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Eliteförderung Was die Universitäten wirklich stark macht

18.10.2006 ·  Es war ein langer Weg bis zur Exzellenzinitiative. Nicht nur die Summe des Geldes, die bereitgestellt wurde, war eine Hürde. Die größere Hürde war der Abschied von der Idee, daß alle Universitäten gleich gut sein könnten.

Von Peter Gruss
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Es war ein langer Weg bis zur Exzellenzinitiative. Nicht nur die Summe des Geldes, die bereitgestellt wurde, war eine Hürde. Die größere Hürde war der Abschied von der Idee, daß alle Universitäten gleich gut sein könnten. Anzuerkennen ist der Mut der Politik, den Entscheidungsprozeß am Ende doch allein nach wissenschaftlichen Kriterien zu akzeptieren. Insgesamt war dies ein wichtiger Schritt für Deutschland, das sich mit der Vorstellung einer „Elite“ schwertut.

Was hat nun die Sieger in diesem Wettbewerb erfolgreich gemacht? Gerade die Standorte München und Karlsruhe stehen nicht nur für gutes Universitätsmanagement und solide Förderung in der Vergangenheit. Sie stehen vor allem für eine strategische Partnerschaft mit hervorragenden außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

Der Erfolg zählt zu wenig

In München sind es nicht weniger als acht Max-Planck-Institute, die sich an sechs der sieben dortigen Exzellenzcluster beteiligen. Ihr Spektrum reicht vom MPI für Quantenoptik - an dem auch der Nobelpreisträger für Physik 2006, Theodor W. Hänsch, forscht - bis hin zum MPI für Ornithologie, das auf den Nobelpreisträger Konrad Lorenz zurückgeht. In Karlsruhe hat sicher auch die „Ehe“ mit dem Forschungszentrum, einem der größten außeruniversitären Forschungseinrichtungen in der Bundesrepublik, dem Konzept seinen Erfolg beschert. Um weiterhin - und eben nicht nur im nationalen Wettbewerb - erfolgreich zu sein, müssen wir diese Lehre beherzigen: Starke außeruniversitäre Einrichtungen erlauben die Entwicklung von originären Profilspitzen und herausragenden Leistungen. Dies stärkt die Universitäten im Wettbewerb. Und schwächt sie nicht.

Gerade diese Erkenntnis wird immer wieder geleugnet. Denn noch immer haben wir kein unverkrampftes Verhältnis zu einer gesunden Differenzierung der Leistungsstärken und der Aufträge. Zuwenig zählt in diesen Tagen der Erfolg, daß in unserem Land nun drei sehr gute Universitäten die Möglichkeit haben, mit noch mehr Reputation und Geld hervorragende Köpfe zu holen, die als Studenten, Hochschullehrer und Forscher bislang vielleicht eher Spitzenuniversitäten in England oder den Vereinigten Staaten vor Augen hatten. Zu schnell kommt jetzt eine Haltung auf, die an manches Kindergartenkind erinnert: Besser, das umstrittene Spielzeug kommt auf den Schrank, als daß sich ein anderes Kind damit beschäftigt. Wenn wir wollen, daß wir als Wissenschafts- und als Wirtschaftsstandort erneut erfolgreicher werden, müssen wir wieder mehr unsere Stärken ausbauen, als durch national begrenzte Neiddiskussionen anderen Ländern in die Hände zu spielen.

Mehr Teamgeist in der Forschung

Das gilt nicht nur für den Exzellenzwettbewerb der Hochschulen. Zur Zeit ist für viele internationale Spitzenforscher und für die begabtesten Doktoranden aus aller Welt unter den deutschen Einrichtungen besonders die Max-Planck-Gesellschaft attraktiv. Doch statt sich darüber im Interesse Deutschlands zu freuen, wird uns vermehrt die Frage gestellt: Ist es nicht unfair gegenüber den Hochschulen, wenn ihr diese Leute zu euch holt? Wir sollten es einer erfolgreichen Fußballmannschaft gleichtun: Das Team kämpft gemeinsam für den Erfolg. Wer hier wen „antreibt“, ist oft kaum auszumachen. Und wenn dann einer von ihnen das Siegtor schießt, haben alle Spieler gewonnen.

Peter Gruss ist Präsident der Max-Planck-Gesellschaft.

Quelle: F.A.Z., 18.10.2006, Nr. 242 / Seite N1
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