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Trockenheit in Deutschland : Die Hoffnung stirbt zuletzt

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Getreide musste in diesem Jahr ungewöhnlich früh geerntet werden. Bei Zuckerrüben und Mais warten die Bauern jetzt dringend auf Regen. Bild: dpa

In Deutschland herrscht mancherorts extreme Dürre. Die Bauern jammern. Aber noch ist nicht alles auf den Feldern verloren. Und richtig knapp ist das Wasser eigentlich auch noch nicht.

          Wenn Stephan Thober derzeit durch Leipzig läuft, bietet sich ihm ein trostloser Anblick: Der Rasen in den Parks und Vorgärten ist braun, die Bäume werfen vorzeitig ihr Laub ab. „Es ist deutlich weniger Grün als normalerweise um diese Zeit“, sagt Thober, der am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung arbeitet. Dort überwacht er den Dürremonitor, dessen Karten wegen teils extremer Trockenheit vor allem in Nord- und Ostdeutschland seit Wochen in dunklen Rot- und Orangetönen leuchten.

          Um möglichst aktuell abbilden zu können, wie viel Wasser gerade im Boden gespeichert ist, wird der Monitor täglich mit neuen Daten gefüttert. Tatsächlich gemessen wird die Bodenfeuchte heute kaum noch, da die Messungen sehr aufwendig und zum Teil fehlerbehaftet sind. Stattdessen werden grundlegende Daten über die Bodentextur und Landbedeckung herangezogen, die zusammen mit Informationen über Niederschläge und Temperatur in ein Modell einfließen. „Vor allem die meteorologischen Daten bestimmen die Dynamik“, sagt Thober. „Die Eigenschaften des Bodens sind eher zweitrangig, aber nicht zu vernachlässigen.“

          Knochentrockener Oberboden

          Aus den Berechnungen ergibt sich ein Index, aus dem der Sättigungsgrad des Bodens abgelesen werden kann. Liegt der Wert bei 1, sind die Poren des Bodens mit Wasser gefüllt. Ab einem Grenzwert von 0,2 liegt eine moderate Dürre vor, die sich über Abstufungen von schwer über extrem bis außergewöhnlich steigern kann. Bevor der gesamte Boden austrocknet, trifft es zunächst den Oberboden, die oberen 25 Zentimeter des Erdreichs. „Dort entzieht die Verdunstung mehr Wasser“, sagt Thober. „Außerdem ist diese Bodenschicht oft besonders dicht durchwurzelt.“

          Vor allem für Getreidearten und Gräser, die eher flach wurzeln, ist der Feuchtegrad des Oberbodens entscheidend. Gerade hier zeigt sich ein verheerendes Bild: Während der Dürremonitor für den Gesamtboden nur in Teilen Ostdeutschlands und Bayerns sowie im Süden Baden-Württembergs extreme bis außergewöhnliche Dürre vermeldet, ist der Oberboden östlich der Weser nahezu überall knochentrocken.

          Der kümmerliche Kolben einer vertrockneten Maispflanze.

          „Die Monate April bis Juni zeichneten sich durch überdurchschnittliche Wärme aus, und vor allem in der Nord- und Osthälfte fiel zu wenig Niederschlag“, sagt Corina Schube vom Zentrum für Agrarmeteorologische Forschung in Braunschweig. „Regional wurden weniger als fünfzig Prozent des langjährigen Niederschlagssolls erreicht“, sagt sie. Die sandigeren Anbaugebiete in den östlichen Bundesländern seien dabei eher von Trockenheit betroffen als die Felder in den westlichen Bundesländern, wo die lehmigen Böden mehr Wasser halten können.

          Selbst die Weinbauern klagen

          Viele Landwirte rechnen mit Ernteeinbußen. „Ausgleichen können wird man das nicht mehr“, sagt Hans Helmut Schmitt, Agrarmeteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD). „Vieles ist jetzt schon entschieden.“ Beim Grünland sei der erste Schnitt noch gut gelaufen. „Aber dann hätte es wieder Feuchtigkeit für die zweite Wachstumsperiode gebraucht.“ Bei den spätreifenden Kulturen wie Zuckerrüben und Mais gibt es noch Hoffnung. Allerdings habe der Körnermais wegen der Trockenheit nur kleine oder gar keine Kolben angelegt, sagt Schmitt. „Wenn es jetzt regnet, sieht das vielleicht schön grün aus hinterher, aber davon wird die Ernte nicht mehr besser. Beim Energiemais kann das noch etwas werden. Auch Zuckerrüben können von Regen noch profitieren.“

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