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England Mobile Verwurstung

01.12.2009 ·  Das System der drei aufeinanderbauenden Zyklen Bachelor, Master und Doktor stammt aus dem britischen Hochschulwesen. Doch auch wo die Bologna-Reformen das bereits Bestehende überschreiten, werden sie in England kaum wahrgenommen.

Von Gina Thomas
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Der umgangssprachliche Begriff „boloney“ (manchmal auch „baloney“) für Unfug oder Schwachsinn ist eine Verballhornung von Bologna. Er bezieht sich allerdings auf eine nach der italienischen Stadt benannten Fleischwurst und nicht auf den Bologna-Prozess, der in der öffentlichen Debatte in England so gut wie gar nicht vorhanden ist. Das hat freilich damit zu tun, dass britische Hochschulen keine wesentlichen strukturellen Veränderungen vornehmen müssen, weil sie bereits das System der drei aufeinanderbauenden Zyklen Bachelor, Master und Doktor besitzen. Insofern haben die Studentenverbände die Reformen kaum wahrgenommen.

Hinzu kommt, dass die vorgesehene Angleichung ein freiwilliger zwischenstaatlicher Prozess ist und, anders als die Direktiven der Europäischen Kommission, nicht von oben aufgezwungen wird. Das von Brüssel angeregte Pilotprojekt eines mehrdimensionalen Hochschulrankings hingegen stößt in Britannien wegen der von der Kommission bestimmten Kriterien auf Widerstand. Kritiker wenden ein, dass dieses Vorhaben die kleineren Universitäten zwinge, sich anzupassen mit der Folge, dass die Vielfalt schrumpfen würde.

Warten auf den „Higher Education Achievement Report“

Die Einführung des von Bologna initiierten „Diploma Supplement“, das die Bewertung des Hochschulabschlusses für Studien- und Berufszwecke international erleichtern soll, geht an englischen Universitäten nur schleppend voran. Die Hochschulen zögern den Prozess hinaus, weil die britische Regierung ohnedies einen „Higher Education Achievement Report“ vorsieht, der die Bologna-Voraussetzungen abdeckt. Es gilt zu vermeiden, die ganze Bürokratie doppelt umstellen zu müssen.

In Schottland und Wales hingegen ermöglichen die kleineren Systeme eine leichtere Koordination. Dazu kommt der Ansporn in den ihre Unabhängigkeit von Westminster gern an den Tage legenden Regionen, sich durch die Einbindung in einen europäischen Rahmen besser profilieren zu können. Insgesamt versprechen sich britische Hochschulen einiges von der zusätzlichen Mobilität, die Bologna anstrebt. Sie setzen unter anderem darauf, dass sie mehr Studenten von außerhalb Europas anziehen können mit der Aussicht auf leichtere Wechselmöglichkeiten zwischen den europäischen Universitäten.

Angesichts der Sorge über höhere Studiengebühren und Etatkürzungen nimmt der Bologna-Prozess jedoch auch unter Fachleuten einen hinteren Rang auf den Themenlisten ein. Die britische Regierung hat dieser Tage ein Rahmenprogramm für die Zukunft der Hochschulen vorgelegt. Vornan steht die Förderung der sozialen Mobilität, ein Ziel, dem alle beipflichten, nur nicht unter den von Labour vorgeschriebenen Bedingungen. Danach sollen Universitäten gehalten werden, bei der Zulassung „kontextbezogene Informationen“ wie Herkunft und Lebensumstände zu berücksichtigen und das Leistungspotential in Betracht zu ziehen, sollten die Schulabschlussnoten nicht dem erforderten Grad entsprechen. Die Geisteswissenschaften fürchten, dass die naturwissenschaftlichen und technischen Fächer das Maß aller Dinge sein werden und das Studium nur noch als Berufsausbildung betrachtet werden wird.

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Jahrgang 1957, Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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