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Hirnforschung, was kannst du? : Die Aufmerksamkeit, die wir verdienen

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Roboter heute – morgen Chefs. Bild: dpa

Unser Auge kann ein einzelnes Lichtteilchen erfassen, aber die Welt, die es uns zeigt, ist eine sehr spezielle. Wie wir die Welt wahrnehmen, und wo die Grenzen sind, schildert der Göttinger Hirnforscher Stefan Treue.

          Wie alle Organismen erleben wir die Interaktion mit unserer Umwelt als Wechselspiel von Wahrnehmung und Handlung. Wahrnehmung ist dabei eine essentielle Voraussetzung für die Auswahl sinnvoller Handlungen. Je leistungsfähiger die Wahrnehmung ist, desto eher kann ein Organismus in einer Umwelt überleben und sich fortpflanzen. Dieser Vorteil war und ist die evolutionäre Triebfeder für die Hochentwicklung von Sinnessystemen.

          Die Erkenntnis der zentralen Rolle von Wahrnehmung besteht nicht erst, seit wir wissen, dass unser Nervensystem Ergebnis eines komplexen Evolutionsprozesses ist. Schon lange vor Darwin hat sich die Philosophie Gedanken über Wahrnehmung als Abbildungsprozess unserer Umwelt und über die sich daraus ergebenden Konsequenzen gemacht. Platons Höhlengleichnis ist dafür ein Paradebeispiel. Verfasst etwa 370 v. Chr., setzt es sich mit der erkenntnistheoretischen Frage auseinander, was wir über unsere Umwelt wissen (können) und inwieweit die in diesem Prozess inhärenten Beschränkungen unsere Erkenntnisfähigkeit begrenzen.

          Seitenblick auf eine Menschenhirnhälfte beim Ausführen einer Aufmerksamkeitsaufgabe. Im Kernspintomographen weisen gelde Fläche auf erhöhte, blaue auf erniedrigte Aktivität hin.

          Das Gleichnis zeichnet uns als Gefangene unseres Wahrnehmungsapparats. Es verdeutlicht, dass uns für unsere Wahrnehmung immer nur eine (interne) Repräsentation unserer externen Umwelt zur Verfügung steht. Doch in welchem Zusammenhang steht diese innere Repräsentation mit der externen Umwelt? Selbst im Idealfall, in dem die interne Repräsentation ein präzises Abbild unserer Umwelt ist, unterliegt dieses Abbild trotzdem Einschränkungen, Unvollkommenheiten und möglicherweise sogar systematischen Fehlern.

          Das Plantonsche Höhlengleichnis steht dabei nur am Anfang einer langen philosophischen Tradition, darüber nachzudenken, wie wir zu wahrer Erkenntnis über unsere physikalische Welt kommen können, wenn uns immer nur eingeschränkte Abbilder zur Verfügung stehen. Die Neurowissenschaften nehmen hier eine biologische Perspektive ein. Denn unser Wahrnehmungsapparat ist keine zufällige Spielerei, sondern dient einem handfesten und sehr realen Zweck, nämlich dem Überleben des Individuums. Die Natur hat daher das Problem der Übereinstimmung oder Nichtübereinstimmung von physikalischer Wirklichkeit und Wahrnehmung, also unserer internen Repräsentation dieser Wirklichkeit, auf ihre ganz eigene, sehr pragmatische Weise gelöst.

          Zum Vergleich das Hirn eines Rhesusaffen: Die Areale, die bei Aufmerksamkeit aktiviert werden, unterscheiden sich zum Menschenhirn.

          Als Lebewesen sind wir das Ergebnis einer viele Millionen Jahre andauernden Evolution. In diesem Prozess haben sich jene Varianten von Organismen erfolgreich behauptet, das heißt zahlreicher fortgepflanzt, deren Wahrnehmungsapparat ihnen beim Überleben geholfen hat. Organismen mit Nervensystemen, die Wahrnehmungen erzeugten, die weniger mit der realen Umgebung zu tun hatten, waren in ihrem Fortpflanzungserfolg eingeschränkt, und so konnten sich diese Mutationen nicht durchsetzen. Geblieben und sich weiterentwickelt haben sich diejenigen Varianten von Sinnessystemen, denen eine besonders gute Übereinstimmung zwischen der Umwelt und der eigenen Wahrnehmung gelang. Diese Sicht auf die Menschheitsfrage nach dem, was wir wissen (können), wird auch als evolutionäre Erkenntnistheorie bezeichnet.

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