http://www.faz.net/-gwz-8x9ho

Archäologie-Sensation? : Verdächtige Spuren eines Ur-Ur-Amerikaners

Ein Steinfindling nahe der Knochenfundstelle - nach Überzeugung der Forscher ein Werkzeug der Ur-Ur-Amerikaner. Bild: Tom Deméré, San Diego Natural History Museum

Wurde die Neue Welt nicht erst von Homo sapiens, sondern hunderttausend Jahre früher von einem Frühmenschen besiedelt? Die Gewaltspuren an den Überresten eines Mammuts erschüttern die Amerikaner.

          Die Neue Welt wird von einer archäologischen Sensationsmeldung erschüttert. Wurde der amerikanische Kontinent womöglich von Menschen nicht nur einmal über die Beringstraße erobert, vor fünfzehn bis zwanzigtausend Jahren, wofür es längst klare Belege gibt, sondern zweimal und das schon vor mehr als 130.000 Jahren? Wenn es zutrifft, was Archäologen vom San Diego Natural History Museum in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift „Nature“ berichten, könnte die südkalifornische Ausgrabungsstätte eine Mammuts die gesamte Geschichtsschreibung der Neuen Welt auf den Kopf stellen. Denn vor 130.000 Jahren konnte es unmöglich ein moderner Homo sapiens gewesen sein, der den Weg über Asien und die nördliche Landbrücke zum amerikanischen Kontinent geschafft hatte. Es müsste wohl eine andere Frühmenschenart gewesen sein, die zu jener Zeit nach der ersten Auswanderungswelle aus Afrika den eurasischen Kontinent bevölkert hatte. Das aber lässt sich mit den Funden, die der Chefausgräber Thomas Deméré und seine kalifornischen Kollegen präsentieren, nicht eindeutig zeigen. Menschliche Überreste jedenfalls wurden nicht gefunden.

          Der Paläontologe  Don Swanson deutet auf Steinfragmente in der Nähe eines Mammutstoßzahns, die in San Diego entdeckt wurden.
          Der Paläontologe Don Swanson deutet auf Steinfragmente in der Nähe eines Mammutstoßzahns, die in San Diego entdeckt wurden. : Bild: dpa
          Joachim  Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Statt dessen aber hat man reichlich Mammutknochen entdeckt und mit größter Akribie untersucht, die ganz offensichtlich nach dem Tod des Mammuts und vor der Fossilierung zertrümmert worden waren. Die auffälligen, oft spiralig angeordneten Bruchspuren an den Knochen legen für die Forscher den Schluss nahe, dass die gewaltigen Knochen mit Steinen zertrümmert wurden, um an das nahrhafte Mark zu kommen. Ähnliche Muster habe man vorher schon bei Mammut-Fossilien aus Kansas und Nebraska entdeckt, wo geologische Kräfte oder Angriffe von Raubtieren ausgeschlossen werden konnten.

          Ansicht eines Bruchstücks aus dem Mammut-Oberschenkel.
          Ansicht eines Bruchstücks aus dem Mammut-Oberschenkel. : Bild: Tom Deméré, San Diego Natural History Museum

          Tatsächlich hat man an fast der gleichen Stelle in der Cerutti-Ausgrabungsstätte neben den Mammutknochen und -zähnen kiloschwere, teils zerbrochene Steinbrocken gefunden, die den Wissenschaftlern zufolge wegen der Ablagerungsgeschichte des Sediments unmöglich durch geologische Prozesse dorthin gelangt sein können. Die Archäologen spekulieren vielmehr, dass die Urmenschen die Steine als Fleischerwerkzeuge benutzten. Um das zu prüfen, haben sie die mutmaßliche Urszene mit Elefantenknochen nachgestellt und Knochen mit ähnlichen Steinen zertrümmert. Die so entstandenen Bruchspuren ähnelten auffallend den Mammutverletzungen.

          Rippen des Mammuts und gut erhaltene Wirbel.
          Rippen des Mammuts und gut erhaltene Wirbel. : Bild: dpa

          Nicht nur das Fehlen menschlicher Überreste macht allerdings andere Experten skeptisch, es bleibt auch die Frage, wie die älteren Vertreter aus der Gattung Homo die Beringstraße überwunden haben könnten. Vor 130.000 Jahren jedenfalls, einer Zwischenwarmzeit, war die Wasserstraße, die Asien und Nordamerika trennt, noch viel breiter gewesen als sie es hunderttausend Jahre später während der Eiszeit war.

          Für den Frankfurter Paläoanthropologen Friedemann Schrenk vom Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg sind die Ergebnisse  dennoch der erste überzeugende Nachweis für die Besiedlung Nordamerikas vor der späteren durch den modernen Menschen.

          Weitere Themen

          Die Neandertaler konnten das auch

          Höhlenmalereien : Die Neandertaler konnten das auch

          In spanischen Höhlen wurde altsteinzeitliches Wanddekor in die Zeit datiert als unsere eiszeitlichen Vetter noch allein in Europa waren. Ist damit aber erwiesen, dass sie uns geistig ebenbürtig waren?

          Wie die Bronzen ins Museum kamen Video-Seite öffnen

          Serie zu Beutekunst aus Benin : Wie die Bronzen ins Museum kamen

          Nach der Plünderung des Königspalastes in Benin-City 1897 brachten die britischen Soldaten viele Kunstwerke nach Großbritannien. Von dort gelangten sie in Museen auf der ganzen Welt. Wir zeichnen die Reise dreier Objekte nach.

          Topmeldungen

          Jung und konservativ und eine Kritiker von Kanzlerin Merkel: Jens Spahn

          Merkels neue Minister : Reform statt Revolution in der CDU

          Angela Merkel gibt dem Druck aus der eigenen Partei nach und kündigt vor dem Parteitag eine Verjüngung der CDU-Minister in der nächsten Bundesregierung an.

          Olympia-Kommentar : Schluss damit!

          Genug gebüßt! Das IOC will einen Schlussstrich unter die Causa Russland ziehen: Die baldige Rückkehr des russischen olympischen Komitees auf den Olymp ist vor allem eine Frechheit gegenüber Sportlern in aller Welt.

          Zur Frankfurt-Wahl : Große und kleine Überraschungen

          Peter Feldmann ging von der Pole Position des Amtsinhabers ins Rennen, diesen Vorsprung hat er beherzt genutzt. Seine Motorleistung war jedoch nicht so stark, dass er die Konkurrenten um den Posten des Rathauschefs vom Start weg hätte überrunden können.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.