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Arktische Eisschmelze : Aufbruchstimmung am Nordpol

Bei einem plötzlichen Kälteeinbruch könnten die Belugas im Eis stecken bleiben. Bild: OmniTerra Images

In der Arktis wird die eisfreie Zeit von Jahr zu Jahr länger. Das hat Folgen für viele Tiere, etwa für Wale. Ihr verändertes Verhalten bringt sie jedoch in Gefahr.

          Nirgendwo auf der Welt verändert der Klimawandel die Lebensgrundlagen für Säugetiere so schnell wie jenseits des Nordpolarkreises. Die Eisschmelze eilt von Rekord zu Rekord. In den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten hat sich die Zeit, in der sich das arktische Meereis zurückzieht, je nach Region um drei bis neun Wochen verlängert. Bis Mitte des Jahrhunderts könnte sich die eisfreie Phase entlang der arktischen Küsten, so der Weltklimarat, um ein bis zwei Monate im Jahr verlängern.

          Joachim  Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Das verändert das Leben von Tieren wie dem Eisbären, Robben und der Wale, die ökologisch vom Meereis abhängen - sei es, dass sie die Eisflächen in Küstennähe als Jagdgebiet, Rückzugsgebiet oder wie die Eisbären und Narwale als Aufzuchtort für ihre Jungen benötigen. In 17 der 19 Eisbär-Populationen rund um die Arktis, das haben die Eisbärforscher Harry Stern und Kristin Laidre in „The Cryosphere“ gezeigt, ist die Eisschmelze kontinuierlich auf dem Vormarsch.

          Belugas drohen im Eis stecken zu bleiben

          Betroffen davon sind auch die wanderfreudigen Belugas, die Anfang Sommer normalerweise nach Norden schwimmen, wenn das Eis die nahrungsreiche Beaufortsee und die Tschuktschensee freigeben. Vor dem Wintereinbruch schwimmen sie zurück in den Süden. Weil das Meer inzwischen später zufriert, hat sich zumindest eine Population aus dem Beringmeer entschieden, einen Monat später in den Süden zu wandern, wie Forscher um Donna Hauser von der University of Washington in „Global Change Biology“ berichten.

          Das zeigen Aufzeichnungen mit Unterwassermikrofonen und Einzelbeobachtungen an Walen mit Ortungssendern. Damit erhöht sich nach Ansicht der Wissenschaftler das Risiko für die Tiere, bei einem Kälteeinbruch im Eis buchstäblich stecken zu bleiben.

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