Home
http://www.faz.net/-gwz-qvov
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Die Kommandantin „Miss Universum“ soll das Shuttle-Programm retten

12.07.2005 ·  Sicherheit ist das oberste Gebot beim Start der Discovery. Das gilt auch für das Personal. Deshalb wird die Shuttle-Crew von einer besonders erfahrenen Pilotin und Kommandantin geführt: Eileen Collins (48).

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Viele nennen sie „Miss Universum“, auch wenn sie noch nie im Badeanzug oder Abendkleid über den Laufsteg schritt. Ein ganz anderes Outfit hat Eileen Collins berühmt gemacht: ein Astronautenanzug, in dem sie schon zweimal Geschichte schrieb: 1995 chauffierte sie als erste Shuttle-Pilotin die „Discovery“ zu einem
Rendezvous mit der russischen Raumstation Mir, und 1999 kommandierte sie als erste Frau eine Raumfähre, die „Columbia“, die dann später - am 1. Februar 2003 - abstürzte. Bei der vorletzten komplett erfüllten Mission des Unglücksshuttle setzte die Besatzung unter Leitung von Collins erfolgreich das Weltraumteleskop „Chandra“ aus.

Jetzt soll die Amerikanerin mit dem freundlichen Lächeln und dem gewellten Haar wieder eine Raumfähre kommandieren: Beim ersten Shuttle-Flug nach der „Columbia“-Tragödie wird sie abermals das Heft in der Hand haben.

Keine Angstgefühle

Angst vor dem Unternehmen hat die heute 48 Jahre alte Astronautin absolut nicht, sagt sie. Es vergehe zwar kein Tag, an dem sie nicht an die ums Leben gekommene „Columbia“-Crew denke, gestand sie in einem Interview. „Ich vermisse sie sehr.“ Sie sei sich auch darüber im Klaren, daß es bei derartigen Missionen immer Risiken gebe. Aber wichtig sei, daß es sich um „kalkulierte Risiken“ handele, „die wir studiert haben und die wir verstehen“. Sie habe volles Vertrauen darin, daß alles Menschenmögliche zur Sicherheit getan worden sei. „Nein, ich habe keine Angst“, so Collins. „Wenn es anders wäre, würde ich nicht hierhin gehören.“

Daß sie „hierhin gehört“, also einen Hang zur Fliegerei und zur Raumfahrt hatte, wußte Eileen Marie Collins schon in sehr jungen Jahren. Sie wuchs in Elmira im Bundesstaat New York auf, einem Ort mit viel Flugtradition. Unter anderem fanden hier 1930 die ersten amerikanischen Meisterschaften im Hangsegeln statt. Schon als kleines Mädchen verfolgte Eileen die Segelflugzeuge am Himmel und etwas später genauso fasziniert die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise in der „Star Trek“-Serie im Fernsehen.

Ruf der Lüfte stärker als die Schüchternheit

„Kaum war sie aus der Schule zurück, warf sie ihre Sachen hin und setzte sich sich vor den Bildschirm“, schildert ihre Mutter. Das Studium von Büchern über die Flugpionier-Gebrüder Wright fachten die Leidenschaft weiter an, und im Alter von 16 übernahm Eileen dann kleine Jobs und begann zu sparen. Sie zählte in der heimischen Kirche im Auftrag des Geistlichen Klingelbeutel-Spenden und arbeitete in einem Pizzarestaurant. Drei Jahre später hatte sie genügend Geld zusammen und erfüllte sich ihren Traum: Sie lernte Segelfliegen.

Sie sei eigentlich schüchtern und auch eher etwas ängstlich gewesen, erinnert sich Collins. Aber der Ruf der Lüfte war stärker: Als die amerikanische Luftwaffe ihre Türen für Pilotinnen öffnete, bewarb sich die junge Frau in Windeseile und begann 1978 ihr Training am Steuerknüppel eines Kampfjets. Sie wurde dann selbst Fluglehrerin und brachte es nebenbei zu verschiedenen Universitätsabschlüssen, so in Mathematik, Wirtschaft und Raumfahrt-Management. Bei einer derartigen Qualifikation sagte die Weltraumbehörde Nasa nicht nein, als sich Collins 1990 als Astronautin bewarb.

540 Stunden im All

Über 6280 Flugstunden hat die mit einem Piloten verheiratete Mutter einer Tochter mittlerweile mit 30 verschiedenen Luftfahrzeugen absolviert, fast 540 davon im Weltraum. Neben den „Discovery“- und „Columbia“-Missionen war sie 1997 an Bord, als die „Atlantis“ an Mir andockte. Den kommenden Flug kann Eileen Collins kaum noch abwarten.

„Ich habe eine fantastische Crew“, schwärmt sie. Ihr Team gibt das Kompliment zurück und beschreibt Collins als eine bescheidene Person trotz aller Erfolge. So sehen es auch die stolzen Eltern. „Sie ist im Grunde ein sehr einfacher Mensch, der mit den Füßen auf dem Boden steht. Alles, was sie heute ist, hat sie selbst verdient.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Das Gespenst Gentechnik geht

Von Joachim Müller-Jung

Während fast überall auf der Welt neue Nutzpflanzen gezüchtet werden, sinkt das Interesse für die grüne Gentechnik in Deutschland und Europa ständig. Auf dem Acker fahren wir im Rückwärtsgang. Die EU-Kommission versucht das zu ändern. Mehr 9 7