http://www.faz.net/-gwz-94vi2

Windenergie : Angst vor der Flaute

  • -Aktualisiert am

Prognosen für die Windenergie abzugeben ist eine echte Herausforderung für Klimatologen und Ingenieure. Bild: dpa

Bremst der Klimawandel die Windenergie aus? Eine neue Studie kommt zu diesem Ergebnis. Was sagen deutsche Experten dazu?

          Der Windstromindustrie geht es eigentlich blendend. Der Global Wind Energy Council hat ausgerechnet, dass im Jahr 2016 installierte Leistung der Windkraftanlagen auf der Welt um fast 13 Prozent gestiegen ist. Im Jahr davor war es sogar noch etwas mehr. Doch eine Studie von Forschern der University of Colorado könnte der Branche zumindest auf den ersten Blick die Stimmung vermiesen. In der aktuellen Ausgabe von „Nature Geoscience“ berichtet das Team, dass der Klimawandel den Turbinen in unseren Breitengraden den Wind aus den Rotorblättern nehmen könnte.

          Die Forscher haben für ihre Arbeit zehn globale Klimamodelle ausgewertet. Mit deren Prognosen für zukünftige Temperaturen, Luftdrücke und Winde untersuchten sie dann das Potential für die Windenergie in einigen Regionen der Welt. Dabei fiel ihnen ein Ungleichgewicht auf: Während auf der Nordhalbkugel die Erträge wegen des Klimawandels zurückgehen dürften, könnten sie in südlichen Gefilden steigen. In Zahlen ausgedrückt, bedeutet das: In den Vereinigten Staaten könnte das Potential der Windenergie bis zur Mitte des Jahrhunderts um 14 Prozent sinken. Rechnet man das bis zum Ende des Jahrhunderts weiter, könnten die Einbußen sogar bei 20 Prozent liegen. Für Japan, die Mongolei und Teile des Mittelmeerraums sagt die Analyse ebenfalls weniger Wind voraus.

          Im Norden Flaute, im Süden windiger

          Der Grund dafür liegt laut den Forschern in den Mechanismen, welche die weltweiten Luftbewegungen steuern. Auf der Nordhalbkugel ist dabei der Temperaturunterschied zwischen dem kalten Nordpol und dem warmen Äquator ein wichtiger Faktor. Er sorgt für unterschiedliche Luftdrücke, und die führen zu Wind. Durch den Klimawandel – das legen die Modelle nahe – wird sich die Polregion schneller aufheizen als der Äquator. Dadurch wird der Temperaturunterschied kleiner, und es bläst weniger Wind.

          Auf der Südhalbkugel, die von deutlich mehr Wasser bedeckt ist, erwarten die Forscher einen anderen Effekt. Weil sich die Landmassen schneller erwärmen werden als die umliegenden Meere, könnten sich die Temperaturunterschiede dort vergrößern, was etwa in Brasilien oder dem Norden Australiens bis zum Ende des Jahrhunderts zu 40 Prozent mehr Wind führen könnte. Die Frage ist, was das für die Stromerzeugung aus Windenergie bedeutet. Wird sich die Branche auf den Klimawandel einstellen müssen?

          Ein Mast in Colorado in ein bisschen wenig

          Bevor man das beantwortet, sollte man die Verlässlichkeit der Prognose prüfen. In dem Punkt haben einige Experten nämlich so ihre Zweifel. Eine Schwäche der Studie ist, dass die Wissenschaftler ihre Modelle nur mit einem realen Windmast überprüft haben, der in Boulder, Colorado, steht. Daniela Jacob, die Direktorin des Hamburger „Climate Service Center Germany“, kritisiert das als „wissenschaftlich unzureichend“. Ein weiterer Kritikpunkt ist die zeitliche Auflösung: Die Klimamodelle spucken für die Windgeschwindigkeiten lediglich monatliche Mittelwerte aus, wodurch die gesamte Studie die Erträge unterschätzt. Diese Schwäche räumen die Forscher selbst ein.

          Auch was die Vorhersage für Europa anbelangt, müssen sie zugeben, dass ihre Studie gar keine Antworten liefert: Manche der zehn verwendeten Modelle sagen voraus, dass die Erträge aus der Windenergie zunehmen werden, andere liefern gegenteilige Ergebnisse. Und so kommen die Wissenschaftler selbst zu dem Schluss, dass die globalen Modelle zu unsicher sind, um wirklich vorherzusagen, wie sich die Erträge in den einzelnen Regionen verändern werden. Doch die groben Ergebnisse könnten zumindest als Anhaltspunkte dafür herhalten, welche Gegenden man in Zukunft mit präziseren Vorhersagen genauer untersuchen sollte.

          Dass präzisere, besser aufgelöste Daten nötig sind, sagt auch Bruno Burger, der am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme forscht. Dort hat er zwar nicht direkt mit Windenergie zu tun, beschäftigt sich aber viel mit dem richtigen Energiemix der Zukunft, und da spielt der Wind eine wichtige Rolle. „Die Studie ist für eine globale Betrachtung wichtig, aber viel zu grob, um daraus irgendwas für Deutschland abzuleiten“, sagt Burger.

          Weitere Themen

          Forscher entdecken goldene Totenmaske Video-Seite öffnen

          Sensationsfund : Forscher entdecken goldene Totenmaske

          Gefunden wurde eine Art Mumifizierungswerkstatt mit zum Teil 30 Meter tiefen Schachtgräbern. Der Fundort Sakkara liegt rund 20 Kilometer südlich von Kairo und ist als bedeutende Begräbnisstätte bekannt.

          Topmeldungen

          Handelsstreit : IWF warnt vor Schaden für die Weltwirtschaft

          Dennoch geht der Streit beim G20-Treffen weiter: Die Vereinigten Staaten wollen über ein zollfreies Abkommen sprechen, Frankreich fordert, dass die amerikanischen Zölle auf Stahl und Aluminium zuerst aufgehoben werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.