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Alles im grünen Bereich : Klein, aber mein

Bild: Charlotte Wagner

Die Größe eines Gartens hängt nicht von der Zahl der Quadratmeter ab. Sondern von seinem Besitzer und wie er ihn pflegt.

          Unlängst durfte ich einen Vortrag halten. Das Thema lautete: „Der kleine Garten“. Was die Frage aufwarf: Was heißt klein? Der britische Gartendesigner Andrew Wilson, der dazu ein Handbuch verfasst hat, fand die elegante, aber etwas unscharfe Formulierung, ein Garten sei dann als klein anzusehen, wenn er „nicht besonders groß“ ist. Besser definiert ist, jedenfalls in Deutschland, der Kleingarten. Er soll nach Paragraph drei des Bundeskleingartengesetzes nicht größer als vierhundert Quadratmeter sein.

          Den Kleingarten hat 1865 angeblich Daniel Moritz Schreber in Leipzig erfunden. Aber da war der Mann in Wahrheit schon vier Jahre tot. Schreber war von Beruf Orthopäde, er hat Kinder mit Riemen fixiert und nannte das „Kallipädie“, also Erziehung zu körperlicher Schönheit. Der nach ihm getaufte Platz am Leipziger Johannapark war gar nicht zum Gärtnern, sondern zum Turnen gedacht und ist erst später von den Eltern zweckentfremdet worden.

          Der wahre Erfinder des deutschen Kleingartens war ausgerechnet ein Adliger, und zwar der Landgraf Karl von Hessen-Kassel. Als Statthalter des dänischen Königs ließ er um 1800 herum in Kappeln an der Schlei 32 sogenannte Kohlhöfe für die Ärmsten der Stadt anlegen; später kamen hundert Parzellen für die Wohlhabenderen hinzu. Sie waren im Schnitt zwei Schipp groß, wobei ein Schipp umgerechnet fünfhundert Quadratmeter sind, eine Fläche, auf der man etwa 25 Pfund Korn ernten kann.

          Tausend Quadratmeter Garten. Ist das viel oder wenig? Man könnte davon eine vierköpfige Familie ernähren, sofern man außerdem ein Schwein und eine Schar Hühner hält. Ernsthaft wird das heute kaum noch jemand machen, es wäre ein Fulltime-Job.

          Die Bäuerin war nicht romantisch. Und ihr Garten schon gar nicht

          Wenn man sich die Gartenliteratur anschaut, dann ist häufig vom „Bauerngarten“ die Rede. Also von einem kleinen, umzäunten Stück Land, auf dem die Bäuerin Karotten und Zwiebeln und Kräuter zieht und daneben noch ein paar Rosen und Ringelblumen, um damit die gute Stube zu schmücken. Jeder kennt diese Fotos, auf denen dann malerisch eine Gießkanne rostet und im Korb die reifen Äpfel leuchten. Romantisch und wild geht es angeblich zu im Bauerngarten. Einer historischen Überprüfung hält das nicht stand. Es ist nur eine nostalgische Vorstellung, die Mitte des 19. Jahrhunderts in den Städten entstand. Die Bäuerin selbst wird den Garten eher so praktisch wie möglich gehalten haben und hat sich dabei vielleicht am Klostergarten orientiert, der schon immer eine strenge Form besaß.

          Was passt besser zu einem kleinen Garten? Kreatives Durcheinander oder penible Ordnung? Im Büro existiert beides, allerdings ist ein zugemüllter Arbeitsplatz noch kein Geniebeweis. Im Garten herrschen andere Gesetze. Aber je kleiner er ist, desto mehr ähnelt er doch dem Schreibtisch.

          Wie weit man das Aufräumen treiben kann, führt einem regelmäßig der Garten- und Landschaftsbau vor. Da wird vor allem gepflastert und gemauert, das Gärtnerische beschränkt sich häufig auf das Verlegen von Rollrasen und ein paar Kübel mit Ziergräsern. Fairerweise muss man sagen, dass die Kundschaft das so wünscht. Man muss nur das Adjektiv „pflegeleicht“ eingeben, und die Suchmaschine spuckt umgehend die Ergänzungsvorschläge Garten, Vorgarten und Sichtschutz aus. Nächste Woche mehr dazu.

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