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Alles im grünen Bereich : Eine kleine Tüte Hoffnung

Bild: Charlotte Wagner

Ein bisschen die Welt retten möchte jeder Gärtner. Wie realistisch ist das?

          Von den letzten Landratswahlen ist noch ein Werbegeschenk übrig geblieben. Es handelt sich um ein Samentütchen mit der Aufschrift „Rettet die Bienen!“ Das habe ich jetzt ausgesät. Man will ja auch was Nützliches tun. Wenn nur alle Gärtner so dächten, könnte das ein wichtiger Beitrag im Kampf gegen den Artenschwund sein, heißt es allenthalben.

          Nun ja. Betrachten wir die Zahlen. Deutschland verfügt über eine Fläche von 360.000 Quadratkilometern. Nach der jüngsten Erhebung aus dem Jahr 2004 entfallen gut die Hälfte davon auf die Landwirtschaft, 29 Prozent auf den Forst. Knapp acht Prozent sind als Bauflächen ausgewiesen, zwei Prozent für den Verkehr. Der Anteil an Grünflächen beträgt 2,2 Prozent, darunter schlagen Parkanlagen sowie Dauerkleingärten mit jeweils 0,2 Prozent zu Buche. Das Betätigungsfeld des Privatgärtners ist also ziemlich überschaubar.

          Der britische Althistoriker Robin Lande Fox, der seit mehr als vierzig Jahren eine bissige Gartenkolumne für die Financial Times verfasst, hat es kurz und knapp zusammengefasst: „Im Großen und Ganzen spielt die Hilfe von Gärtnern für bedrohte Arten eine unendlich kleine Rolle und ist nur von kurzer Dauer.“ Weshalb Fox auch keine Skrupel hat, Ziergewächse unter rein ästhetischen Gesichtspunkten auszuwählen und sie notfalls mit Hilfe von Pestiziden gegen Schädlinge aller Art zu verteidigen. Er nimmt auch sonst kein Blatt vor den Mund, was sein unlängst auf Deutsch bei Klett-Cotta erschienenes Buch „Der englische Gärtner“ umso lesenswerter macht. In allem recht geben muss man ihm ja nicht.

          Manchmal hilft es auch schon, das Gras wachsen zu lassen

          Es stimmt natürlich, dass ein Gärtner wenig ausrichten kann, wenn ringsherum nur Monokulturen von Mais oder Zuckerrüben wachsen. Oder in seiner Nachbarschaft wenig mehr geduldet wird als die unheilige Trias von Carport, Kies und Bambus. Paradoxerweise ist das vor allem auf dem flachen Land der Fall, wo man sich die Natur häufig gern vom Hals hält, weil sie doch viel Dreck und Arbeit macht. Dafür sieht man in der Stadt wieder mehr Artenvielfalt, weil dort auf dem Grün, das trotz massiver Bebauung verblieben ist, wenigstens keine Höchsterträge an Milch, Getreide oder Kartoffeln erwirtschaftet werden müssen.

          Manchmal trägt ein Umdenken auch ganz konkrete Früchte. Seit ein paar meiner Nachbarn dazu übergegangen sind, das Gras wenigstens in Teilen wachsen zu lassen und nicht gleich raspelkurz zu mähen, macht sich das Wiesenschaumkraut breit. Nun sieht man häufiger den hübschen Aurorafalter, der sich vorzugsweise von dessen Nektar ernährt und seine Eier an den Blütenstielen ablegt. Die Raupen fressen ein paar Wochen lang, um sich dann zu verpuppen und zehn Monate später im Frühling erneut als Falter auf der Matte zu stehen. Die Nachbarn und ich haben damit nicht die Welt gerettet. Aber immerhin ein klein wenig bewirkt.

          Man darf nicht vergessen, dass die Natur um uns herum, selbst wenn sie noch so brummt und blüht, längst ein künstlich geschaffener Lebensraum ist. Das heißt aber auch, dass wir es in der Hand haben, was daraus wird. 0,2 Prozent Gartenfläche werden nicht für eine ökologische Wende reichen. Aber wenn bloß jeder zehnte Landwirt mitmacht, sieht die Sache schon anders aus. Man soll die Hoffnung nie aufgeben.

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