http://www.faz.net/-gwz-9amj2

Korallenriff im Klimawandel : Steht das Great Barrier Reef vor dem Kollaps?

  • Aktualisiert am

Das 2300 Kilometer lange Great Barrier Reef vor der Nordostküste Australiens beherbergt eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt und gehört seit 1981 zum Weltnaturerbe. Bild: dpa

Das Great Barrier Reef vor Australien stand in den vergangenen 30.000 Jahren mehrfach vor der Ausrottung. Laut einer Studie übertrifft der Klimawandel jedoch alle bisherigen Bedrohungen.

          Das durch den Klimawandel bedrohte Great Barrier Reef vor Australien hat sich in den vergangenen 30.000 Jahren fünf Mal von einem fast vollständigen Kollaps erholt. Wie australische Forscher am Montag in der Fachzeitschrift „Nature Geoscience“ berichteten, starb das riesige Korallenriff in dieser Zeit durch Schwankungen des Meeresspiegels mehrfach fast komplett ab. Es habe sich aber immer wieder erholt.

          Durch die Meeresspiegelschwankungen in Folge von Klimaveränderungen gerieten den Forschern zufolge große Teile des Riffs entweder zu tief unter Wasser oder lagen oberhalb des Meeresspiegels. Die Korallen seien aber in der Lage gewesen, sich daraufhin entweder seewärts oder landwärts auszubreiten. Das Riff „verschob“ sich demnach also in flacheres oder tieferes Wasser und konnte so überleben.

          Für ihre Studie hatten die Forscher an diversen Stellen Bohrkerne aus dem Meeresboden entnommen und die Bewegungen des Riffs über längere Zeiträume analysiert. Demnach gelang es den Korallen, pro Jahr zwischen 20 Zentimetern und eineinhalb Metern zu wandern.

          Bedingungen ändern sich zu schnell

          Ob die Widerstandsfähigkeit des Korallenriffs auch gegen die massive Bedrohung durch den Klimawandel ausreicht, bezweifeln die Forscher aber. Die Umweltbedingungen wie der Anstieg der Wassertemperatur oder die Versauerung des Meerwassers änderten sich derzeit einfach zu schnell. Die Korallen hätten wahrscheinlich noch nie Temperatur- und Ph-Wert-Veränderungen „in solcher Geschwindigkeit“ erlebt, sagte die an der Untersuchung beteiligte Forscherin Jody Webster der Nachrichtenagentur AFP.

          „Ich habe große Bedenken, dass das Riff in seiner jetzigen Form das Tempo der Veränderungen überlebt, die durch die zahlreichen Stressfaktoren ausgelöst werden, die schon wirken oder in naher Zukunft noch dazukommen“, sagte die Wissenschaftlerin der Universität Sydney.

          Das 2300 Kilometer lange Great Barrier Reef vor der Nordostküste Australiens beherbergt eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt und gehört seit 1981 zum Weltnaturerbe. Wegen des Klimawandels und der damit verbundenen Erwärmung des Meerwassers leidet es unter einer tödlichen Korallenbleiche. Darüber hinaus wird es massiv durch korallenfressende Seesterne geschädigt, die sich durch Abwässer aus der Landwirtschaft zuletzt stark vermehrt haben.

          Erst vor wenigen Wochen hatten Experten in einer Studie in der Zeitschrift „Nature“ darauf hingewiesen, dass die Korallenbleiche am Great Barrier Reef 2016 während einer Hitzewelle besonders verheerend war. 30 Prozent der Korallen starben demnach ab. Die Wissenschaftler forderten drastische Schutzmaßnahmen zur Rettung des Riffs.

          Weitere Themen

          Konzert für Fische und Korallen Video-Seite öffnen

          Unterwasser-Festival : Konzert für Fische und Korallen

          Tauchausrüstung oder Schnorchel waren ein Muss beim Unterwasser-Festival vor den Florida Keys. Die am einzigen lebenden Korallenriff in Amerika abgespielten Rhythmen sollten die Aufmerksamkeit auch auf den Schutz des Ökosystems lenken.

          Kinder durch Zufall vor Felssturz bewahrt Video-Seite öffnen

          Tod vor der Haustür : Kinder durch Zufall vor Felssturz bewahrt

          Immer mehr Felsstürze in den Alpen bedrohen in Österreich ganze Dörfer. Grund ist der Klimawandel. Vor einem halben Jahr entging das österreichische Dorf Vals nur knapp einer Katastrophe, als ein halber Berg bis kurz vor die ersten Häuser rollte.

          Topmeldungen

          Trump vermutet Manipulation : Kommt jetzt der Währungskrieg?

          Der amerikanische Präsident wird nicht müde, die EU und China zu kritisieren. Jetzt wirft er ihnen Währungsmanipulation vor – und die Angst vor einem weiteren Brandherd im Handelsstreit wächst.

          Salvini verklagt Saviano : Minister der Unterwelt

          Der italienische Innenminister Matteo Salvini von der Lega verklagt den Mafia-Rechercheur Roberto Saviano. Seine Klage kündigt er per Twitter an, als sei das alles sehr spaßig. Dabei ist es todernst. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.