http://www.faz.net/-gwz-9481b

Lichtverschmutzung : Die Nächte sind blauer geworden

  • -Aktualisiert am

Dieses 2015 von der Internationalen Raumstation aus aufgenommene Bild Mailands zeigt den Übergang zur LED Technologie im Zentrum der Stadt. Bild: NASA/ESA

Die Beleuchtung der Städte hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Doch der Effekt des zunehmenden Einsatzes von LEDs ist anders als erwartet.

          Gerade an trüben Herbsttagen merken wir es: Licht ist lebensnotwendig und künstliches Licht ein Fortschrittsmotor ohnegleichen: Es ermöglicht uns, der Dunkelheit ein Schnippchen zu schlagen. Nicht länger ist unser Tagwerk auf die Sonnenstunden beschränkt, wir leben einen 24-Stunden-Tag. Der Blick aus dem All zeigt: Wo immer es sich der Mensch auf unserem Planeten gemütlich macht, erhellt er seine Umgebung mit künstlichem Licht.

          Das hat seinen Preis. Verlässliche Zahlen gibt es kaum, doch Experten schätzen, dass weltweit mehrere hundert Millionen Straßenlampen im Einsatz sind, Tendenz steigend. Um die 100 Milliarden Euro und mehrere 100 Millionen Tonnen CO₂ dürfte uns diese Beleuchtung unseres Planeten pro Jahr wert sein. Dazu kommen unzählige private Lampen. Kein Wunder, dass Städte weltweit ihre Beleuchtung auf energiesparende Leuchtdioden (LEDs) umstellen. Mehr als die Hälfte des Stromverbrauchs kann eine LED im Vergleich zu den weitverbreiteten Gasentladungslampen einsparen – bei gleicher Beleuchtungsstärke. Die Stadt Mailand hat beispielsweise zwischen 2012 und 2015 einen Großteil ihrer Beleuchtung auf LEDs umgerüstet. Das zeigen die beiden Fotos, die Astronauten auf der Internationalen Raumstation aufgenommen haben. Indikator ist der Farbunterschied der Lichter: Die alten Natriumdampflampen leuchteten orange, die LEDs sind weiß.

          Im Jahr 2012 sah man Mailand von der Internationalen Raumstation aus noch vom gelblichen Licht der alten Natriumdampflampen erhellt.

          Verringern die energiesparenden LEDs also Stromverbrauch und CO₂-Ausstoß? In einer perfekten Welt vielleicht, aber nicht auf der Erde. Wissenschaftler um Christopher Kyba vom Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam untersuchten mit dem Wettersatelliten Suomi NPP, wie sich die weltweite künstliche Beleuchtung zwischen 2012 und 2016 verändert hat. Das weiße LED-Licht besteht aus sämtlichen Spektralfarben von blau nach rot, und gerade im blauen Bereich, in dem viele LEDs hell strahlen, ist die Kamera an Bord von Suomi NPP blind. Entsprechend erwarteten die Forscher eine Abnahme der vom Satelliten registrierten Helligkeit, wenn alte Lampen durch LEDs ersetzt werden. Doch fast überall nimmt die Helligkeit zu, bestenfalls bleibt sie konstant.

          Die Forscher erklären das mit einem altbekannten Effekt: Vergünstigt sich eine Ressource durch eine neue Technologie, steigt ihr Verbrauch mittelfristig an, was den Effizienzgewinn auffrisst. Sprich: Wird Licht billiger, wird eben mehr und heller beleuchtet. Das stört einerseits Astronomen, die immer weniger Sterne sehen können. Und das blaulichtreiche Licht hält uns nicht nur wach, es steht auch im Verdacht, bestimmte Krebsarten zu fördern. Eigentlich ein weiterer Grund, sparsam damit umzugehen.

          Weitere Themen

          Eine eigene kleine Welt unter Glas

          „Minigewächshaus“ : Eine eigene kleine Welt unter Glas

          Farne in Einweckgläsern, Moose in Weinballons und Gräser in alten Flaschen: In ausgedienten Glasbehältern haben mitten in Leipzig ein Biologe und ein Künstler über Jahre hinweg ganze Gärten herangezogen.

          Was grunzt denn da?

          Regenwürmer nehmen Reißaus : Was grunzt denn da?

          Schon der große Naturforscher Charles Darwin untersuchte im 19. Jahrhundert das Verhalten von Regenwürmern. Die Frage jedoch, warum sie hin und wieder aus ihren Löchern kriechen, ist bis heute ein Rätsel.

          Wie nerdy sind Sie?

          EU-Kampagne mit Spiel : Wie nerdy sind Sie?

          Der digitale Umbau kommt mit Macht und Brüssel und will herausfinden, wie viele Europäer noch mithalten. Das multimediale Umfragespiel „iNerd“ soll zeigen, wie gut Sie vier Hauptthemen beherrschen. Probieren Sie es aus.

          Topmeldungen

          Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl: Rainer Rahn, stellvertretender Vorsitzender der AfD Hessen.

          AfD vor den Landtagswahlen : Bürgerliche Brandstifter?

          Die hessische AfD präsentiert sich vor der Landtagswahl gemäßigter als der Rest der Partei. Die Angriffe aus der CDU versucht sie, für sich zu nutzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.