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Wenn es dem Orang zu eng wird: Die negativen Seiten des Ökotourismus

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Dem Orang auf die Pelle rücken

Von JAKOB SIMMANK

16.02.2017 · Als Ökotourist hat man ein gutes Gewissen, schließlich tut man was für die Natur. Wenn es auch noch um bedrohte Menschenaffen geht, ist die Begeisterung groß. Auf Sumatra kann man die Kehrseite dieses Geschäfts besichtigen.

Tausende Touristen fahren jährlich in den kleinen Ort Bukit Lawang, um Orang-Utans zu beobachten. Vom Flughafen Medan, der größten Stadt Sumatras, sind es gerade einmal vier Stunden Fahrt. Vier Stunden, in denen nicht zu übersehen ist, was den rothaarigen Menschenaffen an den Rand des Aussterbens gebracht hat.

Kilometer für Kilometer geht es an Ölpalmen vorbei. Streng aufgereiht stehen sie zu beiden Seiten der Straße. Das Grün ihrer ausladenden Baumkronen ragt in den blauen Himmel. Obwohl die Plantagen zu den ältesten Sumatras gehören, hat der Reichtum nicht Einzug gehalten in die Dörfer entlang des Weges. Sie sind ärmlich, die Behausungen provisorisch. Uralte Lastwagen, bis oben mit den Fruchtstauden der Palmen beladen, neigen sich bedrohlich zur Seite, wenn sie im Schritttempo knietiefe, mit Wasser gefüllte Schlaglöcher durchqueren.

Erst jenseits des Bohorok, der den kleinen Ort Bukit Lawang durchfließt, enden die Plantagen und Dörfer. Hier türmt sich dichter, dunkelgrüner und dampfender Regenwald die Hänge hinauf. Aber gäbe es die Touristen nicht, da sind sich Dorfbewohner und Umweltschützer einig, stünden auch jenseits des Flusses schon längst Ölpalmen.

© Science Photo Library Die Orang-Utans von Bukit Lawang wurden einst ausgewildert.

Die Nachfrage nach Palmöl auf dem Weltmarkt ist kaum zu stillen. Und Indonesien liefert. Die nach Einwohnern drittgrößte Demokratie der Welt, in der jeder Zweite unter dreißig ist, kämpft nach langen Jahren der Militärdiktatur noch immer mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. 2013 lebte mehr als jeder zehnte Indonesier in absoluter Armut. Da verwundert es nicht, dass die natürlichen Ressourcen geplündert werden, wo es nur geht. Zwischen 1985 und 2007 verschwand die Hälfte des Regenwaldes auf Sumatra von der Karte. Der Wald musste Palmöl- und Kautschukplantagen oder der Papierproduktion und Reisfeldern weichen. Ein Gutteil der anhaltenden Rodungen geschieht nach wie vor illegal und innerhalb von Nationalpark-Grenzen.

Häufig wird der Wald dabei nicht gefällt, sondern brandgerodet. Mehr als hunderttausend Waldbrände gab es allein 2015 in Indonesien. Dabei wurden so viel Treibhausgase, vor allem Kohlendioxid, in die Atmosphäre geblasen, dass die Emissionen Indonesiens an einigen Tagen sogar die der Vereinigten Staaten von Amerika überstiegen. Die Weltbank rechnet damit, dass durch die Waldbrände im Jahr 2015 mehr als 16 Milliarden Dollar ökonomischer Schaden entstanden sind, ironischerweise deutlich mehr, als die Palmölindustrie erwirtschaftet.

Besonders schmutzig wird es, wenn die küstennahen Torfmoorwälder, die man vor allem auf Sumatra, Kalimantan und Papua findet, trockengelegt und angezündet werden. Dann wird bis zu hundertmal so viel Kohlendioxid freigesetzt wie bei anderen Waldbränden, denn ähnlich wie die Permafrostböden der Arktis und Antarktis sind die Moore immense Kohlenstoffspeicher. Dabei ist der Erhalt der Torfmoorwälder nicht nur für das Weltklima wichtig. In ihnen leben auch die Orang-Utans, an keinem anderen Ort der Welt so dicht an dicht wie hier.

