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Simsen am Steuer : Mensch, leg das Handy weg!

  • -Aktualisiert am

Keine gute Idee. Man sehe sich nur diesen Clip an: https://www.youtube.com/watch?v=lRYv_2JRCT0 Bild: dpa

Bevor Autos selbst fahren können, werden sie ihre Fahrer überwachen.

          Verantwortungslosigkeit am Steuer könnte Autofahrer bald teuer zu stehen kommen. Zumindest etwas teurer als bisher. Der Bundesrat hat jüngst einer Verordnung der Regierung zugestimmt, wonach das Handyverbot im Auto verschärft wird. Bislang zahlten Verkehrssünder 60 Euro, wenn sie mit dem Mobiltelefon in der Hand erwischt wurden, ab jetzt sind das 100 Euro. Hinzu kommt, dass das Verbot nicht mehr nur Handys und Autotelefone umfasst, sondern alle Geräte zur „Kommunikation, Information oder Organisation“, also auch Navigationsgeräte oder Tablets.

          Man kann sagen, dass der Gesetzgeber damit auf den technologischen Fortschritt reagiert. Die Frage ist aber, ob man das Problem nicht gleich technologisch lösen könnte. Moderne Smartphones sind mit ihren Kameras, Geschwindigkeitssensoren, Navigationsinstrumenten und Mikrofonen durchaus in der Lage, ein umfassendes Bild ihrer Umgebung zu erstellen. Warum lassen sie es dann zu, dass man vom Fahrersitz eines Autos aus bei 120 Kilometern pro Stunde eine Nachricht eintippt?

          Mehr Tote als durch Alkohol am Steuer

          Das Problem ist ernst. Im November letzten Jahres meldete der Versicherungskonzern Allianz, dass Ablenkung im Straßenverkehr den Alkohol erstmals als Todesursache Nummer eins abgelöst hat. Demnach gingen 2015 auf Deutschlands Straßen 256 Unfälle darauf zurück, dass einer der Beteiligten alkoholisiert war. In deutlich mehr Fällen, nämlich in 350, wurde Ablenkung als Unfallursache festgestellt oder angenommen.

          Der iPhone-Hersteller Apple scheint inzwischen auf solche Entwicklungen zu reagieren. Im Juni präsentierte der Konzern die neueste Version seines mobilen Betriebssystems. Es umfasst nun die Funktion „Beim Fahren nicht stören“. Ist sie aktiv, bleibt der Bildschirm schwarz und das Smartphone stumm. Eingehende Nachrichten kann das Handy automatisch mit dem Hinweis beantworten, dass sein Besitzer gerade Auto fährt.

          Jenseits der Freiwilligkeit

          Das Interessante ist, dass diese Funktion sich auch automatisch aktivieren lässt. Das Smartphone ermittelt mit seinen Beschleunigungssensoren, ob es schnell unterwegs ist. Außerdem prüft es, ob drahtlose Netzwerke (WLAN) an ihm vorbeiziehen. Daraus kann es schließen, dass es sich in einem Auto befindet, und daraufhin die eingehenden Nachrichten und Anrufe blockieren. Freilich kann es sich aber auch irren, etwa dann, wenn es in einem Zug unterwegs ist oder sich in der Hand des Beifahrers befindet. Der könnte die Funktion ausschalten und Nachrichten wie gewohnt empfangen, und das ist der Knackpunkt: Die Funktion ist gut gemeint, setzt aber voraus, dass der Nutzer sie freiwillig verwendet. Dabei hat der Konzern mit dem Apfel seit Jahren eine Technologie in der Schublade, mit der er einen Schritt weiter gehen könnte.

          In einem Patent, das 2014 öffentlich wurde, beschreibt Apple ein System, das manche Funktionen von Mobilgeräten während der Fahrt abschaltet. Es kann aber noch mehr: Mit der Kamera macht es sich ein Bild der Umgebung. Stellt es dabei fest, dass es sich in der Hand eines Autofahrers befindet, bleibt es ausgeschaltet. Ist es hingegen beim Beifahrer, funktioniert es wie gehabt. Mit dieser Technologie könnte man aus der freiwilligen Beim-Fahren-nicht-stören-Funktion eine verpflichtende machen. Auf die Frage, ob Apple sich als marktbestimmendes Unternehmen nicht in der Verantwortung sieht, eine solche Funktion einzuführen, antwortet der Konzern lediglich, dass man keine Vermutungen über einen möglichen zukünftigen Einsatz von Technologien kommentiere.

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