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Love Hotels : Kann man von Japan lernen?

Im „Casa de Due“ in Tokio wird schon am Eingang für Stimmung gesorgt. Bild: Misty Keasler

Das Land der aufgehenden Sonne galt lange Zeit als Zukunftslabor. Was Wissenschaft und Technik betrifft, mag das immer noch stimmen. Aber wie steht es dort mit dem Sex?

          Es war einmal eine Zeit in den achtziger Jahren, da galt Japan als Land der Zukunft. Firmen wie Toshiba und Hitachi hatten den globalen Elektronikmarkt erobert, Mitsubishi und Toyota waren dabei, die Autobranche aufzurollen. Selbst Porsche-Manager reisten an, um hinter das Geheimnis des kaizen zu kommen, also der Kunst, gleichzeitig Qualität und Profit zu steigern. „Lernt von Japan!“ hieß der Schlachtruf. Dann platzte ausgerechnet dort eine beispiellose Immobilienblase, der Aktienmarkt implodierte, die Wirtschaft schlitterte in die Deflation und hat sich bis heute nicht recht erholt. Und auch davon könnte man lernen: Japan ist einer der am weitesten entwickelten Industriestaaten der Welt mit den höchsten Staatsschulden. Die Bevölkerung altert. Traditionen verschwinden. Roboter übernehmen Aufgaben, für die sich kein Personal mehr findet. Das alles könnte auch dem Westen drohen.

          Jörg Albrecht

          Verantwortlich für das Ressorts „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber kann ein Ausländer überhaupt Japan verstehen? Der französische Semiotiker Roland Barthes hat es versucht. Dass er die Sprache nicht verstand und die Schrift nicht lesen konnte, hat ihn nicht daran gehindert. „Das Reich der Zeichen“, 1970 erschienen, war ein Versuch, die verschiedensten Seiten des japanischen Alltags rein intuitiv zu erfassen: das Pachinko-Spiel, das Essen, das Puppentheater, die Kunst, ein Geschenk zu verpacken, sich im Großlabyrinth von Tokio zurechtzufinden, eine Verabredung mit einem Japaner zu treffen. Gerade weil er sich nur mit Händen und Füßen verständigen konnte, fand Barthes, dass der Japaner als solcher „frei von Hysterie und Narzissmus“ sei, geübt in einer Art kindlicher Plauderei, dennoch vollkommen beherrscht und souverän im Befolgen unausgesprochener Regeln.

          U-Bahn-Waggons, Kerker, Klassenzimmer - der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt

          Ähnlich unbefangen hat sich auch die amerikanische Fotografin Misty Keasler dem japanischen Gesellschaftsleben genähert. Zumindest einem Teil davon: Ihr Fotoband „Love Hotels: The Hidden Fantasy Rooms of Japan“ liefert Einblicke in eine Welt, die der Tourist im Reich der aufgehenden Sonne normalerweise nicht zu Gesicht bekommt.

          „Love Hotel“ (japanisch rabu hoteru) könnte man mit Stundenhotel übersetzen. Doch es sind keine schmuddeligen Absteigen, wie man sie vielleicht auf der Reeperbahn vermutet. Liebeshotels gehören in Japan zum festen Inventar. Von außen erkennt man sie zum Beispiel an der auffälligen Neonreklame. In der Regel haben sie keine oder nur sehr wenige Fenster. Parkplätze sind für gewöhnlich versteckt. Neben dem Eingang hängen die Preise aus, entweder für die ganze Nacht oder nur für ein, zwei Stunden. Die Kosten liegen zwischen zwei- und zehntausend Yen, umgerechnet etwa fünfzehn bis siebzig Euro.

          Die Zimmer sind fast immer mit einem großen Doppelbett ausgestattet. Für Japaner, die es lange Zeit gewohnt waren, auf dem Boden zu schlafen, war das ursprünglich eine erotische Besonderheit, die noch dadurch betont wurde, dass ringsherum Spiegel angebracht wurden. Zum Standardinventar eines Liebeszimmers gehören außerdem Massagesessel, diverse Sexspielzeuge, Videoausrüstung und Karaoke-Anlage. Accessoires wie Schuluniformen, Doktor- und Krankenschwestertrachten, Hello-Kitty-Kostüme oder, noch spezieller, Töpfchen und Windeln für Erwachsene tragen weitere zehn Prozent zum Umsatz bei.

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