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Alles im grünen Bereich : Da fehlt noch was

Bild: Charlotte Wagner

Tut sich im Garten eine Lücke auf, plant der Gärtner sofort, wie er sie füllen kann. Doch sollte er mit seinen Ambitionen hübsch am Boden bleiben.

          Dieser Tage habe ich die Überreste zweier Buchsbäume beseitigt, die der Zünsler auf dem Gewissen hatte. Um an den Stamm zu gelangen, muss man regelrecht hineinkriechen in die Büsche, wobei einem Unmengen von vertrockneten Blättern in die Haare und den Hemdkragen rieseln. Das Umsägen war dann wiederum leichter als erwartet, so hart ist Buchsholz offenbar nicht, wie immer wieder behauptet wird. Anschließend ließ ich von meinem Lieblingsplatz aus den Blick durch den Garten wandern. Und ein Unbehagen stellte sich ein. Da fehlte entschieden was. Logisch natürlich, denn ich hatte ja selbst dafür gesorgt.

          Gartengestaltung strebt schon immer nach Harmonie und Ausgewogenheit. Das muss nicht unbedingt strenge Symmetrie sein wie im Barock. Auch versteht wohl jeder etwas anderes darunter. Einer meiner Nachbarn hat, kaum dass er das jahrelang als Obstwiese genutzte Grundstück übernommen hatte, zwei dicke Bäume fällen und stattdessen ein Loch für einen Swimmingpool ausbaggern lassen. Seitdem sieht es aus wie auf dem Truppenübungsplatz. Ambitionen hat der Mann, das muss man ihm lassen. Fürst Pückler ließ zur Anlegung seiner Landschaftsparks ein ganzes Dorf umsiedeln, Hunderttausende von Kubikmetern Erde bewegen, jahrzehntealte Bäume verpflanzen, einen Teil der Spree umleiten, mit dem Aushub zu einem See zwei Pyramiden bauen und verschleuderte dabei nicht nur sein eigenes, sondern auch noch das Vermögen seiner Frau. Wie weit er seinem Ideal nahegekommen ist, wissen wir nicht.

          Was wäre denn das Ziel? Dass alles bleibt, wie es ist?

          Zufrieden ist man im Garten eigentlich nie. Da mickert die Hortensie, dort will die Rose nicht, dafür legt die blöde Scheinzypresse von Jahr zu Jahr an Umfang und Höhe zu. Der britische Weinkritiker und Gartenkenner Hugh Johnson gibt dazu einen klugen Rat: Schraube die Erwartungen herunter, schon steigt die Erfolgsquote. Und er zitiert den Schriftsteller Robert Louis Stevenson, der das Bonmot geprägt hat, es sei besser, hoffnungsvoll zu reisen, als anzukommen. Was wäre denn das Ziel, das man im Garten erreichen kann? Dass fortan alles bleibt, wie es ist?

          Man sollte vielmehr froh sein, wenn sich unverhofft eine größere Lücke auftut. Es gab mal den Chefredakteur einer großen Publikumszeitschrift, der Entlassungen unerwünschter Mitarbeiter mit dem Satz „Licht und Luft gibt Saft und Kraft“ begleitet hat. Übertragen auf den Abgang meiner Buchsbäume heißt das: Sie waren ohnehin im Wege und warfen zu viel Schatten. Nur aus Respekt vor dem Alter habe ich sie geduldet.

          „Was kommt da jetzt hin?“, fragt der Nachbar. Mal sehen. Erst mal eine kleine Bank. Um die Dinge näher zu betrachten. Schon tun sich neue Perspektiven auf. Die Pfingstrosen zeigen sich voller Zuversicht, nun haben sie endlich den Platz, der ihnen zusteht. Auch der Waldmeister wittert Terrain. Und weil man als Gärtner nie den Hals voll bekommt, habe ich diverse Tüten mit Samen verschiedener Kapuzinerkressen gekauft, die am Zaun ranken sollen.

          Hugh Johnson übrigens hat in seinem Leben Zehntausende Quadratmeter Garten gestaltet und ist vor einiger Zeit in ein Londoner Stadthaus mit einem winzigen Hinterhof gezogen. Dort fängt er noch mal ganz von vorne an (www.tradsdiary.com).

          Quelle: F.A.S.

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