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Alles im grünen Bereich : Da hilft nur noch die Keule

Bild: Charlotte Wagner

Eine Stadt in Südwales ist von Japan-Knöterich überwuchert. Trotz des eigenen Knöterichbeaftragten bekommt sie das Problem nicht in Griff.

          Als die Normannen zu Beginn des zwölften Jahrhunderts Südwales erobert hatten, errichteten sie dort eine Burg, aus der die Stadt Swansea hervorging. Die Burgruine steht heute noch, ist aber nicht besonders beeindruckend. Siebenhundert Jahre danach fand wieder eine Invasion statt. Diesmal kam der Eroberer aus dem Fernen Osten. Swansea gilt mittlerweile als Epizentrum einer Pflanzenplage, hervorgerufen durch den hier schon mehrfach erwähnten japanischen Staudenknöterich. Reporter kommen von weit her, um zu schildern, wie er Häuser und Friedhöfe überwuchert, Hänge emporkriecht und die Dünen am Strand unter sich begräbt. Die Stadt leistet sich sogar einen hauptamtlichen Knöterichbeauftragten, der die Aufgabe hat, die Bekämpfungsmaßnahmen zu koordinieren und die Bevölkerung zu beraten, wie sie den ungebetenen Gast wieder loswerden kann. Ausreißen hilft nicht, nur der beherzte Einsatz chemischer Keulen.

          In Swansea hatte der Knöterich besonders leichtes Spiel, weil die Stadt lange Zeit von der Metallindustrie geprägt war. Nachdem die meisten Betriebe in den siebziger Jahren schließen mussten, blieben gewaltige Abraumhalden zurück. Im Zuge der Stadtsanierung wurden sie abgebaggert und damit auch die Knöterichwurzeln verteilt. Unverhofft tauchte das zähe Gewächs nun an allen möglichen Orten auf und versetzte die Stadt in gelinde Panik. Banken weigerten sich, Kredite für Grundstücke zu vergeben, zu denen sich das Unkraut bereits vorgearbeitet hatte. Die Besitzer mussten Nachweis führen, wie sie das Problem in den Griff zu bekommen gedachten. Die britische Umweltagentur stufte den japanischen Fremdling in die Kategorie Sondermüll ein und rechnete gleich für das ganze Land aus, welche Kosten für seine Beseitigung nötig seien. Heraus kam eine Summe von jährlich 170 Millionen Pfund.

          Außer Glyphosat hat bisher noch nichts geholfen

          Der britische Umweltjournalist Fred Pearce hat nachrecherchiert und hält diese Zahl für völlig aus der Luft gegriffen. Denn die Verhältnisse in Swansea lassen sich nicht so einfach auf andere Gebiete übertragen. Gleichwohl wird das Beispiel immer wieder zitiert. Das Bundesamt für Naturschutz hat selbst eine Hochrechnung erstellt und kommt zu dem Schluss, dass es mehr als zwanzig Millionen Euro kosten könnte, sämtliche Bestände des Japan-Knöterichs in Deutschland zu bekämpfen.

          Schäden richtet er hierzulande vor allem an Uferböschungen an; in Baden-Württemberg etwa sind fünfzig Hektar betroffen, das Unkraut hat sich entlang von Gewässern wie der Kinzig oder dem Lierbach breitgemacht. Man hat versucht, es abzumähen, zu zertrampeln, auszureißen, zu fräsen oder durch Schafe und Ziegen abweiden zu lassen – am wirksamsten erwies sich letztlich das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. In Großbritannien setzt man gewisse Hoffnungen in eine Bekämpfung mit biologischen Mitteln und hat zu diesem Zweck den japanischen Blattfloh Aphalara itadori ausgesetzt, der in seiner Heimat an den Blättern des Knöterichs nagt; noch ist nicht klar, ob er sich langfristig etablieren kann. Ganz Findige haben ein Verfahren zum Patent angemeldet, eine Knöterich-Züchtung mit dem Sortennamen ’Igniscum‘ gezielt als Energiepflanze anzubauen (US PP21304 P3). Ob das in der Praxis funktionieren würde, weiß man nicht, die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen rät dazu, entsprechende Versuche kritisch zu betrachten.

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