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Wissenschaft im Islam : Historia obscura

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Diese Glutaugen! Doch wie Ibn al-Haytham wirklich ausgesehen hat, weiß niemand. Traditionell wird der mittelalterliche Gelehrte als greiser Rauschebart mit Turban dargestellt. Bild: Ali Amro/1001 Inventions

Eine muslimische Initiative feiert in Büchern und Ausstellungen die Beiträge von Gelehrten der islamischen Welt zur mittelalterlichen Wissenschaftsgeschichte. Leider an der historischen Realität vorbei.

          Erst einmal muss man vorbei an einem Häuschen voller Lebkuchen. Dann an wohlriechenden Damen, welche anderen Damen wohlriechende Produkte zu schenken versuchen. Und direkt vor dem Bäckerladen biegt man links ab Richtung H&M. Draußen ist schon sehr November, drinnen im Einkaufszentrum „Boulevard Berlin“ vermutet man bereits hinter jeder Ecke einen Nikolaus. Der begegnet einem allerdings gegenüber von H&M nicht. Sondern Ibn al-Haytham.

          Der ebenfalls bärtige, aber junge Mann lächelt einnehmend unter seinem dicken blaugelben Turban hervor. Das tut er nicht persönlich, denn er ist fast schon ebenso lange verstorben wie der historische Nikolaus von Myra. Ibn al-Haytham begrüßt die Shopperinnen und Shopper von elektronischen Displays herab, als Comic-Figur. Dem 965 in Basra geborenen Gelehrten ist hier mitten im saisonalen christlich-abendländischen Kommerz im Rahmen der „Berlin Science Week“ eine kleine, aber bunte Ausstellung gewidmet: „Ibn al-Haytham: Der Mann, der entdeckte, wie wir sehen.“

          Ein paar Schaukästen gesellen sich zu den Bildschirmen, ergänzt von einer Leinwand. Dort läuft ein Film mit Omar Sharif. In ihm wird erzählt, dass Ibn al-Haytham ein großer Forscher war und die Grundlagen für die moderne Optik gelegt habe. Interessant, könnte man dann denken und weiter zum Kaffee-Laden gehen, um sich ein bisschen aufzuwärmen.

          Mit Wissenschaftlichkeit nimmt man es hier nicht so genau

          Das geht aber nicht, wenn man mit Sonja Brentjes und Johannes Niehoff hier ist. Denn die beiden Wissenschaftler finden das alles ziemlich daneben. Ibn al-Haytham sei dargestellt wie ein „re-orientalisierter Sarotti-Mohr“ ist noch das Netteste, was dem Altphilologen von der Freien Universität Berlin einfällt. Brentjes, Expertin für Mathematik, Kartographie und Wissensaustausch in islamisch geprägten Gesellschaften am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, schüttelt beim Überfliegen der Schautafeln den Kopf. „Das stimmt so einfach nicht“, sagt sie immer wieder.

          Tatsächlich ist diese kleine, bunte, auf den ersten Blick harmlos wirkende Schau im Shopping-Center Auslöser eines handfesten Konflikts. Brentjes und andere Wissenschaftshistoriker, Arabisten und Islamwissenschaftler kritisieren die Organisatoren der „Berlin Science Week,“ allen voran den altgedienten Wissenschaftsmanager Jürgen Mlynek: Man biete hier Ausstellungsmachern ein Forum, die „wissenschaftlich unzuverlässig und propagandistisch“ vorgingen. Die Kritik ist nicht neu. Sie bezog sich in der Vergangenheit vor allem auf eine deutlich größere Schau namens „1001 Inventions“ (Tausendundeine Erfindung). Dazu kommt jetzt in Berlin der Vorwurf, dass mit Steuergeldern von Senat und Bundesforschungsministerium und im Rahmen einer sich „wissenschaftlich“ nennenden Veranstaltung eine solche Schau präsentiert werde, ohne dass sie vorher auf ihre Wissenschaftlichkeit überprüft worden sei. Die Veranstalter von der „Falling Walls Foundation“ mit ihrem Kuratoriumsvorsitzenden Mlynek, anlässlich deren Berliner Konferenz die „Science Week“ stattfindet, räumen dies sogar ein.

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