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Zuschläge für Spitzenmanager Wall Street hofft trotz Finanzkrise auf Boni

07.11.2008 ·  Auch in Zeiten der Finanzkrise sollen hohe Bonuszahlungen Spitzenmanager an die Unternehmen binden. Die Gehaltszuschläge für Investmentbanker könnten jedoch angesichts der ökonomischen Lage zu öffentlichem Aufschrei führen.

Von Norbert Kuls
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Für die Banker an der Wall Street gibt es am Ende dieses Jahres eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Es wird trotz der schweren Finanzkrise offenbar weiter Bonuszahlungen geben. Die schlechte: Die Höhe der Zuschläge wird im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 20 bis 50 Prozent niedriger ausfallen. Das prognostizieren die Personalberatungsgesellschaften Options Group und Johnson Associates auf der Basis von Umfragen und den Veröffentlichungen von Banken und Wertpapierhäusern im dritten Quartal. „Es wird nicht schön werden“, sagte Michael Karp, der Vorstandschef der Options Group. Am schlimmsten wird es demnach die Mitarbeiter in den Sparten treffen, die von der Kreditkrise am stärksten betroffen wurden, etwa Hypothekenanleihen oder sogenannte strukturierte Produkte.

Darunter versteht man komplexe Anleihen, die teilweise mit zweitklassigen Hypotheken hinterlegt sind. In Bereichen wie der Vermögensverwaltung oder der Anlageberatung für Privatkunden, die relativ stabil geblieben sind, werden die Gehaltszuschläge nicht ganz so stark zurückgehen. Aus Sicht von Durchschnittsverdienern dürfte die Gesamtvergütung von Managern selbst in den Krisensparten immer noch astronomisch erscheinen. Die Options Group beziffert den erwarteten Bonus für einen hochrangigen Angestellten (Managing Director) im Bereich strukturierte Anleihen trotz eines Rückgangs von 50 Prozent immer noch auf 750.000 bis 950.000 Dollar. Dazu kommt ein Basisgehalt von rund 200.000 Dollar. Angestellte mit nur etwa drei Jahren Berufserfahrung (Vice President) dürften immerhin noch auf einen Bonus von bis zu 250.000 Dollar kommen. Insgesamt liegt deren Vergütung dann bei maximal 400.000 Dollar.

Bonuszahlungen sollen Manager an das Unternehmen binden

In Bereichen wie dem Rohstoffhandel, wo Preise erst gestiegen und dann gefallen waren, rechnet die Options Group für einen Managing Director mit einen Rückgang des Zuschlags um 25 Prozent. Das entspräche immer noch einer Summe von 3,5 bis 4 Millionen Dollar. Es wird zudem Banker geben, die gar keine Einbußen haben. „Wichtige Manager werden mit demselben Bonus bei der Firma gehalten, den sie im vergangenen Jahr erhielten“, sagt Robert Sloan, der die amerikanische Finanzdienstleistersparte bei der Personalberatung Egon Zehnder leitet.

In der Regel zahlen Banken wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley rund die Hälfte ihrer Einkünfte als Bonus aus. Der wachsende politische Druck wegen der jüngsten Kapitalspritzen der Regierung dürfte allerdings dazu führen, dass die Banken „die Zahlen runterkurbeln“, sagt Karp. Die neun größten amerikanischen Banken, an denen sich die Regierung mit insgesamt 125 Milliarden Dollar beteiligt hat, haben bereits freiwillig versichert, dieses von Steuerzahlern aufgebrachte Kapital nicht für Bonuszahlungen zu verwenden. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo hatte die Banken zuvor schriftlich gewarnt, dass der Gebrauch von Regierungsgeldern für Bonuszahlungen möglicherweise illegal sei. Cuomo hat von den Banken Informationen über die kommende Bonusrunde angefordert.

Die Boni für Vorstandschefs und andere Spitzenmanager, die börsennotierte Banken veröffentlichen müssen, dürften nach Schätzungen von Johnson Associates um bis zu 70 Prozent fallen. In einem Interview mit der „New York Times“ deutete Cuomo an, dass diese Einbußen angesichts der von den Investmenthäusern mitverantworteten Finanzkrise nicht ausreichen. „Wie kann man angesichts der ökonomischen Lage überhaupt einen leistungsabhängigen Bonus rechtfertigen?“, fragte Cuomo. Die neun größten Banken, zu denen Citigroup, J.-P.-Morgan Chase, Goldman Sachs und Morgan Stanley gehören, haben insgesamt 80 Milliarden Dollar für die Gesamtvergütung ihrer Mitarbeiter beiseite gelegt. Allein die angeschlagene und verlustreiche Investmentbank Merrill Lynch, die von der Bank of America übernommen wird, hat rund 6,7 Milliarden Dollar für Gehaltszuschläge reserviert. Das entspricht im Durchschnitt 110.000 Dollar je Mitarbeiter - mehr als im vergangenen Jahr, weil Merrill inzwischen mehr als 3000 Angestellte entlassen hat.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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