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Alles im grünen Bereich : Wie das Wetter auch wird . . .

Bild: Charlotte Wagner

Nach dem Dürresommer stellt sich dem Gärtner die Frage nach Pflanzen, die mit wenig Wasser auskommen. Es gibt solche Überlebenskünstler. Aber auch sie haben ihre Probleme.

          Wenn es so weitergeht mit der Dürre, wachsen im Garten bald nur noch Sukkulenten. Das sind wörtlich „saftreiche“ Pflanzen, die die Fähigkeit besitzen, Wasser über einige Zeit hinweg zu speichern. Am bekanntesten sind die Kakteen. Sukkulenz kommt auch in zahlreichen anderen Pflanzengattungen vor. Gärtnereien bieten vor allem drei davon an: Dachwurze (Sempervivum), Fetthennen (Sedum) und Steinbreche (Saxifraga). Um welche Arten es sich im Einzelnen handelt, wird meist unterschlagen, dabei sind ihre Bedürfnisse durchaus verschieden.

          Am ehesten zurecht kommt der Hobbygärtner wahrscheinlich mit dem Scharfen Mauerpfeffer Sedum acre. Bei mir hält er seit Jahren tapfer auf einem Dachziegel aus, der als Substrat eigentlich nur ein wenig Moos bietet. Der Mauerpfeffer ist imstande, seine Spaltöffnungen tagsüber fast vollständig zu schließen. Dadurch unterbindet er die Transpiration, allerdings auch die Aufnahme von CO₂ das für die Photosynthese benötigt wird. Die holt er dann gewissermaßen nachts nach, über einen speziellen Stoffwechsel, der die Bildung von Äpfelsäure einschließt. Ein trickreicher Geselle also, der sich vegetativ durch Absenker und generativ durch Samen vermehrt, die bei Regen als Schwemmlinge fortgeschleudert werden. Den Winter übersteht er selbst unter einer Schneedecke.

          Auf anhaltende Nässe reagiert der Hauswurz verschnupft

          Unbedingt anpflanzen sollte man außerdem die Hauswurz Sempervivum tectorum, denn sie schützt bei Gewitter zuverlässig vor dem Blitz. Kulturformen dieses Dickblatts kennt man seit dem Mittelalter, mit Eiern in Ziegenmilch gekocht hilft es gegen Impotenz, wobei man es nach den Worten Hildegard von Bingens nicht übertreiben darf, denn der Genuss kann eine Wollust hervorrufen, die sich bis zum Wahnsinn steigert.

          Noch so ein Überlebenskünstler ist der Steinbrech, der sich als „Porzellanblümchen“ in der Biedermeierzeit großer Beliebtheit erfreute. Saxifraga umbrosa stammt ursprünglich aus den Pyrenäen, seitdem sind durch Hybridisierung mit anderen Vertretern der Gattung zahlreiche Sippen und Kultivare entstanden. Um sie auseinanderzuhalten, sollte man vielleicht der britischen Saxifrage Society beitreten, dort finden sich Gleichgesinnte, die einem weiterhelfen können.

          Wenn nun allerdings der Eindruck entstanden sein sollte, Sukkulenten seien problemlos im Garten zu halten, ist das ein großer Irrtum. Auf anhaltende Nässe reagieren sie verschnupft und beginnen alsbald zu faulen. Wie das Wetter auch wird bei diesem Klima: Man muss sich immer um irgendwas sorgen.

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