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Widerstand gegen Trump : Die Verstrickten

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2009 nach dem Beben im italienischen L’Aquila wurden mehrere Seismologen verurteilt. Sie hatten die Gefahr unterschätzt. Bild: AP

Manipulations- und Lügenvorwürfe: Amerikanische Klimaforscher müssen immer öfter Klagen fürchten, bringen ihre Daten in Sicherheit. Vor dem Amtsantritt des nächsten Präsidenten organisieren sie den offenen Widerstand.

          Albert Einstein brauchte keinen Rechtsanwalt, zumindest nicht, um seine Wissenschaft zu verteidigen. Obwohl er mit seinen eleganten Formeln zur Dehnbarkeit von Raum und Zeit die Grundfesten der damaligen Physik erschütterte, gab es vor gut hundert Jahren keinen, der ihn deswegen verklagte. Niemand verlangte einen Richterspruch, um Einsteins Briefwechsel einzusehen, niemand wollte per Gerichtsurteil herausfinden, ob die Allgemeine Relativitätstheorie nicht doch eine gigantische Verschwörung ist.

          Bohr, Hahn, Watson, Crick, Higgs, ja praktisch alle Naturwissenschaftler konnten bisher ihrer Arbeit nachgehen, ohne fürchten zu müssen, irgendwann mit hanebüchenen Klagen gegen ihre Forschung vor den Kadi gezogen zu werden. Das änderte sich spätestens im Jahre 2009 nach dem Erdbeben in der zentralitalienischen Stadt L’Aquila. Sechs Seismologen wurden verurteilt, weil sie kurz vor dem Beben angeblich das seismische Risiko in der AbruzzenStadt öffentlich heruntergespielt hatten.

          Rechtsschutz für Klimaforscher

          Obwohl das Urteil inzwischen aufgehoben wurde, ließ der Richterspruch in Italien Geowissenschaftler in aller Welt erschaudern. Viele fragten sich, ob sie nun in die Mühlen der Justiz geraten, wenn sie die unberechenbare Erde, den Gegenstand ihrer Forschung, nicht voll verstehen. Meteorologen und Klimaforscher sind dem Drang zur Klage besonders ausgesetzt, wenn es um Aussagen zum anthropogenen Einfluss auf das Klima geht.

          Der Forscher Michael Mann von der Pennsylvania State University kann davon ein Lied singen. Nachdem er den rasanten Anstieg der Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre mit einem auf der Seite liegenden Hockeyschläger verglichen hatte, sah er sich Dutzenden von Klagen ausgesetzt, in denen er gezwungen werden sollte, alle seine E-Mails offenzulegen. Eine Gruppe von Klimaspkeptikern wollte ihm damit Verschwörung, Datenfälschung und vieles mehr nachweisen. Inzwischen gibt es eine mit Spenden finanzierte Rechtsschutzorganisation, die Klimaforschern hilft, richtig auf solchen Klagen zu reagieren.

          Angst vor Trumps Ideen

          Auf der Herbsttagung der Amerikanischen Geophysikalischen Union wird die Stiftung in dieser Woche einen Leitfaden herausgeben, in dem beschrieben wird, wie sich Naturwissenschaftler gegen politische und juristische Angriffe wehren können. Es ist allerdings zweifelhaft, ob der Leitfaden gegen die jüngsten Schritte von Mitarbeitern des künftigen amerikanischen Präsidenten Trump hilft. Sein Team, das die Machtübernahme in Washington vorbereitet, hat nämlich nun vom Energieministerium die Namen und E-Mails aller jener Beamten und Forscher aus den vom Ministerium betriebenen Forschungszentren angefordert, die in den vergangenen Jahren an den Verhandlungen über die inernationalen Klimaabkommen beteiligt waren.

          Die Wissenschaft muss nun befürchten, dass dieser ungewöhnliche Schritt zu einer Schwarzen Liste jener Klimaforscher führt, die nicht mit Trumps Meinung übereinstimmen, der menschliche Anteil am Klimawandel sei eine von den Chinesen in die Welt gesetzte Verschwörung.

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