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Atomium-Umfrage: Prinzip Verantwortung Welche Richtung für Europas Forschung?

Sollen Ethik- oder Wissenschaftsräte vorgeben, wo es lang geht in der Forschung? Sind die Förderer Weichensteller, ist das Parlament letzte Instanz - oder sollen Forscher maximal unabhängig agieren?

© Wohlfahrt, Rainer Vergrößern Reproduktionsmedizin: Wer bestimmt, welche Forschung sinnvoll ist?

War das Basta-Politik oder war es eine clevere Umverteilung von Verantwortung? Als Bundeskanzler Schröder vor zwölf Jahren den Nationalen Ethikrat installieren ließ, um die Meinungsbildung über Stammzellforschung, Reproduktionstechnik, Klonen und andere Anwendungend er Lebesnwissenschaften auf den Menschen zu forcieren, war der Aufschrei groß.

Wer entscheidet über Forschung? Hier geht es zur Umfrage

Joachim  Müller-Jung Folgen:    

Von unzulässiger Präjudizierung einer liberalen Biopolitik war die Rede, noch bevor der erste Diskurs im Ethikrat abgeschlossen war. Die Kirchen ihrerseits mobilisierten gegen bestimmte Forschungs-Spezialgebiete, etwa die embryonale Stammzellforschung. Was folgte, waren Diskussionen im Parlament, eine von allen Seiten hochgelobte Debatte im Bundestag zum anstehenden Stammzellgesetz  und die Fortsetzung der biopolitischen Arbeit des Ethikrates durch ein Gesetz im Jahr 2007, das den heute noch tatkräftigen Ethikrat durch die Regierung Merkel regelt. Der biopolitischer Manipulationsverdacht - ein Sturm im Wasserglas?

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Keine Frage: Der Ethikrat hat mit seinen Stellungnahmen und Voten politischen Einfluss genommen, und er tut es weiter. Gleiches könnte man mit Fug und Recht  vom Wissenschaftlichen Beirat Globale Umweltveränderungend er Bundesregierung in Fragen des Klimaschutzes und der Energiewende behaupten. Und der von Bund und Ländern getragene Wissenschaftsrat bestimmt ganz entscheidend die großen Linien, in dem er laufend die  Strukturen der Forschung prüft. 

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Wer entscheidet also darüber, was sinnvollerweise erforscht werden soll? Fest steht: Der Kompaß der Forschung, auch jener der Grundlagenforschung, wird  trotz der grundgesetzlich garantierten Fortschungsfreiheit von verschiedenen Seiten beeinflusst. Politik und Forschungsförderinstitutionen haben Evaluierungsinstrumente entwickelt, die ihnen einen gewaltigen Einfluss auf die Programme ermöglichen. Patentämter und Genehmigungsbehörden dirigieren auf ihre Weise, was geschützt  und was machbar ist, wo Grenzen sind. Doch wie verhalten sich Förderung und Unabhängigkeit in diesem Geflecht von Institutionen und Initiativen zueinander? Und wie steht es dann vor allem um die Verantwortung? Ist der Bürger da noch unmittelbar genug beteiligt, oder verliert er dabei zusehends Kontakt und Bindung zum Forschungsbetrieb? Wer soll über die Richtung einer nachhaltigen Energiepolitik entscheiden, wenn etwa in der Mobilitätsfrage die Alternativen lauten Brennstoffzellen-Auto oer mehr Biotreibstoffe? 

Gesellschaft und Forschung interagieren, und in Zeiten des digitalen Meinungsaustauschs umso mehr. Doch die Konflikte werden nicht weniger und auch nicht kleiner. Das ist in Brüssel wie in Berlin so. Nochmal das Beispiel embryonale Stammzellforschung: Soll sie durch das neue Rahmenprogramm „Horizon 2020“  der Europäischen Unionen wie bisher gefördert werden? Und wie weiter mit Großforschungsprojekten, die wie das Fusionsprojekt Iter oder Raumfahrtunternehmen schnell mal Milliarden verschlingen?

Wenn Sie zu alledem eine Meinung haben und Vorschläge haben, wer wie die Richtung in der Forschung beeinflussen sollte, beteiligen Sie sich an der Befragung durch Atomium Culture. Die Europäische Kommission wird sich in Kürze mit den Ergebnissen der in verschiedenen Ländern ausgeschriebenen Umfrage (hier)  befassen.  

Über die Sonderinitiative für Bürgerbeteiligung*

Die Bürger haben das Recht - und es wird von ihnen erwartet -, sich an wichtigen Entscheidungen über die Gestaltung ihrer Zukunft zu beteiligen und mitzubestimmen, wie Wissenschaft und Technologie unser zukünftiges Leben verbessern können“

(Bericht einer Expertengruppe an die Europäische Kommission, The Role of Community Research Policy in the Knowledge-based Economy)

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Wie bereits im Rahmenprogramm für verantwortbare Forschung und Innovation (RRI) dargestellt, gibt es eine höhere Erfolgschance bei der Bewältigung der großen Herausforderungen unserer Gesellschaft, wenn sich alle beteiligten Akteure umfassend an der gemeinsamen Suche nach innovativen Lösungen, Produkten und Dienstleistungen beteiligen. Das RRI wird deshalb zur Förderung einer Forschungs- und Innovationspolitik entwickelt, die in erster Linie an den Interessen und Bedürfnissen der Gesellschaft ausgerichet ist und alle Akteure über integrative partizipatorische Modelle einbindet.

Die Sonderinitiative für Bürgerbeteiligung wird von Atomium Culture gerfördert und will Möglichkeiten erkunden, wie die Medien den Bürger im Rahmen eines Dialogs an der Diskussion wissenschaftlicher Themen beteiligen können. Auf diese Weise soll ein stärker auf Partzipation ausgerichteter Ansatz für eine Wissenschaftspolitik auf europäischer Ebene entwickelt werden.

Die Ergebnisse dieser Initiative werden der Europäischen Kommission vorgelegt und unterstützen als Beitrag die Vorbereitung der Themen des ersten Aufrufs zur Einreichung von Vorschlägen für Horizont 2020 (besonders für das Einzelziel ‚Gesellschaftliches Engagement‘ des Bereichs Gesellschaftliche Herausforderung ‚Wege zu einer integrativen, innovativen und sicheren Gesellschaft‘ im Vorschlag der Kommission, früher SiS).

* Dieses Projekt wird von der Generaldirektion Forschung und Innovation der Europäischen Kommission im Rahmen des Programms Wissenschaft in der Gesellschaft (SiS) finanziert.

Für die auf dieser Plattform geäußerten Ansichten und Meinungen trägt der Autor die alleinige Verantwortung. Sie entsprechen nicht unbedingt der offiziellen Meinung der Europäischen Union.

Quelle: F.A.Z.

 
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