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Trump und das Klimaabkommen : Eine ökologische Geisterfahrt

Grauenhafte Ankündigung im Grünen: Donald Trump verkündet im Rosengarten des Weißen Hauses den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen. Bild: Reuters

Das Klimaabkommen von Paris war nie als Rezept zur Weltrettung gedacht. Es soll nach vorn weisen. Trumps lässige Aufkündigung zeigt die Willkür Washingtons im Umgang mit der Wirklichkeit.

          Die lässige Theatralik, mit der Donald Trump der Welt weismachen wollte, dass das Pariser Klimaabkommen die weltweite Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts nur um eine „Winzigkeit“ von 0,2 Grad abmildert, war wieder ein schlagendes Beispiel für die Inkompetenz seiner Regierung. Es war noch mehr, und das nicht das einzige Mal: Es war ein gezielter Missbrauch wissenschaftlicher Kenntnisse – gefühltes Wissen statt belegbare Tatsachen. Es zeigt die Willkür Washingtons im Umgang mit der Wirklichkeit: Trump hatte eine Studie des angesehenen Massachussetts Institute of Technology zitiert, in der ein Jahr vor dem Pariser Abkommen noch wild spekuliert wurde und schon fast niemand ernsthaft an einen neuen Weltklimavertrag glaubte.

          Joachim  Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Seriöse Zahlen und die nationalen Selbstverpflichtungen zur Emissionsminderung kamen erst später. Dieselben Wissenschaftler veröffentlichten im Jahr nach der Pariser Vereinbarung eine neue Studie, die mit den Pariser Zahlen das Potential, die Erwärmung bis zur Jahrhundertwende zu bremsen, auf 0,6 bis 1,1 Grad taxierte. Trump suchte sich für seine Ausstiegsinszenierung die Zahl, die ihm gefiel. Wer so mit Wahrheiten umgeht, kann alles behaupten, auch: Die Erde ist eine Scheibe. Dass der neue französische Präsident daraufhin amerikanischen Forschern quasi Asyl und lukrative Posten in Frankreich angeboten hat, zeigt deutlich genug, wie leichtfertig Trump mit dem geistigen Kapital der Aufklärung umgeht.

          Vor allem ein industriepolitisch wichtiges Signal

          Natürlich kann Trump die Zeit nicht zurückdrehen. Das gilt auch nicht für den Klimaschutz. Eine der seriöseren Wahrheiten allerdings, die für Trumps Rolle rückwärts eine Rolle spielen dürfte, lautet: Paris kann das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, „möglichst auf 1,5 Grad“, mit dem heutigen Stand nicht erreichen. Wir sind auf dem Weg in eine drei Grad wärmere Welt, mit allen Konsequenzen. Temperaturen und Meerespegel steigen längst, die Eisschmelze hatte im Vorjahr ein Rekordniveau, die Gebirge verlieren immer schneller ihre Gletscher, die polaren Eispanzer werden instabiler und mehr und mehr Menschen müssen unter Dürren oder katastrophalen Stürmen leiden. Für all das reichte schon eine Erwärmung um ein Grad.

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          Anders aber als der amerikanische Präsident insinuiert, war das Pariser Abkommen vor anderthalb Jahren nicht als fertige Gebrauchsanleitung zur Rettung des Planeten gestrickt worden. Es sollte auch nicht die reichen Länder mit ihren fossilen Altlasten sofort in die Knie zwingen oder finanziell ausbluten, wie Trump in seiner kruden Umverteilungstheorie vorgibt. Vielmehr ist der Vertrag der Versuch, die Interessen von fast zweihundert Staaten auszubalancieren – was durch die Unterschrift fast aller Verantwortlichen dokumentiert wird. Maximale Anstrengungen muss keiner leisten, leistet auch Deutschland nicht. Und: Kein Staat kann bei Misserfolg haftbar oder sanktioniert werden, auch die Vereinigten Staaten nicht. Gleichzeitig wurde ein kluger Mechanismus eingebaut, der sicherstellt, dass die Staaten alle fünf Jahre ihre eigenen Verpflichtungen zum Klimaschutz anheben müssen.

          Der Klimavertrag ist also kein fertiges Rezept, mit ihm startete ein Prozess. Vor allem war er das industriepolitisch wichtige Signal zum Aufbruch in eine umweltfreundlichere Zukunft – ein Signal, das fast alle großen Luftverschmutzer verstanden haben. Trumps Amerika probt jetzt die Geisterfahrt.

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          Quelle: F.A.Z.

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