enden derzeit jedes Jahr in den Weltmeeren.

          Aber auch der Kunststoffabfall, der gesammelt und  verarbeitet werden sollte, nimmt massiv zu: Zwischen 1993 und 2016 wuchs das Volumen des Plastikmüllhandels um sagenhafte achthundert Prozent. Die größten Abfallmengen, 85 Prozent, produzieren dabei die wohlhabendsten Staaten in Europa, Asien und Amerika –  mit der Europäischen Union als Spitzenreiter. Die Industriestaaten hatten längst aufgehört, die nötigen Recyclingkapazitäten aufzubauen.

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          China, vor allem aber auch Hongkong als größter internationaler Plastikmüll-Umladeplatz, nahm das Plastik anfangs gerne an, um die eigene Industrie zu versorgen. Nach und nach wurde freilich auch das Riesenreich der Mitte mit den wachsenden Plastikbergen nicht mehr fertig. Zu den gut sechzig Millionen Tonnen, die man zuletzt selbst im eigenen Land jährlich herstellte, kamen mindestens siebeneinhalb Millionen Tonnen dazu, die mit Containerschiffen ins Land gebracht wurden. 

          Nun allerdings hat Peking endgültig die Notbremse gezogen. Die Lawine indes schwillt ungebremst weiter an. Was tun? Für die Wissenschaftler steht fest:  Die Produzentenländer müssen auf der Stelle Recyclinganlagen bauen. Tun sie das nicht, so dir Forscher,  “tragen sie damit auch dazu bei, dass der ungeregelt und illegale Handel mit Plastikabfällen rapide zunimmt“. Die Wissenschaftler schlagen vor, den Plastikmüllhandel umgehend unter dem Dach der Basel-Konvention zu regeln. Bislang wird mit diesem Vertrag der Umgang mit gefährlichem Sondermüll reguliert. Nichts anderes als das ist inzwischen in den Augen vieler Politiker und Umweltschützer der ganz übliche Plastikmüll.  

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