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Wirtschaft in der Schule : Keine Angst vor Unternehmen

Wenn Fachleute aus der Wirtschaft vor der Klasse stehen, ist das manchmal heikel. Doch manchmal macht es die Schüler auch schlauer.

          Schulen und Unternehmen – das sind Orte, an denen unterschiedliche Gesetze gelten. Überspitzt formuliert, geht es in der Schule um Bildung, in Unternehmen um Umsatz und Gewinn. Doch es gibt Berührungspunkte. Der Wirtschaft ist an guter Bildung gelegen, denn sie ist auf kreative und innovative Mitarbeiter angewiesen. Und Schüler können im Kontakt mit der Wirtschaft viel lernen: Sie können ökonomische Zusammenhänge besser verstehen lernen und wertvolle Einblicke in die Arbeitswelt gewinnen.

          Lisa     Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          Wirtschaft und Schule sollten also näher zusammenrücken – oder? Da kommen Sorgen auf: Wenn es Unternehmen vor allem um Umsatz und Gewinn geht, werden sie dann nicht versuchen, Schüler und Lehrer zu vereinnahmen, um ihren ökonomischen Erfolg zu befördern? Dies sei unausweichlich, glauben kapitalismuskritische Zeitgenossen – und vermitteln den Eindruck, überall schmuggelten sich gefährliche wirtschaftliche Mächte in die Schulen, einzig um Lehrer und Schüler zu manipulieren. Von Gewerkschaften, Umwelt- und Verbraucherschützern würden sie das hingegen nicht annehmen.

          Mit der Klasse in den Supermarkt

          Sicherlich: Unternehmen verfolgen eigene Interessen. Und wenn sie auf schlecht vorbereitete Schulleiter oder Lehrer treffen, dann kann die Schule auch ein Einfallstor für Werbung und Lobbyismus sein. Folgt daraus die Forderung, die Wirtschaft von den Schulen fernzuhalten? Natürlich nicht. Sind nämlich in den Schulen Pädagogen am Werk, die eine genaue Vorstellung davon haben, was sie ihren Schüler beibringen wollen, dann machen Kooperationen und Begegnungen mit der Wirtschaft die Schüler schlauer.

          Ein Beispiel ist die Exkursion in einen Supermarkt. Den kann man einfach mal besuchen und schauen, was dabei herauskommt. Man kann den Besuch aber auch vereinbaren, weil man zum Beispiel wissen will, nach welchen Prinzipien ein Supermarkt aufgebaut ist. Der Ausflug dient dann als wichtiges Beispiel zum Thema Vermarktung und wird von einer kompetenten Lehrkraft im Nachhinein noch mal ausführlich besprochen und eingeordnet werden.

          Kompetente Lehrer auf Augenhöhe

          Ein anderes Beispiel: Nicht selten besuchen Fachleute aus der Finanzbranche Schulen und informieren über Finanzmärkte im Allgemeinen und im Speziellen, also auch über Finanzprodukte. Schulen nehmen solche Angebote gerne an, weil die Schüler ein großes Bedürfnis haben, mehr über Finanzthemen zu lernen; schließlich bekommen sie mit, welche große Rolle diese in der wirklichen Welt inzwischen spielen. Problematisch ist, wenn es auch ein großes Bedürfnis des betreuenden Lehrers ist, darüber mal etwas zu erfahren. Dann besteht die Gefahr, dass der Externe unentdeckt Lobbyarbeit betreiben kann, was nicht heißt, dass er es auch tun wird. Viel besser wäre es so: Der Lehrer kennt sich in diesen Themen aus, unterrichtet sie selbst und holt, wenn er es für sinnvoll hält, Fachleute aus der Finanzbranche in den Unterricht, die den Stoff noch mal veranschaulichen. Die gut informierten Schüler können dann auch zielgenaue und kritische Fragen stellen.

          Es gibt unzählige weitere Beispiele dafür, wie Lehrer die Expertise von Wirtschaftsleuten für ihren Unterricht fruchtbar machen können. Darauf sollten sie nicht verzichten – Wirtschaftsbildung ist Allgemeinbildung und wichtiger denn je, und Anschauungslernen in der Praxis eine hochwirksame Ergänzung des theoretischen Unterrichts. Doch wird man in allen Fällen zu dem Schluss kommen, dass es Lehrer braucht, die sich auskennen und wissen, was sie wofür wollen. Dann ergeben sich Partnerschaften auf Augenhöhe; die Wirtschaft kann nicht in die Schule „einfallen“ und manipulieren. Beste Voraussetzungen haben Lehrkräfte mit einer soliden ökonomischen Bildung.

          Schulen müssen abwägen

          Besonders heikel ist, wenn Unternehmen Schulen materiell unterstützen. Dass Schulen ein Ort der Bildung und kein Marktplatz für Unternehmen sind, darüber dürfte große Einigkeit bestehen. Werbung unter dem Deckmantel des Sponsoring ist deshalb ein Problem. Schreibblöcke mit Markenlogos oder Sport- und Spielwettbewerbe, die letztlich nur dazu dienen, an die Schüler als Konsumenten heranzukommen, stoßen zu Recht auf Ablehnung, auch wenn man nicht gleich in Hysterie verfallen muss, wenn dies einmal passiert.

          Angemessener ist es, im Einzelfall mit kühlem Kopf zu entscheiden. Wenn die Schüler richtig etwas davon haben und die Produkte des Unternehmens nicht in den Vordergrund treten, dann ist Sponsoring sinnvoll. Wenn zum Beispiel eine Schule die Laborräume eines Chemieunternehmens nutzen kann oder ein Betrieb Bewerbungstrainings für Schüler der Abschlussklassen veranstaltet. Es gibt freilich auch Grenzfälle: Der Musikhersteller stattet die Musikklasse aus, der Computerhersteller die Notebook-klasse. Existiert ein gutes didaktisches Konzept, dann dient das der Bildung, aber natürlich ist auch Produktwerbung damit verbunden. Da gilt es abzuwägen und klug vorzugehen. Wichtig ist auch hier, dass sich die Schule über ihre Bildungsziele im Klaren ist und das Heft des Handelns in der Hand behält.

          Quelle: F.A.Z.

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