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Düstere Klimaszenarien : Was kommt nach der großen Dürre?

  • -Aktualisiert am

So wenig Wasser wie derzeit floss im Po schon lange nicht mehr. Das Foto wurde am 23. Juni 2017 in Staffarda aufgenommen. Bild: dpa

Im Zuge des Klimawandels werden Hitzewellen und Dürreperioden häufiger, und sie dauern länger. Für viele Regionen der Erde wird es schwerer sich zu regenerieren. Die Zukunftsszenarien sind düster.

          Der Süden Europas leidet seit Wochen unter einer anhaltenden Hitze- und Dürrewelle. Vielerorts liegen die Temperaturen über 40 Grad. Selbst in der Nacht kühlt es nicht mehr ab. Angesichts des Klimawandels befürchten viele Wissenschaftler, dass es in Zukunft häufiger solche Hitze- und Dürrewellen geben wird. Sie hegen die Sorge, dass diese Extremsituationen derart schnell aufeinanderfolgen werden, dass den Ökosystemen keine Zeit bleibt, sich vollständig zu erholen.

          Das würde bedeuten, dass ein Teil der Vegetation dauerhaft abstirbt und dass das Treibhausgas Kohlendioxid (CO₂) dort nicht mehr durch Photosynthese gebunden, sondern über den Zerfall der Biomasse freigesetzt wird – zum Nachteil des Klimas. Forscher um Christopher Schwalm vom Woods Hole Research Center Falmouth haben nun untersucht, wie widerstandsfähig Ökosysteme im Hinblick auf Dürreperioden sind und welche Umstände eine vollständige Erholung begünstigen. Regen allein genüge danach nicht. Ein Ökosystem habe sich erst dann vollständig erholt, wenn die Pflanzen wieder genauso viel CO₂ durch Photosynthese binden wie vor der Trockenheit.

          Verlangsamte Regeneration in den Tropen

          Die Wissenschaftler zeigen in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift „Nature“, dass sich viele Ökosysteme nach sechs Monaten vollständig erholt haben . Allerdings brauchen einige Gebiete auch deutlich länger, etwa die tropischen Regionen Südostasiens und Südamerikas sowie der hohe Norden in Sibirien und Alaska. Diese Regionen gehören zu den wichtigsten Kohlenstoffsenken der Welt, weil sie CO₂ speichern. Es sei besorgniserregend, dass sich gerade diese Regionen langsamer erholten als andere, schreiben Schwalm und seine Kollegen. Bezogen auf das Klima, seien dies gerade die vulnerabelsten Regionen der Welt.

          Wie schnell sich Ökosysteme erholen, hängt neben der geographischen Lage von den Wetterverhältnissen nach der Dürre ab, der Produktion von Biomasse, der Artenvielfalt und der zur Verfügung stehenden Menge an Kohlendioxid. Viel Niederschlag und moderate Temperaturen nach der Dürre fördern eine schnelle Erholung. Heiße oder kalte Gegenden und Gebiete, in denen es auch nach der Dürre wenig regnet, brauchen länger, um sich vollständig zu erholen. Regionen, die vor der Dürre recht viel Biomasse produziert haben, tun sich offensichtlich ebenfalls schwerer, ihr ursprüngliches Niveau zu erreichen.

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          Ab einem bestimmten Schwellenwert bremst auch die Artenvielfalt eine rasche Erholung. Dies sei überraschend, so die Forscher, weil man von einem positiven Zusammenhang zwischen Artenvielfalt und Produktivität ausgegangen sei. Aber vielleicht gebe es in den artenreicheren Systemen mehr Lebewesen, die schlechter an die Dürre angepasst seien und deshalb schneller und nachhaltiger geschädigt würden. Eine höhere CO₂-Konzentration führt ebenfalls zu einer schnelleren Erholung, weil dieses Treibhausgas – in gewissen Grenzen – zu mehr Photosynthese führt.

          Entwicklung bedroht ein Fünftel der Weltbevölkerung

          Schwalm und seine Kollegen haben auch festgestellt, dass sich heute weit mehr Flächen von einer Dürre erholen müssen als vor hundert Jahren. Auch die Erholungszeit hat offensichtlich zugenommen. Gerade dieser Umstand bereitet Schwalm und seinen Kollegen Sorgen, wie sie am Beispiel des Amazonas-Regenwalds erläutern. In den Jahren 2005 und 2010 hatte es dort ungewöhnliche schwere Dürren gegeben. Der Regenwald könne solche schnell aufeinanderfolgenden Ereignisse kaum verkraften. Ein chronischer Zustand unvollständiger Erholung würde sicher Konsequenzen für diese bedeutende Kohlenstoffsenke haben. Wissenschaftler um Eun-Soon Im von der Universität Hongkong haben unlängst in der Zeitschrift „Science Advances“ Modelle zur globalen Temperaturentwicklung vorgelegt.

          Gelingt es nicht, weniger Treibhausgase auszustoßen und die Erderwärmung einzudämmen, könnten bis zum Ende des Jahrhunderts große Teile Südasiens unbewohnbar sein, weil eine Kombination aus Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit dafür sorgen wird, dass sich die Menschen durch das Verdunsten von Schweiß nicht mehr genügend abkühlen können, so die Prognose der Forscher. Rund 1,5 Milliarden Menschen könnten dann heimatlos werden. Das ist fast ein Fünftel der Weltbevölkerung. Eun-Soon Im und ihre Kollegen haben ihr Modell auch mit Daten berechnet, die voraussetzen, dass die in Paris beschlossenen Klimaziele erreicht werden. Dann wäre es in Nordindien, Pakistan und Bangladesch zwar immer noch sehr heiß, aber die Gebiete blieben noch bewohnbar.

          Quelle: F.A.Z.

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