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Alles im grünen Bereich : Da liegt was in der Luft

Bild: Charlotte Wagner

Wenn es am Himmel ordentlich kracht, sollte man genauer hinhören: Nicht alle Donner sind gleich.

          Gewitter sind da, wo ich wohne, recht selten. Der westlich gelegene Taunus hält sie meistens ab. Aber in diesem Jahr scheint das anders zu sein. Noch war kein schweres darunter, wie ich es vor fünf Jahren in Nordhessen erlebt habe, bei dem drei Frauen auf einem Golfplatz vom Blitz erschlagen wurden. Aber was nicht ist, kann kommen, der Sommer ist noch lang.

          Max Frisch hat in seiner Erzählung „Der Mensch erscheint im Holozän“ die Erscheinungsformen verschiedener Gewitter nach Art ihres Donners vorgenommen. Es ist die grandioseste Beschreibung, die ich kenne. Er unterscheidet darin den einfachen Knall-Donner vom stotternden oder Koller-Donner, der in der Regel nach einer längeren Stille eintritt, sich über die ganze Gegend verteilt und minutenlang dauern kann. Dann ist da der Hall-Donner, schrill wie ein Hammerschlag auf ein loses Blech, der einen schwirrenden und flatternden Hall verbreitet, wobei der Hall lauter ist als der Schlag. Der rollende oder Polter-Donner, vergleichsweise gemütlich, lässt an rollende Bierfässer denken, die gegeneinanderpoltern. Der zischende oder Schotter-Donner beginnt mit einem Zischen, als ob eine Ladung von nassem Schotter ausgeschüttet würde, und endet dumpf. Der Kegel-Donner klingt, als ob ein Kegelhaufen von einer Kugel getroffen und alles auseinandergeschleudert würde. Der zögernde oder Kicher-Donner zeigt an, dass das Gewitter sich bereits verzieht. Der Spreng-Donner folgt unmittelbar nach dem Blitz und weckt die Vorstellung, dass eine ungeheure Masse entzweigesprengt wird; anschließend regnet es in Strömen. Der ächzende oder Latten-Donner ist ein kurzer und heller Krach, als ob man eine Holzlatte zerbricht; er ist in der Regel der erste Donner eines Gewitters. Der Kissen-Donner hat genau den Ton, der zu hören ist, wenn die Hausfrau mit der flachen Hand auf ein Kissen klopft. Der rutschende Donner lässt anfangs einen Polter-Donner oder einen Pauken-Donner erwarten, aber bevor die Fensterscheiben erzittern, verhustet er sich irgendwie. Der kreischende oder Flaschen-Donner gehört zu den unerwarteten, man hat gar keinen Blitz gesehen, plötzlich ein schrilles Geklirr, als ob eine Kiste voll leerer Flaschen über eine Treppe hinunterstürzt. Und schlussendlich der munkelnde Donner – wer hätte ihn nicht schon vernommen?

          Wenn die Vögel verstummen, wird's ernst

          Wenn ein Gewitter in der Luft liegt, kann es sein, dass die Luft vorübergehend zum Stillstand kommt. Dann verstummen schlagartig die Vögel. In solchen Fällen ist es höchste Zeit, sich vom Garten ins Haus zu begeben. Wie häufig es an einem bestimmten Ort gewittert, zeigt der sogenannte keraunische Pegel an, der die Zahl der Gewittertage pro Jahr beschreibt. Aus ihm lässt sich auch die Blitzeinschlagdichte ableiten.

          Die Firma Siemens hat dazu einen Blitzatlas für alle deutschen Städte und Landkreise erstellt . 2015 hat es in Schweinfurt am meisten geblitzt, nämlich 4,5 Mal pro Quadratkilometer. Die Stadt Kiel kam mit 0,18 Blitzen am glimpflichsten davon. Im norddeutschen Flachland gibt es generell die wenigsten Gewitter, die meisten am Alpenrand im Süden und in einem Streifen von Nordrhein-Westfalen nach Sachsen. Die Wetterau, wo ich wohne, liegt mit 0,9 Blitzen pro Jahr und Quadratkilometer ziemlich weit hinten auf Platz 315.

          Quelle: F.A.S.

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