Für den Sumatra-Orang-Utan wird es in Anbetracht der Abholzung langsam eng, sein Lebensraum schwindet zusehends. Schon seit 2000 findet er sich auf der Roten Liste der gefährdeten Arten wieder, die die Weltnaturschutzunion (IUCN) veröffentlicht, und gilt als akut vom Aussterben bedroht. Auch jenseits von Sumatra ist der Orang-Utan, der einst den gesamten südasiatischen Raum von Java bis Südchina und weiter bis Nordindien besiedelte, weitgehend ausgestorben. Nur noch auf Borneo findet man ihn, doch auch dort gilt er seit letztem Jahr laut Roter Liste als akut vom Aussterben bedroht.

  • © Science Photo Library Weil sie täglich von Touristen besucht werden, sind sie halb zahm geblieben.
  • © Science Photo Library Sie kennen keine Scheu, die Besucher kaum Rücksicht.

Nach einer Schätzung von Primatenforschern, die vor kurzem in Science Advances erschien, gibt es noch etwa 14.000 wilde Orang-Utans auf Sumatra. Ein überraschendes Ergebnis, denn noch 2008 war man nur von 6600 Exemplaren ausgegangen. Hjalmar Kühl, Juniorprofessor am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig und Mitautor des Artikels, führt das darauf zurück, dass die neueren Daten deutlich weniger Lücken aufweisen. Die Gebiete, in denen der Orang-Utan lebt, sind größer als angenommen. Das gilt vor allem für höher gelegene Bergregionen, die den Menschenaffen als Refugium dienen. Grund zur Entwarnung sei das jedoch nicht, betont Hjalmar Kühl: „Wir müssen trotzdem davon ausgehen, dass im Zeitraum seit der letzten Erhebung die Zahl der Affen erheblich zurückgegangen ist.“

Was dabei helfen könnte, diesen Trend zu verlangsamen, ist der Ökotourismus. Das sagt zumindest Ralf Buckley, Professor an der Universität Griffith in Australien. In einer im vergangenen Jahr in Plos One erschienenen Studie ist er der Frage nachgegangen, bei welchen vor dem Aussterben bedrohten Tierarten der Tourismus eine wichtige Rolle spielen konnte. Immerhin bringt er Geld in die Kassen: „Weltweit kommen bis zu zwei Drittel der Ausgaben für den Schutz bedrohter Arten aus dem Tourismus, für Nationalparkbehörden sind es sogar noch mehr. Dadurch kann viel Lebensraum gesichert werden.“ Außerdem schaffe der Tourismus Arbeitsplätze und ein Bewusstsein dafür, dass die Natur erhalten werden sollte – als Einnahmequelle, aber auch, weil sie einen intrinsischen Wert besitzt. Gleichzeitig müsse man sich jedoch auch die negativen Folgen vor Augen halten: Touristen dringen in den ohnehin schon bedrohten Lebensraum von Tieren ein und stören sie beim Brüten, bei der Paarung und bei der Nahrungssuche. Außerdem können sie in manchen Fällen Krankheiten übertragen.

All diese möglichen Einflüsse hat Buckley in eine Computeranalyse eingespeist. Das Ergebnis: Manche Tierarten, wie zum Beispiel der Neuseeländische Seelöwe, leiden darunter, dass viele Touristen sie sehen wollen. Der Orang-Utan auf Sumatra aber, so Buckley, „könnte enorm von einem Anstieg eines nachhaltigen Tourismus profitieren“.

In Bukit Lawang scheint tatsächlich der Großteil der Menschen davon zu leben. Adi ist einer von ihnen. Früher hat er auf einer Kautschukplantage gearbeitet, seit fünf Jahren führt er Touristen zu den Orang-Utans auf der anderen Seite des Flusses. „Wir müssen die Orang-Utans schützen, denn wenn sie weg sind, habe ich keinen Job mehr“, sagt er in einfachem Englisch. Seine geführte Tour beginnt mit der Überquerung des reißenden Bohorok. Direkt am anderen Flussufer beginnt der Urwald. Schon nach ein paar steilen Metern ist die ehemalige Orang-Utan-Fütterungsplattform erreicht. Sie ist unscheinbar, nicht viel mehr als ein Käfig im Wald. Die zehn Meter entfernte, überdachte Besucherplattform wird bereits von Bäumen überwuchert.

