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Veröffentlicht: 17.10.2016, 10:12 Uhr

Plastik im Meer Das Elend der Muscheln

Mehr als 330 Tierarten schlucken den Plastikmüll der Meere. Der Stoff ist eine große Gefahr für die Umwelt, weil er nicht vergeht. Manche Tiere schaffen es trotzdem, damit umzugehen.

von Max Mönch
© dpa Miesmuscheln: leidet an starken Entzündungen, wenn Plastik aufgenommen wird.

Die einen verwechseln es mit Nahrung. Zum Beispiel die im Mittelmeer verbreitete falsche Karettschildkröte oder der Eissturmvogel in der Nordsee. Andere Organismen nehmen es indirekt auf: Sie fressen Tiere, die selbst voll damit sind. Nach Angaben des Umweltbundesamtes ist die Aufnahme von Plastik für etwa 330 Meerestierarten inzwischen sicher dokumentiert.

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Die großen Plastikteile sind vor allem ein physisches Problem. Bei den Schildkröten blockieren sie das Verdauungssystem. Die Tiere verhungern oder verletzen sich und verbluten innerlich. Ähnlich die Eissturmvögel. Ihre Mägen sind irgendwann voll, sie verhungern. Mit den kleinen Partikeln, dem Mikroplastik, sieht es anders aus. Im Idealfall wird es einmal durch den Organismus geschleust und nach einer Zeit wieder ausgeschieden. Doch es kann auch anders kommen. Denn nicht immer halten sich Plastikpartikel an den vorgegebenen Pfad. Sie verlassen den Verdauungstrakt und dringen in das Gewebe der Tiere ein. Lars Gutow und Angela Köhler, beide Wissenschaftler am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, haben die Anfälligkeit einzelner Tierarten experimentell untersucht.

42898124 © Alfred-Wegener-Institut (AWI) Vergrößern Blick in den Darm einer Meerassel: Leuchtendes Partikel in der Mitte ist Mikroplastik, die Mitteldarmdrüse rechts darunter ist frei von Mikroplastik.

In regelmäßigen Abständen wurden Miesmuscheln und Meerasseln mit Plastikpartikeln gefüttert. Die physiologischen Reaktionen der Tiere hätten unterschiedlicher nicht sein können. Während die Miesmuschel mit heftigen Entzündungen reagierte, reagierten die Asseln überhaupt nicht. Miesmuscheln verfügen über keinerlei Filter, Partikel davon abzuhalten, in den Körper einzudringen. Die Meerasseln hingegen haben offenbar ein ausgeklügeltes engmaschiges Filtersystem, das alles, was nicht Nahrung ist, vor der Verdauung abschöpft und nach draußen befördert.

Plastik vergeht nicht, es wird zu winzigen Nanoteilchen

Der Grund liegt in der Art, sich zu ernähren. Meerasseln schaufeln alles in sich hinein, dessen sie habhaft werden können. Die Sortierung findet erst im Körper statt. Die Miesmuschel dagegen ist ein Filtrierer, sie zieht ihre Nährstoffe direkt aus dem Wasser. Evolutionsbiologisch war die Miesmuschel die längste Zeit nicht darauf angewiesen, Schadstoffe wie Plastik aus dem Wasser zu filtern.

Die Filteranlage der Meerassel ist aber nur scheinbar ein evolutionärer Glücksfall. Denn auch wenn mit einem Mikrometer die Maschen so gut wie alles aufhalten, was ihr schaden könnte, gegen den Zerfall von Plastik sind auch sie machtlos. Denn sobald Plastik die Winzigkeit von Nanoteilchen erreicht hat, also in Millionstel Millimeter gemessen wird, kann sie nichts mehr aufhalten. „Partikel in dieser Größenordnung können sogar die Zellmembran passieren und in die Zellen eindringen. „Was sie dort anstellen, ist noch überhaupt nicht erforscht“, sagt Gutow. Es ist die große Zukunftsfrage der Plastikforschung: Was passiert, wenn die Millionen Tonnen Plastik zu unsichtbaren Nanoteilchen zerfallen sind?

42832040 © dpa Vergrößern Plastik an einem Strand in Senegal: Gelangt der Stoff ins Meer, schadet er der Umwelt ungemein.

Mehr über die Recherche-Ergebnisse zur Plastikverschmutzung der Meere finden Sie in unserem Internet-Fokus: „Meere & Ozeane“ unter www.faz.net/wissen, der in Kooperation mit Arte/ZDF entwickelt wurde.

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