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Woher kommt der Mensch (2) : Der Europäer ist auch genetisch ein Potpourri

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Eine Menschheit, entstanden „Out of Africa“: In jedem von uns stecken die „afrikanischen“ Erbanlagen, auch wenn die Haut vieler Europäer nicht mehr schwarz ist. Bild: Reuters

Dank moderner Genanalysen wissen wir heute, woher die Europäer eigentlich kommen. Sie waren alle Einwanderer. Unsere Völker sind das Ergebnis mehrerer Migrationen und ständiger Anpassung.

          Die genetische Forschung hat im vergangenen Jahrzehnt eine wahre Revolution erlebt. Mit der Entwicklung hochmoderner DNA-Sequenziertechnologien ist es in nur wenigen Jahren möglich geworden, die Leistungsfähigkeit und Effizienz genomischer Untersuchungen um einen Faktor zehn Millionen zu vervielfachen. Heutzutage verfügen wir über Technologien, mit denen wir für wenige hundert Euro und innerhalb weniger Stunden ein ganzes menschliches Genom mit seinen Milliarden Basenpaaren entschlüsseln können. Wir leben aktuell in einem „Sequenzierzeitalter“, in dem bereits Zehntausende Genome von Menschen aus der ganzen Welt entschlüsselt worden sind - und täglich kommen neue hinzu.

          Der Reiz und die Hoffnung dieser massiven genetischen Forschung besteht darin, Antworten auf die großen Fragen aktueller sowie vergangener Zeiten zu finden: Wie hat sich der Mensch entwickelt, und woher kommt er? Welche Rolle spielen Gene für die Entwicklung und Ausbreitung von Krankheiten? Welche genetisch bedingten Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es zwischen menschlichen Populationen? So hat die Genetik, entgegen ihrer fatalen Assoziation mit rassistischen und kolonialistischen Regimes im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, die Erkenntnis geliefert, dass ein Großteil der genetischen Vielfalt nicht zwischen unterschiedlichen menschlichen Populationen besteht, sondern innerhalb einer einzelnen Population existiert: Mehr als 80 Prozent aller genetischen Unterschiede in der DNA-Sequenz von Menschen, die als „Single Nucleotide Polymorphismen“ (SNPs) bezeichnet werden, treten innerhalb derselben menschlichen Population auf, wie den Europäern oder den Asiaten. Mit anderen Worten: Um einen Großteil der genetischen Vielfalt der Menschen außerhalb Afrikas zu erfassen, reicht es völlig aus, ein paar hundert Thüringer oder Rheinländer genetisch zu vergleichen.

          Eine weitere wichtige Erkenntnis populationsgenetischer Forschung ist, dass Afrikaner eine höhere genetische Vielfalt aufweisen als die Populationen außerhalb Afrikas. Das interpretiert man als Beweis für den Ursprung des modernen Menschen in Afrika. Auch bei der Rekonstruktion von Stammbäumen mit Hilfe der Erbsubstanz zeigt sich, dass die Menschen außerhalb Afrikas darin nur ein kleiner Zweig der afrikanischen Diversität sind, oder anders gesagt: Genetisch gesehen sind alle Menschen dieser Erde Afrikaner!

          Molekulare Zeitreisen

          Genetische Analysen erlauben es auch, die evolutionäre Abspaltung einzelner menschlicher Populationen zeitlich einzuordnen. Dazu kalibriert man die sogenannte „molekulare Uhr“. Man geht heute davon aus, dass jeder Mensch etwa 50 Basenveränderungen (Mutationen) in sich trägt, die in der Keimbahn der Eltern neu entstanden sind und damit nicht Teil des elterlichen Genoms waren. Daraus ergibt sich eine Mutationsrate des Menschen von etwa 50 Veränderungen pro Generation pro Genom. Wenn man annimmt, dass pro Generation etwa 25 Jahre vergehen, lässt sich anhand der genetischen Unterschiede zwischen zwei Populationen berechnen, wann sich diese voneinander getrennt haben müssen. Vergleicht man beispielsweise die Unterschiede zwischen Afrikanern und Nichtafrikanern, kommt man auf eine Abspaltung vor rund 2000 bis 2500 Generationen, also vor 50 000 bis 60 000 Jahren. Diese Berechnung passt auch gut zu den existierenden archäologischen und paläoanthropologischen Befunden, die darauf hinweisen, dass vor circa 42 000 Jahren die ersten modernen Menschen nach Europa einwanderten und den dort ansässigen Neandertaler verdrängten.

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