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Alles im grünen Berecih : Kleiner Garten, großer Zwerg

Bild: Charlotte Wagner

Um einen Garten so aussehen zu lassen, als sei er ganz von alleine so gewachsen, braucht man nur den gesunden Menschenverstand. Doch genau das ist die größte Herausforderung überhaupt.

          Vom pflegeleichten Garten war vergangene Woche die Rede. Was soll man darunter verstehen? Bei Hemden und Hosen bedeutet pflegeleicht, dass sie nur kurz gewaschen und nicht gebügelt werden müssen. Etliche Gartenbesitzer glauben, dass sich das in ähnlicher Weise auf den Rasen übertragen lässt. Nach zwei, drei Jahren wissen sie es besser.

          Die heutige Vorstellung vom kurzgeschorenen Grün geht zurück auf die englische Aristokratie des 17. Jahrhunderts, die damit demonstrieren wollte, dass sie es sich locker leisten konnte, ein großes Stück Land als reine Zierde zu betrachten. Der Natur half man dabei energisch auf die Sprünge. Fürst Pückler beispielsweise ließ für die Landschaftsgärten, die er in Muskau und Branitz schuf, ein ganzes Dorf umsiedeln, Hunderttausende von Kubikmetern Erde bewegen, jahrzehntealte Bäume verpflanzen und einen Teil der Spree umleiten.

          Hermann von Pückler hat sein komplettes Vermögen und außerdem das seiner Frau in der Lausitz drangegeben. Der typische Reihenhausgärtner braucht dagegen nur eine Thujahecke. Und im Vorgarten noch etwas Kies und eine Gabionenmauer, hinter der er seine Mülltonnen versteckt. Aber dann packt ihn doch der Gestaltungswille. Eine stattliche Sofalandschaft muss her und eine beeindruckende Outdoor-Küche. Will er das auch bei schlechtem Wetter nutzen, gehört dazu eine winterfeste Überdachung. Und ein Außenkamin. Wobei das Außen ziemlich in die Ferne rückt, wenn dazu noch der Pool, der Pavillon sowie die unvermeidbare Hüpfburg und das Kaninchengehege für die lieben Kleinen kommen.

          Je üppiger die Ausstattung, desto verwirrter der Geschmack

          „Je kleiner der Garten, desto größer der Gartenzwerg“, meint die Schweizer Autorin Brigitte Fuchs. Und je üppiger die Ausstattung, desto verirrter der Geschmack, könnte man hinzufügen.

          Was wäre die Alternative? Wo bleibt der liebevoll gestaltete kleine Garten, der tausendfach besungen wird? Der gleichzeitig Schutz bietet und die Phantasie beflügelt, der von allen bewundert wird, die daran vorbeigehen, und doch keinen schnöden Neid, sondern nur ein verzaubertes Lächeln hervorruft? Der Gartentyp, der das am ehesten schafft und gleichzeitig wenig Platz in Anspruch nimmt, ist der sogenannte Cottage-Garten. Der ist allerdings nicht aus Verschwendung entstanden, sondern aus der Armut der englischen Landbevölkerung. Er war ursprünglich auch kein Idyll, als das wir ihn heute betrachten. Die Pächter bauten auf dem kleinen Stück Acker, das ihnen vom Landlord überlassen wurde, nur das Nötigste an. Außer Kartoffeln, Kohl und Rüben wird das nicht viel gewesen sein. Zu einem eigenen Stil haben ihn erst Gartengestalter und Architekten wie Gertrude Jekyll und ihr Partner Edwin Lutyens erhoben.

          Wie könnte man den Charakter des Cottage-Gartens beschreiben? Der verstorbene Gartenautor Christopher Lloyd hat wahrscheinlich die prägnanteste Formulierung gefunden: „Er zeichnet sich durch seine üppige, aber wohlgeordnete Zwanglosigkeit aus. Er ist ein Produkt des gesunden Menschenverstandes. Er verbindet Nützliches mit Erfreulichem. Und er ist vollkommen unprätentiös.“

          Man sollte allerdings noch erwähnen, dass kaum etwas so viel Arbeit macht wie ein englischer Landhausgarten. Denn die wahre Kunst besteht darin, ihn so aussehen zu lassen, als ob er ganz von selbst so gewachsen sei.

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