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Alles im grünen Bereich : Ein Meister bückt sich nie

Bild: Charlotte Wagner

Wenn man den ganzen Tag im Garten gearbeitet hat, spürt man das Abends im Kreuz. Lässt sich denn da wirklich gar nichts dagegen tun?

          Am 1. Oktober, so wollen es die Vereinten Nationen, begehen wir den Internationalen Tag der älteren Menschen. Schön, dass man auch mal an die denkt, und nicht nur an die jungen Hüpfer. Der ältere Mensch muss nicht alle zehn Sekunden bei Twitter und Facebook nachschauen, um sich zu vergewissern, dass er noch existiert. Das sagt ihm ganz von selbst seine Bandscheibe. Oder seine Arthrose. Oder was er sonst noch an Gebrechen hat. Ein Garten hält in Schwung, heißt es immer. Aber der kann auch zur Herausforderung werden.

          Beispielsweise beim Unkrautjäten. Mit gestreckten Beinen geht das nicht mehr, man muss sich tiefer bücken. Nach kurzer Zeit signalisiert die Wirbelsäule, dass das keine gute Idee ist. Also auf die Knie. Schon werden sie nass. Um dem vorzubeugen, wurden die Knieschoner erfunden. Auf denen robbt man mühsam durch die Gegend und muss sie alle naselang neu fixieren. Es gibt welche, die im Hosenbein integriert sind, doch die halten kaum was ab. Man kann sich stattdessen auf ein Kissen knien oder auf ein Plastikpolster, wie man es von der Rückengymnastik kennt, die im fortgeschrittenen Alter ohnehin angeraten ist. Ganz Ausgeschlafene legen sich bäuchlings auf eine Liege, schaffen dann aber gerade mal einen viertel Quadratmeter, ehe sie das Ding wieder verrücken müssen.

          Für Lahme gibt es immerhin die Schubkarre

          Der Mensch hat zwar von der Grabgabel über den Spaten bis zum Distelstecher Unmengen von Geräten erfunden, welche die Arbeit in aufrechter Haltung erleichtern sollen. Allein die Formenvielfalt der verschiedenen Schlag-, Zieh-, Stoß- und Pendelhacken ist Legion. Aber es hilft alles nichts: Früher oder später muss der Gärtner sich krumm machen. Mit Demut will der Boden bearbeitet sein, nicht mit Brachialgewalt.

          Zu letzterer ist der Pensionär ja auch gar nicht mehr fähig. Das will der Nachbar nicht wahrhaben, noch immer präsentiert er stolz seinen nackten Oberkörper, wenn er buddelt und malocht. Nur manchmal jammert er leise, wenn die Schulter nicht mehr mitspielt. Der andere Nachbar hat daraus die Konsequenz gezogen und sich zum Hypochonder fortgebildet; wenn die Gattin fordert, er möge bitte ein neues Gemüsebeet anlegen, weigert er sich einfach unter Hinweis auf seinen maladen Gesundheitszustand. Mit der Zeit ist ihm sogar die Apfelernte zu mühsam geworden, er kehrt alles auf einen Haufen. Einigermaßen virtuos bedient er nur noch die Schubkarre, die er selbst dann hervorholt, wenn es bloß einen Blumentopf zu bewegen gilt.

          Wenn ich mir selbst nur ein einziges Gartengerät aussuchen dürfte, dann wäre es der sechs Fuß lange Zeichenstab, den der berühmte Landschaftsgärtner Friedrich Ludwig von Sckell in seinen 1818 erschienenen „Beitraegen zur bildenden Gartenkunst für angehende Gartenkünstler und Gartenliebhaber“ abgebildet hat. Hoch erhobenen Hauptes führt der Meister dieses Instrument hinter sich her, wobei er mit starken Schritten der schönen Linie folgt, die ihm seine geübte Einbildungskraft vorgibt und gleichsam vor ihm hinschweben lässt. Zwei Arbeiter schlagen dahinter Pflöcke ein, um den in den Boden geritzten Entwurf der Anlage zu fixieren. Auf diese Weise hat von Sckell immerhin den Englischen Garten in München gestaltet. Er wurde 73 Jahre alt, für die damalige Zeit ein beachtliches Alter. Viel gebückt hat er sich wahrscheinlich nie.

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