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Ursache des Bebens : Die angekündigte Katastrophe

  • -Aktualisiert am

Freiwillige suchen nach dem Beben in Kathmandu nach Überlebenden in den Trümmern. Bild: dpa

Schon vor Jahren sagten Fachleute die Zerstörung Katmandus durch ein Erdbeben recht genau voraus. Ursache für die regelmäßigen schweren Beben in der Region ist eine geologische Besonderheit: ein gewaltiger tektonischer Auffahrunfall.

          Weil in Katmandu das seismische Risiko besonders hoch ist, trafen sich dort seit dem Jahre 1998 regelmäßig zahlreiche Fachleute, um über Maßnahmen zu dessen Verringerung zu beraten. Sie entwickelten dabei ein Szenario, in dem vorhergesagt wird, was bei einem schweren Beben in der Stadt passieren würde und wie sich Nepal auf eine solche Katastrophe vorbereiten könnte. Wer den Bericht heute liest wird schaudern, denn er beschreibt jene Zerstörungen recht genau, die das Beben am Samstag anrichtete.

          Das Beben, bei dem in Nepal, Indien, China und Bangladesh wahrscheinlich mehr als zweitausend Menschen ums Leben kamen, ist mit einer Magnitude von 7,8 das bisher schwerste Beben in diesem Jahr. Sein Herd lag gut 80 Kilometer westnordwestlich der nepalische Hauptstadt Katmandu. Es wurde noch in den jeweils 800 Kilometern von Epizentrum entfernten Hauptstädten Delhi (Indien) und Dhaka (Bangladesh) gespürt.

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          Die Ursache für die immer wieder auftretenden schweren Erdbeben auf dem indischen Subkontinent ist der Zusammenstoß der sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 4,5 Zentimetern pro Jahr langsam nach Norden bewegenden indischen Erdkrustenplatte mit der viel größeren eurasischen Platte. Im Gegensatz zu anderen tektonischen Kollisionszonen, wie beispielsweise im Westen Mittel- und Südamerikas oder vor Japan, wird dabei keine der beiden Platten zu einem Ausweichmanöver nach unten in den Erdmantel gezwungen. Indien stößt vielmehr frontal mit der massiven eurasischen Platte zusammen. Bei diesem gewaltigen tektonischen Auffahrunfall entstand nicht nur eine der eindrucksvollsten Landschaften der Welt, nämlich die Hochebene von Tibet, sondern auch das höchste Gebirge der Erde, der Himalaja.

          Diese Kollision führt auch zu schweren Erdbeben entlang der sogenannten Himalajafront, die vom Hindukush und Pamir im Westen bis zum großen Bramhaputra-Bogen im Osten reicht.  In den vergangenen 125 Jahren ereigneten sich dort vier Beben, deren Magnituden jeweils den Wert „8“ überschritten. Die Stärke des Kangra-Bebens des Jahres 1905 wird mit 8,0 angegeben, im indischen Bundesstaat Assam bebte es im Jahre 1897 mit 8,1 und schließlich am 15. August 1950 sogar mit 8,6. Bei diesem schwersten, jemals auf dem indischen Subkontinent gemessenen Erdbeben kamen mehr als 3000 Menschen ums Leben. Im Jahre 1934 starben im sogenannten Nepal-Bihar-Beben (Magnitude 8.2) mehr als 20.000 Menschen, die meisten davon im Katmandu-Tal in Nepal.

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          Einer der Gründe warum das jüngste Beben so starke Zerstörungen anrichtete ist sein relativ flach liegender Herd. Nach den Berechnungen der großen Erdbebenwarten in Europa und den Vereinigten Staaten, lag er in weniger als zwölf Kilometern Tiefe. Wie schon im Jahre 1934 gab es in Katmandu besonders viele Schäden, weil die Stadt und ihre Umgebung in einem geologischen Becken liegen, das früher von einem See gefüllt war. Dessen Sedimente verstärken die seismischen Schwingungen besonders stark.

          Quelle: FAZ.NET

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