Der Ursprung der modernen Bank findet sich im Italien des späten Mittelalters in Gestalt der Finanzierung des Getreidehandels, oder verallgemeinernd ausgedrückt, in der langfristigen und partnerschaftlichen Begleitung von Unternehmen. Mit der Entwicklung der Finanzmärkte, der Technologie und der Kommunikationsmittel haben sich die Beziehungen zwischen Banken und Unternehmen intensiviert: Neben die Kreditvergabe sind unter anderem Geschäfte an Wertpapier- und Devisenmärkten sowie Beratungsdienstleistungen getreten. Für diese Art des durchaus erdverbundenen, weil an Kunden aus der Realwirtschaft orientierten Bankgeschäfts hatte sich vor allem in der englischsprachigen Welt der anerkennend gemeinte Begriff „Merchant Banking“ etabliert, bis er vom breiter gefassten Investmentbanking verdrängt wurde. Die Zukunft des Investmentbankings liegt jedoch in der Hinwendung zu einem von einer starken Eigenkapitalbasis getragenen und risikobewussten Merchant Banking.
Der Unterschied ist hauptsächlich eine Frage der Mentalität. Der quecksilbrige Händler, der lediglich im Tagesrhythmus denkt und agiert und herablassend auf die ihm völlig fremden Kollegen aus anderen Sparten des Bankgeschäfts herabblickt, hat mit einem wohlverstandenen Merchant Banking ebenso wenig zu tun wie die berühmten „Rainmaker“, die bei Geschäften mit Unternehmen weniger an den Nutzen für den Kunden denken, sondern vor allem an ihren Bonus. Eine Merchant Bank ist auch keine Ansammlung von Söldnertrupps, die in der Ausplünderung ihrer Arbeitgeber und von deren Aktionären brillieren. Die Transformation eines egozentrischen, an der kurzfristigen Maximierung von Gewinn und Boni orientierten Investmentbankings in ein kundenorientiertes, längerfristig ausgerichtetes Merchant Banking ist nicht alleine eine Frage von Regulierungen. Sie muss in den Banken gelebt werden, wenn sie erfolgreich verlaufen soll. Hierin liegt eine wesentliche Führungsaufgabe.
Falsche Honorierung
Daraus folgt aber auch: Kapitalmarktgeschäfte sind nicht per Definition verwerflich. Gut funktionierende Kapitalmärkte erfüllen im Gegenteil eine für moderne Volkswirtschaften grundlegende Funktion, indem sie Ersparnisse und Investitionen vermitteln und so zu wirtschaftlichem Wohlstand beitragen. Kapitalmarktgeschäfte sind notwendig, und es gibt keinen Grund, Banken von dieser eminent wichtigen Vermittlungsaufgabe ausschließen zu wollen. Der grundlegende Fehler des Investmentbankings der vergangenen zwei Jahrzehnte bestand darin, kurzfristige Spekulationsgeschäfte auf Rechnung der Bank und ihrer Banker höher zu schätzen und zu honorieren als die Kerngeschäfte einer Bank mit ihren Kunden.
Es wäre jedoch zu einfach, die Verantwortung für diese Fehlentwicklung alleine bei den heute in Verruf geratenen Investmentbankern zu suchen. Diese Leute sind weder unschuldig noch naiv, aber letztlich haben sie nur die goldenen Karotten mitgenommen, die man ihnen vor die Nase gehalten hat. Die Anreize für das Fehlverhalten wurden von anderen gesetzt: Es waren die Vorstände der Banken, ihre Aufsichtsgremien und auch viele institutionelle Großanleger, die im Kult des Denkens in Quartalsberichten und in höchst ambitionierten Renditezielen ihre Erfüllung gesehen hatten.
Eigenhandel um jeden Preis verhindern
Die Transformation von der Investmentbank zur Merchant Bank ist wünschenswert, aber sie ist nicht garantiert. Die UBS ist zwar nicht die einzige Bank, die ihre Präsenz im Investmentbanking alten Stiles reduziert, aber es bleiben Häuser übrig, die von der Neuverteilung der Marktanteile im globalen Geschäft profitieren wollen. Hierzu zählt neben vorwiegend amerikanischen Häusern wie JP Morgan oder Goldman Sachs auch die Deutsche Bank.
Der politische und öffentliche Druck auf diese Banken muss erhalten bleiben, damit dort nicht bei der erstbesten Gelegenheit der alte Ungeist wieder Triumphe feiert. Trotz mancherlei Personalwechsel in den vergangenen Jahren arbeiten immer noch zahlreiche Vertreter der alten, trügerischen Investmentbank-Herrlichkeit in den Bankentürmen, auch wenn sie derzeit überwiegend auf Tauchstation gegangen sind oder sich geläutert geben. Es reicht nicht, den Banken den Eigenhandel zu verbieten oder ihnen vorzuschreiben, den Eigenhandel in eine separate Abteilung auszugliedern und mit einem vom Rest der Bank getrennten Eigenkapital auszustatten. Es muss auch verhindert werden, dass Banken unter dem Deckmantel kundenbezogener Handelsgeschäfte weiterhin ungeschützt Eigenhandel betreiben.
Die Nachricht vom Tode der Auswüchse des Investmentbankings wäre auch verfrüht, weil die Branche dort, wo es möglich ist, sich gegen eine Einschränkung ihrer Möglichkeiten wehrt. Man wird vor allem sehen müssen, ob es in den Vereinigten Staaten auf Dauer gelingt, die in Lobbyarbeit höchst erfahrenen Wall-Street-Banken an die Leine zu legen. Nach Ansicht vieler Marktkenner werden die Amerikaner nicht zögern, jene Marktanteile an sich zu ziehen, die europäische Banken derzeit abgeben.
Investmentbanking ist nicht das Problem: Die Geldschöpfung der
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- 01.11.2012, 22:51 Uhr
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