05.07.2005 · Der Buddhismus ist Indiens erfolgreichste Exportreligion: Ein kurzer Überblick über die unterschiedlichen Ausprägungen des fernöstlichen Glaubens.
Von Sabine LöhrIndiens erfolgreiche Exportreligion eroberte auf Karawanenwegen Asien. Dabei fand sie auch deshalb so leicht neue Anhänger, weil sie sich den vorherrschenden lokalen Bräuchen sowie dem Zeitgeist anpaßte. Die erste Spaltung erlebte der Buddhismus hundert Jahre nach dem Tod des Buddhas. Die Mönchsgemeinschaft zerstritt sich in Fragen der Disziplin. Am Ende standen sich zwei Gruppen gegenüber: Mahasanghika (Große Gemeinde) und Sthavira (Anhänger der Ältesten).
Es folgte eine weitere Auffächerung in verschiedenste Schulen. Doch die meisten davon starben aus. Um 240 vor Christus aber entstand aus einer Unterschule der Sthavira mit dem Theravada eine Tradition, der die südostasiatischen Buddhisten bis heute folgen.
Was ist der wahre Buddhismus?
Diese Schule betrachtet sich als ursprünglichen Buddhismus. Aus Mahasanghika und einer anderen Tradition, der Sarvastivada, entwickelte sich im ersten vorchristlichen Jahrhundert eine in ihrem Erlösungsanspruch ganz neue Schule, die sich selbst Mahayana (großes Fahrzeug), die andere Tradition abfällig Hinayana (kleines Fahrzeug) nennt. Klein, weil dort jeder die eigene Erlösung sucht. Anhänger des in Ostasien vorherrschenden Mahayana streben dagegen nach Erleuchtung, um möglichst viele Lebewesen zu retten. Das Mahayana selbst existiert heute in unterschiedlichsten Ausprägungen zwischen Tibet und Japan.
Auch im Volk und in der Gelehrtentradition unterscheidet sich das Verständnis darüber, was der wahre Buddhismus sei. Und wo der Papst für eine Milliarde Christen spricht, fehlt eine ähnliche Autorität im dezentralen Buddhismus ganz. Der Dalai Lama etwa vertritt höchstens fünf Millionen Tibeter und in religiösen Fragen nur die Anhänger seiner Traditionslinie, der Gelugpa.