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Alles im grünen Bereich : Selbst ist der Mann (2)

Bild: Charlotte Wagner

Dass Passivrauchen schädlich ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Dass man deshalb bestimmte Gemüse meiden sollte, noch nicht.

          Bevor es ans Aussäen der Tabaksamen geht, noch ein paar theoretische Betrachtungen. Alle Vertreter der Gattung Nicotiana gehören zu den Nachtschattengewächsen, unter denen sich auch so übelbeleumundete Gesellen wie die Tollkirsche und der Stechapfel finden. Viele von ihnen enthalten potente Inhaltsstoffe, die von den Pflanzen natürlich nicht in erster Linie produziert werden, damit sich der Mensch an ihnen ergötzt. Wildwachsendem Tabak beispielsweise dient das Nervengift Nikotin zur Abwehr von Fressfeinden; stellt man aus seinen Blättern eine Brühe her, ergibt das ein wirksames Insektizid, das freilich auch Bienen hinwegrafft.

          Dass Tabak schwindelig macht, wussten bereits die Ureinwohner Nord- und Südamerikas, die ihn bei diversen rituellen Handlungen konsumierten. Die berühmte Friedenspfeife der Indianer hingegen, die immer noch auf den Packungen der Zigarettenmarke „American Spirit“ abgebildet ist, wurde eher mit Süßgras und Salbei gestopft. Noch in den heroischen Zeiten der Tour de France war es üblich, dass sich die Fahrer mit Nikotin putschten; von dem legendären Enrico Sala wird berichtet, dass er beim Giro d’Italia stets die Taschen voll mit Zigarren der Marke „Macedonia“ hatte und, wenn der Vorrat zu Ende ging, aus dem Begleitfahrzeug ein brennendes Exemplar herausgereicht bekam. Neuere Untersuchungen haben ergeben, dass Nikotin tatsächlich die Ausdauer fördert. Im Rahmen einer Studie an der University of Birmingham wurden Freiwillige dazu aufgefordert, bis zur völligen Erschöpfung auf einem Ergometer zu strampeln - diejenigen, denen man zuvor ein Nikotinpflaster verabreicht hatte, schafften 17 Prozent mehr Leistung.

          So tödlich auch wieder nicht

          Oftmals ist die Rede davon, man könne mit vier bis fünf Zigaretten, die in Wasser aufgelöst sind, einen erwachsenen Menschen umbringen, für Kinder sei schon eine einzige tödlich. Dem liegt die vielzitierte Angabe zugrunde, fünfzig Milligramm Nikotin seien eine letale Dosis. Der österreichische Pharmakologe Bernd Mayer hat sich unlängst auf die Suche nach der Quelle dieser Behauptung gemacht und ist auf eine Arbeit des deutschen Toxikologen Rudolf Kobert aus dem Jahre 1906 gestoßen, der sich wiederum auf einen Mediziner namens Carl Damian von Schroff bezog, welcher 1856 in Wien ein Lehrbuch herausgegeben hatte, in dem er von nicht näher quantifizierten Selbstversuchen mehrerer Medizinkollegen berichtet, denen erst schlecht geworden sei und anschließend das Bewusstsein abhandenkam. Mayer kommt zu dem Schluss, dass die tödliche Dosis Nikotin für einen Erwachsenen in Wahrheit bei mindestens einem halben Gramm anzusiedeln sei, wobei es auch schon Fälle gegeben hat, in denen ein Suizidversuch selbst nach dem Einnehmen von vier Gramm reiner Nikotinlösung scheiterte.

          Bleibt noch die Tatsache, dass sich Nikotin auch in Gemüsen wie Blumenkohl, Kartoffeln oder Tomaten findet. Relativ am meisten, nämlich o,1 Mikrogramm pro Gramm, steckt in Auberginen. Wer zehn Gramm Aubergine isst, nimmt damit so viel Nikotin zu sich wie ein Passivraucher, der sich drei Stunden lang in einem nur leicht verqualmtem Zimmer aufhält.

          Meine Bestellung ist jetzt raus, sobald der Tabaksamen eingetroffen ist, geht es los mit dem Selbstanbau. Ich komme darauf zurück.

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