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Alles im grünen Bereich : Bestimmen macht Freude

Bild: Charlotte Wagner

In Deutschland wachsen um die 2500 alte Apfelsorten. Sie alle auseinanderzuhalten, ist selbst für Fachleute eine Herausforderung.

          Unlängst berichteten wir über den „Arctic Apple“, den die kanadische Firma Okanagan Specialty Fruits auf den nordamerikanischen Markt gebracht hat. Mittels Gentechnik hat man ihm die Eigenschaft ausgetrieben, braun anzulaufen, wenn er mit Sauerstoff in Berührung kommt. Der Veterininärmediziner Eberhard Jung schreibt uns dazu: „Ich möchte anmerken, dass wir einen solchen Apfel in Hessen seit ungefähr hundert Jahren haben. Es ist der Heuchelheimer Schneeapfel, eine alte Sorte, gezüchtet von Philip Rinn. Dieser Apfel ist wohlschmeckend, im Anschnitt weiß wie Schnee, und so bleibt er auch. Hervorragend für Obstsalat: Man braucht keinen Zusatz von Zitronensaft wie bei anderen Sorten, um die Apfelstückchen ansehnlich zu halten.“

          Die Baumschule Rinn, ansässig im Gewerbegebiet von Gießen, vertreibt ihn heute noch. Er ist wohl als Zufallssämling entstanden, der Mutterbaum soll auf dem Gelände des Kindergartens in der Wilhelmstraße in Heuchelheim gestanden haben. Das Fruchtfleisch dieser Sorte wird als locker, relativ weich, saftig, aromatisch und schwach duftend beschrieben. Weil der Apfel nicht nur weiß bleibt, sondern auch ein ausgewogenes Verhältnis von Säure und Zucker besitzt, eignet er sich gut, um daraus einen sortenreinen Apfelwein zu keltern.

          Die Freuden eines Apfelkenners

          In Deutschland wachsen angeblich noch um die 2500 alte Apfelsorten. Die alle auseinanderzuhalten erfordert erheblichen Sachverstand. Wer jemals einem Pomologen beim Bestimmen zugesehen hat, bekommt eine Ahnung davon. Wobei sich manchmal leise Zweifel einschleichen, denn erzählen kann er ja viel, wenn der Tag lang ist. Mittelbauchige Frucht? Kelchgrube kraterförmig? Stielgrube feinstrahlig berostet? Kernhauswände bohnenförmig? Das wären weitere typischen Merkmale des Heuchelheimers (es gibt noch etliche mehr).

          Unsereins hat schon Schwierigkeiten, einen Boskop von einem Cox zu unterscheiden. Aber auch Fachleute geraten an Grenzen, wenn es um die sichere Bestimmung von Pflanzenmaterial geht. Der Botanische Garten und das Botanische Museum Berlin haben aus diesem Grund einen Teil ihres 3,8 Millionen Belege umfassenden Herbariums online gestellt. Die Besucher dieser Website sind aufgefordert, Etiketten zu entziffern, die in teils schwer lesbaren Handschriften aus dem 19. Jahrhundert oder gar auf Kyrillisch verfasst sind. Auch gilt es, den genauen Herkunftsort zu identifizieren. Das Projekt läuft seit März 2016 und ist in einzelne Missionen unterteilt.

          Eine davon ist beispielsweise der Pflanzengattung Arenaria gewidmet, auf Deutsch auch Sandkräuter genannt, für die nach Meinung der Experten noch Forschungsbedarf besteht. Den Herbonauten ist es unter anderem gelungen, ein Exemplar von Arenaria serpyllifolia subsp. marschlinsii zu identifizieren, das der Botaniker Rudolf Karl Friedrich von Uechtritz im September 1857 in Südtirol über der Franzenshöhe am heutigen Silfser Joch gesammelt hat. Von Uechtritz galt zu Lebzeiten als einer der besten Kenner der europäischen Flora, litt aber zunehmend an Rheuma. „Wenn ich eine Pflanze, die ich nicht kannte, zu sehen bekam, so fühlte ich mich gesund, obgleich ich sehr krank war.“

          Dies all jenen ins Stammbuch, die partout nicht nachvollziehen können, welche Freude das Bestimmen von Pflanzen mit sich bringen kann.

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