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Alles im grünen Bereich : Die Myrte soll es richten

Bild: Charlotte Wagner

Auch wenn Gartencenter uns etwas anderes vorgaukeln, der Buchsbaum stirbt aus. Gibt es Alternativen?

          Eigentlich sollte sich langsam herumgesprochen haben, dass der Buchsbaum im Garten zum Problem geworden ist. Aber ganz so, als sei der Zünsler kein Thema, verramschen die Garten- und Baumärkte nach wie vor palettenweise Buchs und sorgen auf diese Weise dafür, dass der Schädling garantiert noch in den allerletzten Winkel von Mitteleuropa gelangt. Gleichzeitig rücken sie immer mehr Präparate in die Regale, die dem Buchsbaumzünsler angeblich den Garaus machen. Auch Versandhändler lassen sich dieses Geschäft nicht entgehen: „Topbuxus XenTari“ ist so ein Produkt, das als „Bakterium auf biologischer Basis“ angepriesen wird. Seine Wirkung soll sensationell sein: „Wann die Raup von die Blätter esst wird die Bakterie toxisch. Die Raup stoppt in eine Stunde mit Fressen und ist eine Tag später weg.“ Die Raup, schätze ich, wird vor Lachen vom Ast fallen.

          Wer nicht an Wunder glauben mag, sieht sich mit der Frage konfrontiert, was den Buchsbaum ersetzen könnte. Schnittverträglich und immergrün sind diverse Ilex-Arten, doch Stechpalmen haben auch ihre dornige Seite. Eibe lässt sich ebenfalls gut in Form bringen, wächst aber extrem langsam. Vom Liguster gibt es die Zwergform ’Lodense‘, und die Buchsblättrige Berberitze bietet sich schon durch ihren Namen als Alternative an. Jedoch kann keine dieser Pflanzen auf eine ähnlich ehrwürdige Gartentradition zurückblicken wie der echte Buchsbaum, mit dem schon die Römer ihre Beete umrahmt haben. Der botanische Garten der Universität Cambridge besitzt ein Herbarium, das der berühmte britische Botaniker und Mineraloge John Stevens Henslow im 19. Jahrhundert angelegt hat; darin ist ein von Insektenlarven angeknabberter Buchsbaumzweig enthalten, den Henslow in einer zweitausend Jahre alten römischen Grabkammer gefunden hatte. Ganz neu ist das Buchs-problem offenbar nicht. Aber so flächendeckend wie jetzt war es nie.

          Nur eine kann es mit der historischen Aura des Buchsbaums aufnehmen

          Der einzige immergrüne Strauch, der es mit der historischen Aura des Buchsbaums aufnehmen kann, ist die Myrte. Der jüngeren Generation ist der Name wahrscheinlich nur aus J.K. Rowlings Harry-Potter-Geschichten bekannt, in denen die Maulende Myrte eine Mädchentoilette okkupiert hat, die in Wahrheit der Zugang zur Kammer des Schreckens ist, in der ein tödlicher Basilisk haust. Literaturfreunde denken natürlich sofort an Goethes Land, wo die Zitronen blühn, ein sanfter Wind vom Himmel weht, die Myrte still und hoch der Lorbeer steht. Verschwörungstheoretiker wissen außerdem, dass sich an einer bestimmten Stelle im Programm des Computervirus Stuxnet, das vor sieben Jahren in die Steuerungssysteme von Industrieanlagen aus dem Hause Siemens eingeschleust worden war, das Codewort „Myrte“ findet, was eine Anspielung auf das Buch Esther im Alten Testament sein könnte, denn auf Hebräisch heißt das Waisenkind, das später Königin wird, nun mal Hadassa, und das bedeutet nichts anderes als Myrte. Esther gelingt es, einen geplanten jüdischen Genozid in einen Massenmord an den Feinden der Juden umzuwandeln, was schlussendlich beweist, dass Stuxnet vom israelischen Geheimdienst in Zusammenarbeit mit den Amerikanern entwickelt wurde und von Anfang an gegen das iranische Atomwaffenprogramm gerichtet war.

          Ende der Abschweifung. Nächste Woche mehr zur Botanik der Myrte.

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