© Picture-Alliance Der enge Kontakt zum Menschen kann für Orang-Utans tödlich werden. Krankheiten wie Durchfall, Hepatitis oder Tuberkulose sind allzu leicht übertragbar.

Die Anlage ist Teil des Rehabilitationszentrums, das die Schweizerin Regina Frey, damals Biologiestudentin, 1973 im Namen des World Wildlife Fund (WWF) gegründet hatte. Orang-Utans, die verwundet oder aus ihrem Wald vertrieben worden waren oder die bereits als kleine Kinder gefangen und als Haustier gehalten wurden, wurden hier aufgepäppelt und anschließend wieder ausgewildert. 1995 wurde diese Arbeit in Bukit Lawang eingestellt, denn weder die alte Anlage noch die Praxis, Affen dort auszuwildern, wo bereits wilde Artgenossen leben, entsprach noch den Standards der Zeit. Die Fütterungen jedoch wurden bis Ende 2015 weitergeführt. Seit den 1990er Jahren entwickelten sie sich zu einer wahren Attraktion.

In der Hochsaison kommen täglich mehrere hundert Touristen nach Bukit Lawang. Die ausgewilderten Orang-Utans sind bis heute besonders zutraulich und an den Menschen gewöhnt. Während sich wilde Orang-Utans meist gar nicht für Menschen interessieren und oft nur als rote Schatten in den Baumkronen zu erkennen sind, kommen die Orang-Utans hier den Menschen besonders nahe.

Nach einer schweißtreibenden Wanderung durch den dunkelgrünen, schattigen Bergurwald serviert Adi zum Mittag gebratenen Reis aus seinem Rucksack. Auf den massiven Wurzeln eines Baumgiganten sitzend, hat man einen atemberaubenden Blick über den Nationalpark. Tiefe Täler und spitze Bergrücken so weit das Auge reicht. Einziges Manko: Überall liegen Bananenschalen und Gurkenreste herum, die andere Touristen hinterlassen haben.

Irgendwann wird Adi unruhig. Hastig wird das Picknick eingepackt, und es geht weiter. Der Grund: Mena wurde in der Nähe gesehen. Das Orang-Utan-Weibchen, das unter diesem Namen in Bukit Lawang ausgewildert wurde, ist weithin bekannt. Dafür, dass sie Touristen und Führer so lange drangsaliert, bis sie bekommt, was sie will: Bananen. Und schon fünf Minuten später ist sie wirklich da. Ihr rotes Fell blitzt zwischen den Baumstämmen hervor, Adi gibt Anweisungen: „Dort rüber! Nicht zu nahe kommen! Warten!“ Damit sie sich nicht auf die Rucksäcke der Touristen stürzt, füttert ein anderer Führer sie mit den gewünschten Bananen. Mit einer Hand hängt sie in einem Baum kurz über dem Boden. Die andere Hand streckt sie fordernd aus. Wenn sie nichts bekommt, erklärt Adi, krallt sie sich an Touristen fest und lässt nicht mehr los. Hundert Menschen soll sie schon gebissen haben – auch Adi selbst.

Wir stapfen voran durch den Dschungel. Von Zeit zu Zeit tauchen weitere Orang-Utans auf, mal ganz in der Nähe, mal hoch in den Bäumen. Meist ist dann irgendeine Reisegruppe schnell zur Stelle, die Kameras fest im Anschlag. Als ein großes Orang-Utan-Männchen, von den Einheimischen Baba genannt, den Weg überquert und einem Weibchen durch die Bäume hinterherschwingt, fängt ein Touristenführer plötzlich an, ihm wie ein Verrückter hinterherzujagen. Zwei junge Frauen fangen an zu kichern, andere Touristen schauen fassungslos. Niemand scheint zu wissen, was der Führer vorhat; vielleicht will er einfach nur die Mädchen beeindrucken. Im Sinne des Tierschutzes ist das jedenfalls nicht.

