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Zwei Jahre nach Olympia : Dabei sein war alles in Peking

Zwei Jahre nach Olympia: Kletterpflanzen überwuchern an einem Verwaltungsgebäude in Peking die Erinnerung an das große Sportspektakel Bild: Christian Geinitz

Zwei Jahre nach den Olympischen Spielen machen sich Pekings halbleere Sportstätten als Veranstaltungshallen gegenseitig Konkurrenz. Immerhin bleibt der größte Stadtpark der Welt, U-Bahnen und manche Touristenattraktion.

          Chinas Goldnest liegt nur wenige hundert Meter vom Vogelnest entfernt. Während die volkstümliche Bezeichnung für das Olympiastadion mit der Korbhülle überall in der Welt seit zwei Jahren ein Begriff ist, kennen selbst viele Pekinger den Spitznamen für ihre olympische Turnarena nicht. Dabei hätten sie eigentlich mehr Grund zum Stolz auf die geschlossene Sportstätte als auf die offene.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          China, das 2008 bei den olympischen Wettkämpfen im eigenen Land erstmals den Medaillenspiegel anführte, errang in seinem Nationalstadion nicht eine einzige Goldmedaille. Im nordwestlich davon gelegenen „Indoor Stadium“ gab es dagegen gleich elf. „Wir haben schon immer weniger Werbung gemacht als das Vogelnest“, sagt Zhao Yan, die stellvertretende Geschäftsführerin der Eigentümer- und Betreibergesellschaft Guoao Investment. „Trotzdem sind wir mindestens genauso erfolgreich.“

          Zhao bezieht die Aussage sowohl auf die Triumphe in den Turn- und Trampolinausscheidungen vor zwei Jahren als auch auf die Nachnutzung. Die Halle mit den 20.000 Sitzplätzen lasse sich zu großen und kleinen Einheiten umbauen und besser vermarkten als das fast fünfmal so große Stadion. „Das kommt im Markt gut an, bis Jahresende sind wir ausgebucht.“ Jedes Jahr gebe es zwei Dutzend Veranstaltungen, die zusammen gut 14 Millionen Yuan einbrächten (1,6 Millionen Euro). Der laufende Betrieb könne damit allemal gedeckt werden, versichert Zhao. Ob das auch für die Baukosten von knapp 1,3 Milliarden Yuan (148 Millionen Euro) gilt, vermag sie nicht zu sagen.

          „Es gibt zu viel Konkurrenz unter den ehemaligen Olympiastätten”: Kürzlich trat Chinas Nationalmannschaft im Vogelnest an - und nicht im Basketballstadion

          Widersprüchlich sind die Informationen zum benachbarten Nationalstadion, in das 3,6 Milliarden Yuan (409 Millionen Euro) geflossen sind. Eine Sprecherin beziffert den Unterhalt auf 100 Millionen Yuan (11,4 Millionen Euro) im Jahr und zeigt sich zuversichtlich, die Bau- und Finanzierungskosten in 30 Jahren wieder einzuspielen.

          Einige Nachnutzungen sind tatsächlich geglückt

          Wang Chun, Direktor der Olympiapark-Verwaltung, nennt dagegen jährliche Kosten von 30 Millionen Dollar, fast 204 Millionen Yuan. Er räumt auch mit dem Mythos auf, dass das Stadion jeden Tag von bis zu 20.000 Besuchern besichtigt werde, die 50 Yuan (5,70 Euro) dafür zahlten. Gegenwärtig kämen nur etwa 6000 Personen, 2009 seien es durchschnittlich 10.000 gewesen. „Die Leute erzählen sich, dass das Stadion von außen interessanter ist als von innen“, sagt Wang und zuckt die Schultern. „Viele machen draußen ihr Foto und sparen das Eintrittsgeld.“

          Zwei Jahre nach den Wettkämpfen geben die Olympiastätten in Peking ein sehr unterschiedliches Bild ab. Einige Nachnutzungen sind tatsächlich geglückt. Die kleineren, auf den Universitätsgeländen errichteten Hallen und Plätze werden von den Hochschulen unterhalten und von Studenten genutzt. Viele Wohnungen des Olympischen Dorfes für die Unterbringung der Athleten waren im Zuge des andauernden Aufschwungs auf dem chinesischen Immobilienmarkt schon vor den Spielen verkauft worden.

          Verlassene Plätze und Zuwege

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