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Wie das Erdklima steuern? : Geoengineering ohne Grenzen

  • -Aktualisiert am

Spiegel im All: Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, den Möglichkeiten schon. Bild: Science Photo Library

Jeden Tag rücken die Klimaziele der Staatengemeinschaft etwas weiter in die Ferne. Wäre Geoengineering ein Ausweg? Nicht mit dem vorhandenen Regelwerk.

          Wenn man Steven Chu vor gut acht Jahren hätte machen lassen, dann wäre die Welt heute ein gutes Stück weißer. Vielleicht wäre sie sogar ein bisschen kühler, wer weiß das schon. Der damalige Energieminister von Präsident Barack Obama hatte bei einem Nobelpreisträgertreffen im Jahr 2009 sowie später in einer wissenschaftlichen Publikation dafür geworben, sämtliche Oberflächen weiß einzufärben. Autos, Häuserdächer, Straßen – alles weiß überpinseln. Die Sonnenenergie, die von dunkleren Flächen ansonsten absorbiert wird und für eine Erwärmung sorgt, sie wäre dann, so der Plan, vermehrt zurück ins All reflektiert worden. Chus Vorschlag wurde nicht umgesetzt. Die Dächer und Straßen blieben grau, die Autos vorwiegend schwarz, und die Erde? Sie wärmt sich weiter auf. Um mittlerweile 0,86 Grad Celsius über dem Durchschnitt des zwanzigsten Jahrhunderts, wie die amerikanische Klimabehörde NOAA jüngst mitteilte. Könnte es also sein, dass Chus Vorschläge schon bald wieder aus der Schublade geholt werden, und mit ihnen eine ganze Reihe anderer technischer Maßnahmen, die unter dem Oberbegriff Geoengineering zusammengefasst werden und die helfen sollen, den globalen Temperaturanstieg einzudämmen?

          Im Jahr 2015 einigte sich die Weltgemeinschaft in Paris darauf, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius, wenn möglich auf 1,5 Grad Celsius begrenzen zu wollen. Die Tinte unter dem Vertragswerk war noch nicht trocken, da mehrten sich die Stimmen, die Zweifel hegten, dass diese Ziele – bei denen man davon ausgeht, dass deren Erreichung einen gefährlichen Klimawandel unterbindet – kaum mehr einzuhalten sind. Die Absichtserklärungen zur Emissionsminderung jedenfalls, die die einzelnen Staaten bislang eingereicht haben, geben Anlass zur Sorge: Die dort angekündigten Kohlendioxid-Emissionen würden zu einem Temperaturanstieg von 3,2 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts führen. Unter welchen Umständen also kann das Ziel des Pariser Abkommens noch erreicht werden?

          Ein Anfang, mehr nicht: Auch Solardächer sollten nach dem Willen von Klimaingenieuren bald weiße Farbe tragen.

          Klimawissenschaftler wie Johan Rockström und Hans Joachim Schellnhuber rechnen so: Um das Zwei-Grad-Ziel mit einer 66-prozentigen Wahrscheinlichkeit zu erreichen, stehe der Weltgemeinschaft noch ein Kohlendioxid-Budget von 843 Gigatonnen zur Verfügung. Um das ambitionierte 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, sogar nur noch 110 Gigatonnen. Bei etwa 40 Gigatonnen, die die Weltgemeinschaft derzeit jährlich in die Atmosphäre entlässt, blieben also noch zwanzig Jahre, um unterhalb der Zwei-Grad-Schwelle zu bleiben; die Empfehlung aber lautet: Spätestens 2020 sollte der Peak erreicht sein, die Emissionen ab diesem Zeitpunkt nur noch sinken. Auch die beiden Klimaforscher machen keinen Hehl daraus, dass flankierende Maßnahmen nötig seien. So müsse man die Abholzung stoppen, müsse bestehende Senken wie Wälder und Ozeane schützen, brauche eine Landwirtschaft, die dafür Sorge trägt, dass weniger Kohlendioxid emittiert wird, und ja, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, müsse man neben den Emissionsreduktionen auch über den Einsatz künstlicher Kohlenstoffspeicher, sogenannter Carbon-Capture-and-Storage-Lösungen (CCS) nachdenken. Seit seinem letzten Synthese-Bericht zieht auch der Weltklimarat IPCC technische Lösungen in Betracht, um in die Atmosphäre ausgestoßenes Kohlendioxid wieder zurückzugewinnen – Fachleute sprechen von negativen Emissionen. Dabei werden aber die Methoden nicht näher spezifiziert, obgleich sie bei der Berechnung der Klimaszenarien durchaus berücksichtigt werden.

          Es gibt gleichwohl Kritiker, die mahnen, bei den IPCC-Szenarien handele es sich um überwiegend ökonomisch orientierte Modelle, die die Potentiale der negativen Emissionen überbewerten.

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