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Veröffentlicht: 18.04.2017, 12:52 Uhr

Amazonas Ein Bollwerk gegen die Abholzung

Die Abholzung der Regenwälder am Amazonas nimmt wieder zu. Brasiliens Regierung unterstützt die Siedler, aus Wald- werden Ackerflächen. Der Juruena-Nationalpark im Süden soll das Vordringen als natürliches Bollwerk verhindern.

von Isaac Risco
© dpa Kinder baden im Juruena-Fluss.

Über Stunden ist kein Mensch zu sehen, kein Haus, kein Anzeichen von Zivilisation. Nur Wasser und Wald, ein undurchdringbar anmutendes Dickicht tropischer Vegetation. Plötzlich steht aber jemand am Ufer des breiten Juruena-Flusses im tiefsten brasilianischen Amazonas-Urwald und winkt das Boot zu sich her.

„Eingeborene“, sagt Lourdes Iarema. Das Boot der 40-jährigen Leiterin des Juruena-Nationalparks und ihrer Begleiter steuert Land an. Eine dürftig errichtete Hütte am Ufer, direkt davor toben drei nackte Kinder im Wasser. Schon beim Aussteigen warnt aber ein anderer Teilnehmer der Expedition, bevor Bilder gemacht werden können: Die indigenen Bewohner hier mögen es nicht, fotografiert zu werden.

45928160 © F.A.Z.-Grafik ( fbr./ev. Vergrößern

Der Familienvater erzählt Iarema dann von einem wilden Jaguar, der kürzlich fast eins der Kinder nachts angegriffen habe. Getötet werden darf das Tier im Nationalpark nicht, deswegen solle Iarema eine Lösung anbieten. Kann sie aber nicht so richtig.

Eigentlich dürfte die Familie selbst nicht an diesem Ufer leben, das zum viertgrößten Schutzgebiet Brasiliens gehört. Der 2006 gegründete und rund 1,9 Millionen Hektar umfassende Juruena-Park - eine Fläche fast so groß wie Rheinland-Pfalz - befindet sich im Herzen Brasiliens in der Regenwaldregion zwischen den Bundesstaaten Mato Grosso und Amazonas.

45926809 © dpa Vergrößern Entwaldete Waldflächen am Rande des Juruena-Nationalparks.

Die Lage gilt als strategisch wichtig: Südlich liegt das immense Agrarland des Mato Grosso, auf dem in großem Stil Soja und Mais für die globale Tierfutterindustrie angebaut werden. Im Norden erstrecken sich hingegen noch weite Waldflächen.

„Der Park soll die Entwaldung stoppen“, erklärt Iarema - sozusagen als ein natürliches Bollwerk gegen die Expansionswut der mächtigen Agrar- und Rinderzuchtindustrie. Mato Grosso im Mittelwesten Brasiliens ist womöglich das beste Beispiel weltweit für die großflächige Erschließung von Waldgebieten zu Ackerland. Für einen Hunger, der immer größer wird. Und da in Brasilien die Wirtschaft in der Rezession versinkt, gilt das sogenannte Agrobusiness als Hoffnungsträger.

Daher erwägt die neue konservative Regierung von Staatschef Michel Temer, der Agrarwirtschaft in Brasilien neues Land zur Verfügung zu stellen. Auch Schutzgebiete sollen dafür aufgeweicht werden. Als Agrarminister hat Temer den Soja-Baron Blairo Maggi eingesetzt.

Der drittgrößte Bundessstaat Mato Grosso wurde erst ab den 1970er Jahren besiedelt, Landwirte aus Südbrasilien folgten dem Aufruf der Regierung, das Riesenland für die Landwirtschaft zu gewinnen. Inzwischen sind die Wälder des Mato Grosso weitgehend gerodet. Die Entwicklung setzt sich fort - Richtung Amazonas-Regenwald im Norden.

45926811 © dpa Vergrößern Schwimmendes Arbeitsschiff der Juruena-Nationalparkverwaltung.

„Die Lage an der südlichen Grenze des Amazonas-Gebiets ist dramatisch - schon seit etwa 20, 30 Jahren“, bilanziert der Schutzgebiet-Experte der Umweltstiftung WWF in Deutschland, Roberto Maldonado. Wegen seiner enormen Waldflächen ist Brasilien auch das Land mit der größten Entwaldungsquote der Welt. Und die Abholzung steigt wieder, dabei gilt der dortige Regenwald als großer Regulator des Weltklimas.

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