„Sicherlich hat der Tourismus zum Erhalt des Waldes beigetragen. Aber die Orang-Utan-Population um Bukit Lawang leidet unter ihm“, sagt Ian Singleton. Der Biologe kam 1996 aus England nach Indonesien, um seine Doktorarbeit über das Sozialverhalten von Orang-Utans zu schreiben. Heute ist er wissenschaftlicher Leiter der Nichtregierungsorganisation Sumatran Orangutan Conservation Programme (SOCP), die in Medan sitzt und unter anderem zwei moderne Rehabilitationszentren für Orang-Utans auf Sumatra betreibt. Das SOCP bekommt sein Geld wiederum von PanEco, einer Stiftung, die Regina Frey gegründet hat.

  • © ddp Images Mit nachhaltigem Schutz hat das nichts zu tun.
  • © Jakob Simmank Nur mit hemmungslosem Gewinn.

Singleton findet kaum gute Worte über den Tourismus in Bukit Lawang. „Mena und einige andere Affen sind systematisch darauf trainiert worden, Touristen anzugreifen. Sie wurden dafür mit Futter quasi belohnt, das ist klassische Konditionierung“, sagt er. Singleton selbst hat das Kapitel zum Sumatra-Orang-Utan in der IUCN-Best-Practice-Leitlinie für den Menschenaffen-Tourismus geschrieben. Wer das liest, stellt fest, wie haarsträubend das Verhalten der Führer und Touristen in Bukit Lawang ist. Schonzeiten von zwanzig Tagen im Monat und drei Monaten im Jahr werden genauso wenig eingehalten wie ein Mindestabstand von sieben bis zehn Metern zu den Affen. Speisereste werden im Wald liegengelassen, und in der Hauptsaison strömen ohnehin viel zu viele Touristen auf einmal in den Wald. Das alles bedeutet großen Stress für die Tiere und erhöht dazu noch die Wahrscheinlichkeit, dass Krankheiten übertragen werden.

Diese Gefahr kann nicht ernst genug genommen werden. Der Organismus eines Orang-Utans gleicht dem eines Menschen so sehr, dass viele menschliche Erkrankungen auch für den Affen eine Bedrohung darstellen. Das können zum Beispiel Hepatitis, Tuberkulose und Viren sein, die Atemwegserkrankungen auslösen. Wenn diese dann von Tier zu Tier und von der ausgewilderten, halbwilden Population um Bukit Lawang auf wilde Tiere tiefer im Nationalpark übertragen werden, droht im schlimmsten Fall ein Massensterben.

Das SOCP, schreibt Singleton in einem Bericht, habe schon mehrmals mit Tierärzten zur Stelle sein müssen, weil Orang-Utans akut erkrankt waren. Der häufigste Grund waren durch Amöben verursachte Durchfälle. Die Amöben, sagt Singleton, stammen wahrscheinlich von Touristen und den Fäkalien und dem Müll, den sie hinterlassen. Derartige Beobachtungen decken sich gut mit einer Vielzahl an Studien aus der ganzen Welt, die zeigen, dass Menschenaffen in Tourismusregionen besonders viele Parasiten haben. Andere Studien legen sogar den Schluss nahe, dass Menschen Epidemien mit vielen Todesopfern ausgelöst haben. In Tansania starben viele Schimpansen an einem humanen Atemwegsvirus, und Schätzungen zufolge könnten mehrere tausend Gorillas in Gabun und Kongo dem Ebola-Virus zum Opfer gefallen sein.

Im Dorf Bukit Lawang herrscht trotz alldem gute Stimmung. Viele Dorfbewohner tragen T-Shirts, auf denen ein Orang-Utan-Kopf prangt, darunter steht: „Save the Orangutan“. In den unzähligen Herbergen am Fluss läuft Bob Marley, Schnitzereien und Naturschmuck werden verkauft. Es ist so, als wolle man von den Auswirkungen des rücksichtslosen Tourismus nichts wissen.

