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Buddhismus Wie ein Mensch entsteht

05.07.2005 ·  Die buddhistische Vorstellung von der Empfängnis ist trotz ihres Alters recht modern.

Von Sabine Löhr
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Wer mit seiner Lehre erklären will, wie man das als leidhaft empfundene, kontinuierliche Geborenwerden und Sterben beenden kann, hat natürlich auch eine physische Wiedergeburtstheorie. Die buddhistische Vorstellung von der Empfängnis ist trotz ihres Alters recht modern. Damit Leben entsteht, müssen exakt drei Faktoren in der empfängnisbereiten Gebärmutter zusammentreffen: Samen, Blut (Eizelle) und das Bewußtsein eines verstorbenen Wesens, das wiedergeboren werden will. Sofort beginnt das neue Leben. Andererseits erklärt der Buddha: "Wenn die Eltern sich vereinen und kein Zwischenwesen ist anwesend, gibt es auch keine Empfängnis."

Dieses Wesen beobachtet seine künftigen Eltern beim Geschlechtsverkehr, tritt in die Gebärmutter ein, mischt sich mit Eizelle und Samen und wächst heran. Dabei bestimmt sein Bewußtsein das Geschlecht des Kindes. Fühlt es sich mehr von der Mutter angezogen, verkörpert es sich als Junge, schreiben tibetische Texte.

Optische Vorstellungen von Embryonen

Der medizinische Erfolg künstlicher Befruchtung legt den Schluß nahe, daß einige Wesen auch die In-vitro-Fertilisation attraktiv finden. Angesichts der vielen bei dieser Prozedur absterbenden befruchteten Eizellen wäre es für Buddhisten denkbar, daß in diese kein Bewußtseinsmoment eingegangen ist und damit eine entscheidende Voraussetzung zur Entwicklung gefehlt hat.

Auch optische Vorstellungen von Embryonen gibt es im Buddhismus schon lange. In den ersten Wochen sind sie durchsichtig und klein "wie ein reiner Öltropfen am Ende eines Haares". Dann werden sie dichter und fester. Wenn man sie läßt: Abtreibungen wurden nicht gutgeheißen - der Fötus lebt ja bereits bei der Empfängnis -, sind aber vorgekommen. Vor 2500 Jahren behalfen sich indische Frauen in der Not mit Massagen, Kräutern und heißen Dämpfen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 03.07.2005, Nr. 26 / Seite 61
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