Home
http://www.faz.net/-gwz-u7wg
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Beispiel IBM Gründlich vergessen

17.01.2007 ·  Das Beispiel „Erfindung der Tabellenkalkulation“ von IBM zeigt, dass es auch ohne Klagen geht. Das Kuriose daran: Reich wurden zwei Studenten, die von ihrem großen Vorläufer offenbar nicht einmal etwas wussten.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Es gibt auch Beispiele dafür, dass Softwarepatente den technischen Fortschritt gar nicht berühren. Manche sind schon älter, etwa das Patent, in dem sich der Computerriese IBM die Erfindung der Tabellenkalkulation schützen ließ (US3610902, angemeldet 1968 und erteilt 1971). Das war lange vor dem Jahr 1979, als das Tabellenkalkulationsprogramm Visicalc auf den Markt kam und die Verkaufszahlen der ersten Mikrocomputer wie des Apple II und später des IBM PC entscheidend in die Höhe trieb. Visicalc aber stammte von zwei jungen Unternehmensgründern, Dan Bricklin und Bob Frankston, die ihre eigene Schöpfung wiederum nie patentieren ließen.

„Der Patentanwalt erklärte uns die Schwierigkeiten, ein Patent auf Software zu bekommen, und sah eine Chance von zehn Prozent, das der Antrag durchginge, selbst wenn man mit verschiedenen Techniken zu verbergen versuchte, dass es sich um Software handelte (etwa indem man es als Maschine darstellte)“, schreibt Bricklin in seinen Erinnerungen und fügt an, dass die Wendung der Rechtssprechung im Fall Diamond vs. Diehr 1981 (siehe „Und ewig ringen die Ämter“) für die beiden leider zu spät kam.

Er hält sie für Quatsch

Bricklin hat ohnehin eine interessante Haltung zu Software-Patenten: Er hält sie zwar für Quatsch, weil man einer patentfrei gewachsenen Branche nicht plötzlich solche Werkzeuge verordnen könne; nun seien sie aber da, und man müsse sich damit zurechtfinden. Die höhere Ironie besteht in diesem Fall ja darin, dass IBM mit der Verkleidung seiner Software als Maschine dieses Patent bekam, dann aber nie ein Produkt daraus machte. Reich wurden zwei Studenten, die von ihrem großen Vorläufer offenbar nicht einmal etwas wussten. Und IBM hatte da die eigene Erfindung wohl schon vergessen. Eine Klage jedenfalls gab es nie.

Die höchst lesenswerte Website von Dan Bricklin: bricklin.com

Quelle:
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Das Gespenst Gentechnik geht

Von Joachim Müller-Jung

Während fast überall auf der Welt neue Nutzpflanzen gezüchtet werden, sinkt das Interesse für die grüne Gentechnik in Deutschland und Europa ständig. Auf dem Acker fahren wir im Rückwärtsgang. Die EU-Kommission versucht das zu ändern. Mehr 11 8