Einzige Ausnahme scheint die EcoLodge zu sein, die sich dem nachhaltigen Tourismus verschrieben hat. Ihr Restaurant steht auf der anderen Seite des Flusses auf einer Anhöhe. Die luftige Konstruktion, entworfen von einem Schweizer Architekten, ist einem Schiffsbug nachempfunden. Sie ist gänzlich aus schnell nachwachsendem Bambus gebaut. Im Restaurant gibt es Gemüse von der Ökofarm, auf der Bauern aus der Umgebung biologische Landwirtschaft lernen können. „Wir wollen die anderen Menschen im Dorf inspirieren“, sagt Bobi Chandra, der Leiter der Eco-Lodge. „Wir arbeiten mit sehr gut geschulten Guides zusammen, und zwischen Juli und September, beim großen Touristenansturm, empfehlen wir unseren Gästen, keine Touren in den Dschungel zu unternehmen.“

© F.A.Z.-Karte sie. Nirgendwo leben Orang-Utans so zahlreich wie im Gunung-Leuser-Nationalpark auf Sumatra.

Tatsächlich ist es gar nicht so leicht, in Bukit Lawang einen kompetenten Touristenführer zu finden. Den meisten mangelt es an grundlegendem Wissen über Flora und Fauna. Und neben den katastrophalen Fehlern im Umgang mit den Orang-Utans gibt es immer wieder Berichte von sexuellen Übergriffen auf Frauen während der Dschungeltouren. Das lokale Büro der indonesischen Vereinigung für Touristenführer, das die Ausbildung übernimmt, hat diesbezüglich allerdings kein Problembewusstsein. Es laufe doch alles gut, systematisches Fehlverhalten gebe es nicht und eine bessere Ausbildung brauche es auch nicht, erklärt der Leiter auf Nachfrage.

Auch die hoffnungslos unterbesetzte Nationalparkbehörde interveniert nicht angesichts der haarsträubenden Praktiken der diversen Anbieter. Auf Anfrage will sich der Leiter des Nationalparks nicht dazu äußern, ob es Pläne gäbe, die Touristenführerausbildung zu übernehmen. Genauso wenig interessiert ihn die Frage, ob es nicht besser sei, Schonzeiten für den Orang-Utan einzuhalten oder die Besucherzahl zu begrenzen.

So bleibt Bukit Lawang weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Es ist kaum vorstellbar, dass ein erhöhtes Tourismusaufkommen hier jemals dem Orang-Utan zum Vorteil gereichen soll. Denn dafür ist das alles zu schlecht organisiert. Dabei gibt es genügend Vorbilder. Uganda zum Beispiel, wo der Ökotourismus rund um den vom Aussterben bedrohten Berggorilla wichtiger Bestandteil seines Schutzes ist. Dort ist das Geschäft von vornherein sorgfältig geplant worden: Vom Nationalpark geschulte Führer kümmern sich hier um eine äußerst limitierte und vor allem gut bezahlende Gruppe von Besuchern.

Die vielleicht größte Chance, sich auf ähnlich vorbildliche Weise zu entwickeln, hat Bukit Lawang 2003 verpasst. In einer verheerenden Sturzflut riss der Bohorok das halbe Dorf mit, mehr als zweihundert Menschen starben. Die Dorfbewohner mussten nach dieser Tragödie komplett von vorne beginnen. Sie hätten sich dafür entscheiden können, aus ihrem Ort einen Ökotourismus-Standort erster Klasse zu machen. Das Schutzgebiet, in dem Orang-Utans, Tiger, Nashörner und Elefanten koexistieren, ist dafür so geeignet wie kaum ein anderer Ort der Welt. Stattdessen wuchs der Tourismus in Bukit Lawang unkontrolliert. Heute versucht jeder nur noch, so viel wie möglich aus den Orang-Utans herauszuholen, die Regierung hat es gründlich verpasst, dem Tourismus Schranken zu setzen. Bukit Lawang ist kein Ort, an den man mit reinem Ökogewissen reisen kann.

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Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 13.02.2017 15:42 Uhr