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Weltraumkunst : Der Himmel auf Erden

Screenshot aus dem Video „Stella“ – Das Esa-Luftbild der Clearwater Lakes offenbart deren Ähnlichkeit zu einem Echsenauge. Bild: "Stella"/Fabrica/Esa

Wenn ein Komet klingt wie der Balzruf eines Tieres: Ein Musikvideo anlässlich des Starts des Esa-Satelliten Sentinel 2B bringt kosmische Perspektiven zurück auf die Erde.

          Das Universum in seiner so schwer zu fassenden Weite, mit seinen extremen Bedingungen und seinen gigantischen Zeitskalen, bringt uns sinnlich auf Erden verwurzelte Menschen immer wieder aufs Neue an die Grenzen unserer Vorstellungskraft. Ausgebildet in der sehr speziellen Umgebung unserer Alltagserfahrung sind unsere Sinne nicht angepasst an eine direkte Wahrnehmung des Weltalls. Trotzdem fragen wir uns: Was würden wir sehen, könnten wir uns frei im Kosmos als Reisende bewegen? Was würden wir hören, wenn wir dabei Zeuge einer Supernova würden? Wie würde es sich anfühlen, durch Plutos herzförmige Sputnik-Ebene zu streifen?

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Es sind bisher vor allem Bilder, aufgenommen von Teleskopen auf der Erde und im Weltraum, die uns einen Einblick in die Wunder des Kosmos vermitteln, wie sie erscheinen wenn wir die Erdoberfläche Richtung All verlassen. Die Esa hat seit einigen Jahren begonnen, diese visuelle Ebene durch auditive Eindrücke zu ergänzen. Auf einer Webseite des Online-Musikdienstes Soundcloud stellt sie Tonaufnahmen zur Verfügung, die verschiedene Esa-Missionen dokumentieren. Darunter findet sich beispielsweise das rekonstruierte Geräusch, das die Huygens-Sonde im Jahr 2005 von sich gab, als sie durch die Atmosphäre des Saturnmondes Titan hinabstieg.

          Screenshot aus dem Video „Stella“ - Seife, die wie der Planet Venus erscheint.

          Auch der Clip „Singing Comet“ findet sich hier, eine hörbare Umsetzung des oszillierenden Magnetfelds des Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko, und zwar so, wie es von der Rosetta Sonde aufgezeichnet wurde. Ein rauschendes Knattern in wechselnder Tonlage, irgendwo zwischen dem Pfeiffen einer ungemütlichen Nordseebrise und den eindringlichen Balzrufen eines nicht näher identifizierbaren Vogels. Es ist eine überaus menschliche Reaktion, die fremden Klänge unwillkürlich etwas zuordnen zu wollen, das man von unserer Erde kennt, auch wenn man weiß, dass diese Zuordnung nicht mehr sein kann als eine vollkommen zufällige Analogie.

          Screenshot aus dem Video „Stella“ - Auf der Erde gibt es Wüsten, die im Luftbild wie Haare wirken.

          Die Klangeindrücke der Esa sind nun Inspiration für ein künstlerisches Projekt gewesen, das genau diesen menschlichen Drang zur sinnlichen Analogiebildung thematisiert. Anlässlich des am Dienstag erfolgten Starts des Erdbeobachtungssatelliten Sentinel 2B haben der Musiker Francesco Novara zusammen mit den Videokünstlern Laura Sans und Kenzi Benabdallah, angeregt insbesondere durch „Singing Comet“ und gefördert durch das italienische Kommunikationsforschungs-Zentrum Fabrica, ein Musikvideo veröffentlicht. In diesem Video werden die Töne der Esa in etwas transformiert, das unseren Ohren vertrauter vorkommt als die fremdartigen Originalaufnahmen. So wie die Weltraumtöne im Video „Stella – Outer Space in Our Space“ gewissermaßen irdisch domestiziert werden, werden auch visuelle Eindrücke, aufgenommen aus dem erdfernen Raum, dem überlagert, was uns von unseren direkten Erfahrungen auf unserem Heimatplaneten vertraut ist. Ein Ei wird zum Mond, wallende Haare zum Luftbild von Bodenstrukturen der iranischen Salzwüste, ein Stück Seife zur Venus.

          Der Makrokosmos ähnelt dem Mesokosmos, die Muster sind überall dieselben und bieten uns Menschen gewohnte Strukturen auch dort, wo wir uns auf unsere Alltagserfahrungen nicht mehr verlassen können. Die Spannung zwischen menschlicher Perspektive und einer gleichzeitig scheinbaren Bedeutungslosigkeit des Menschen im doch so unfassbaren Kosmos regt zum Träumen und Grübeln an. Die Bilder des Videos „Stella“ bilden hierfür einen wunderbaren Ausgangspunkt.

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