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Früheste Lebensspuren : Diese Bläschen hätten Darwin gefallen

In dem 3,48 Milliarden Jahre alten Gestein sind Blasen zu erkennen, die durch das Vorkommen und den Stoffwechsel von Mikroben entstanden sein sollen. Bild: UNSW

Ist Leben doch an Land entstanden, angefeuert vom heißen Wasser der Geysire? Ein australischer Rekordfund befeuert die Phantasie. Und ein Marsforscher darf jetzt auf seine Mission hoffen.

          Vom Ozean zurück an Land: Ist irdisches Leben doch nicht in heißen Vulkanquellen im tiefen Ozean entstanden, wie die derzeit populärste Theorie zur Entstehung von Leben besagt, sondern vielleicht doch - wie Darwins schönes Bild vom „warmen kleinen Tümpel“ als Wiege des Lebens nahelegt - in  chemisch hochaktiven Becken auf den Kontinenten, die von Geysiren aufgeheizt wurden? Seit ein paar Jahren werden beide Thesen heißer denn je diskutiert. Doch spätestens als vor einem  dreiviertel Jahr ein Team von Paläontologen, zu dem auch der australische Astrobiologe Martin van Kranendonk gehörte, auf Grönland Lebensspuren entdeckte, die mindestens 3,7 Milliarden Jahre alt sein müssen, hatte die Ozeanhypothese deutlich Oberwasser.

          Joachim  Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Mit einem neuen Fund aus Westaustralien, an dem nun ausgerechnet van Kranendonk wieder beteiligt ist, könnte die Debatte um die Hydrothermalquellen wieder deutlich Fahrt aufnehmen: Es handelt sich nämlich bei dem Nachweis um fast 3,5 Milliarden Jahre altes Gestein, das Teil von Süßwassergeysiren an Land gewesen war und durchsetzt ist von zahlreichen eingeschlossenen Gasblasen-Relikten sowie Spuren von Mikrofossilien und Stromatolithen - das sind Sedimentansammlungen, die ursprünglich von Mikroben gebildet worden waren, die in riesigen Biofilmen zusammen gewachsen waren. Vor allem das Mineral Geyserite, das zusammen mit den Stromatolithen gefunden wurde, ist der Beweis, dass es sich bei der Fundstelle nicht um einen dereinst untermeerischen Vulkan gehandelt haben kann. 

          Die Rücken der „Dresser-Formation“ in der Pilbara-Region im Westen Australiens.
          Die Rücken der „Dresser-Formation“ in der Pilbara-Region im Westen Australiens. : Bild: Kathleen Campbell

          Eine faustdicke Überraschung: Denn was man nun in der sogenannten „Dresser Formation“ in der westaustralischen Region Pilabrara nachgewiesen und in der Zeitschrift “Nature Communications“ beschrieben hat, verlagert den Nachweis irdischen Lebens in terrestrischen heißen Quellen schlagartig von bisher knapp 500.000 Jahre auf 3,5 Milliarden Jahre zurück. Ein rekordverdächtiger Sprung. Das dürfte den Wettbewerb der Theorien neu anfachen. Ein Szenario, das dem Nasa-Berater van Kranendonk von der University of New South Wales in Kensington durchaus recht kommt. Der Astrobiologe vermutet schon länger, dass für die Entstehung von Leben keineswegs allein die enorm heißen Quellen im Meer infrage kommen. Ausreichend Energie könnten auch die Geysire und die Heißwasserbecken liefern, die sich oberhalb der Meere an Land bildeten. Sollte sich das bestätigen, könnte van Kranendonk auch mit seiner gewagtesten These weiter kommen.

          Auf der Suche nach Leben auf dem Mars hatte der Astrobiologe nämlich eine Region als Landestelle im Marsprogramm 2020 ausgewählt - Columbia Hills -, die nach seinen Vorstellungen vor ziemlich genau 3,5 Milliarden Jahre ebenfalls von heißen Quellen geprägt war. Noch ist seine Landestelle bisher nur eine von drei möglichen Optionen für die Raumfahrtbehörde. Die Chance auf Überreste frühen Lebens auf dem Mars scheinen sich mit dem australischen Befund jedenfalls schlagartig verbessert zu haben.  

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