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Veröffentlicht: 25.04.2017, 04:20 Uhr

Lösung des Müllproblems? Kleine Raupe Nimmersatt als Plastikmüll-Schlucker

Könnte eine kleine Raupe das Problem des weltweiten Plastikmülls lösen? Eine zufällige Entdeckung lässt hoffen.

© AFP Die Larven der Großen Wachsmotte (Galleria mellonella) sind gar nicht groß, dafür könnte ihr Appetit jedoch ein großes Problem der Menschheit lösen.

Eine kleine gefräßige Raupe könnte helfen, das weltweite Problem des Plastikmülls zu lösen. Wie Forscher zufällig herausfanden, fressen die Larven der Großen Wachsmotte (Galleria mellonella) den am häufigsten verwendeten, biologisch aber kaum abbaubaren Kunststoff Polyethylen. „Die Entdeckung könnte ein wichtiges Mittel sein, um Polyethylen-Plastikmüll in Deponien und Ozeanen loszuwerden“, erklärten die Autoren der am Montag in der amerikanischen Fachzeitschrift „Cirrent Biology“ veröffentlichten Studie.

Dass die normalerweise als Fischköder gezüchteten Mottenlarven Polyethylen fressen, entdeckte die spanische Co-Autorin der Studie, Federica Bertocchini, aus purem Zufall. Die Viologin und Hobbyimkerin fand zu ihrem großen Ärger in ihren Bienenstöcken unzählige der kleinen Larven, die sich in freier Natur von Bienenwachs ernähren. Sie habe das Wachs mit den Larven in einen Plastiksack gepackt, berichtete sie der Nachrichtenagentur AFP. „Nach einer Weile entdeckte ich, dass der Sack voller Löcher war und die Raupen überall bei mir herumkrochen“.

Plastiktüte aufgefressen

Gemeinsam mit einem Forscherteam von der Cambridge University wiederholte Bertocchini das Experiment: Sie platzierten rund hundert der kleinen, gelblichen Raupen auf einer normalen Plastiktüte aus dem Supermarkt; binnen 40 Minuten zeigten sich die ersten Löcher, zwölf Stunden später hatten die Mottenlarven 92 Milligramm von der Plastiktüte gefressen. Sie waren damit schneller als Pilze oder Bakterien.

Ein ähnliches Ergebnis erzielten sie, als sie den Test wiederholten - dieses Mal aber mit zerdrückten Raupen. Die Forscher vermuten nun, dass ein Enzym oder eine Kombination aus mehreren Molekülen für die Zersetzung verantwortlich ist. Sie hoffen nun, diese isolieren und mit Hilfe der Biotechnologie „in industriellem Maßstab“ reproduzieren zu können, wie Bertocchinis Co-Autor Paolo Bombelli von der Cambridge University erklärt.

Weltweit werden laut den Forschern jährlich 80 Millionen Tonnen Polyethylen produziert. Es wird vor allem zur Herstellung von Plastiktüten und anderer Plastikverpackung genutzt. Jeder einzelne Mensch verbraucht im Schnitt 230 Plastiksäcke im Jahr, alle zusammen eine Billion Plastiksäcke. In der Natur brauchen die Säcke zwischen 100 und 400 Jahre, um sich komplett zu zersetzen. Die kleine Raupe könnte nun dabei helfen, den Plastikmüll abzubauen, bevor er in die Natur - und vor allem in die Weltmeere - gelangt.

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