http://www.faz.net/-gqe-15n0q
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 27.02.2010, 09:51 Uhr

Zur Stabilisierung Kölner U-Bahn-Baustelle wird geflutet

Am Mittag soll die Flutung der gefährdeten U-Bahn-Baustelle in der Kölner Innenstadt beginnen: Bis Sonntagmorgen werden dann 14.500 Kubikmeter Wasser eingepumpt - zur Stabilisierung der Grubenwände. Denn der Grundwasserspiegel steigt beständig.

© F.A.Z.- Marcus Kaufhold Blick in die Baugrube nahe dem Kölner Heumarktes

Die Flutung der gefährdeten U-Bahn-Baustelle in der Kölner Innenstadt soll am Samstag beginnen. Das teilten die Stadt und die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) nach einer Sitzung des Koordinierungsstabes am Freitag mit. Die Flutung ist notwendig, um bei steigendem Grundwasserspiegel durch Rhein-Hochwasser die Wände der Grube zu stabilisieren.

In der Skandalbaustelle am Heumarkt fehlen mehr als 80 Prozent der stabilisierenden Eisenbügel. Benachbarte Gebäude seien durch die Flutung nicht gefährdet, betonten Stadt, KVB und die Baufirmen. Unter den Anwohnern war in den vergangenen Tagen die Angst gewachsen.

Mehr zum Thema

„Ein Überlaufen der Baustelle, das Eindringen von Wasser in benachbarte Gebäude oder eine Einsturzgefahr ergeben sich nicht“, erklärten Stadt und KVB. Die Flutung soll voraussichtlich am Samstag gegen 12.00 Uhr beginnen. Dazu werde Grundwasser verwendet, das normalerweise abgepumpt und in den Rhein geleitet wird. Zunächst sollen so bis Sonntagmorgen 14.500 Kubikmeter Wasser eingepumpt werden. Abhängig von der Entwicklung des Grundwasserstandes könne die Menge später noch aufgefüllt werden.

Infografik / Köln U-Bahn Flutung der Baugrube /  Baustelle unter Wasser © dpa Vergrößern

Der Anstieg des Grundwassers habe sich leicht verlangsamt, es steige stündlich um weniger als zwei Zentimeter. Nach der Prognose des Hochwasserschutzamtes wird der Rhein-Pegel am Samstag die kritische 6,50 Meter-Marke überschreiten und am Sonntag bei sieben Metern liegen.

Die Arbeitsgemeinschaft der am U-Bahn-Bau beteiligten Firmen (Arge) betonte am Freitag erneut, dass die Standsicherheit aller U-Bahn-Baustellen gesichert sei. Bauarbeiter sollen die Eisenbügel abgezweigt und an einen Schrotthändler verschachert haben. Außerdem wurden bisherigen Erkenntnissen zufolge Messprotokolle für Schlitzwände gefälscht. Die Staatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben ihre bisherigen Ermittlungen wegen Betrugs und Diebstahls auch auf den Verdacht der Baugefährdung ausgeweitet, weil dieser Tatbestand nicht verjähren könne.

Als Folge der Missstände werde die Arge ihre Kontrollen verschärfen und ihre Maßnahmen zur Qualitätssicherung überprüfen, sagte der technische Leiter der Arge, Jochen Keysberg von der Baufirma Bilfinger Berger. Der Bügel-Diebstahl habe offengelegt, dass es „eine Lücke im Sicherheitssystem“ gebe. Das Mannheimer Unternehmen hatte drei am U-Bahn-Bau beteiligte Mitarbeiter freigestellt. Zur Arge gehören neben Bilfinger Berger auch der Baukonzern Züblin und die Wayss & Freytag Ingenieurbau AG.

Eine Erklärung dafür, warum die Protokolle gefälscht und die Bügel nicht eingebaut wurden, habe die Arge noch nicht gefunden, sagte deren Geschäftsführer Stefan Roth. Ein Verkauf der Eisenbügel könne seiner Meinung nach nur relativ kleine Erlöse gebracht haben, so dass womöglich noch andere Gründe hinter dem Diebstahl stecken könnten. Welche Gründe das sein könnten, wisse er aber nicht.

Die Flutung der Heumarkt-Baugrube wird nach Angaben der Arge-Vertreter rund 10.000 Euro kosten. Es werde etwa ein bis zwei Tage dauern, das Wasser später wieder abzupumpen. Schäden für die Baustelle seien nicht zu erwarten, auch keine längeren Bauverzögerungen.

Quelle: DPA

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Italien Mach einen Bogen um Venedig!

Es muss nicht immer Rialto sein. Mit dem Hausboot erreicht man alle Inselchen in der Lagune, und viele davon sind ebenso sehenswert wie die Paläste der Dogen. Mehr Von Elke Sturmhoebel

02.05.2016, 14:00 Uhr | Reise
Messerattacke Kölner schockiert

Köln steht nach dem Messerangriff auf die Kölner OB-Kandidatin Henriette Reker unter Schock. Bei einem offenkundig fremdenfeindlichen Attentat wurde die Politikerin schwer verletzt worden. Mehr

15.04.2016, 09:07 Uhr | Gesellschaft
Arzneimittelreste gefunden Umweltschützer sehen Trinkwasser im Ried gefährdet

Der Naturschutzverband BUND hat Rückstände von Chemikalien im Hessischen Ried nachgewiesen. Ist die Belastung hoch genug, um das Trinkwasser zu gefährden? Mehr Von Mechthild Harting, Rhein-Main

23.04.2016, 08:17 Uhr | Rhein-Main
Entschuldigungsvideo Johnny Depp und Amber Heard haben Quarantänepapiere gefälscht

Im Streit um die illegale Einreise ihrer Hunde sind die Schauspieler Johnny Depp und seine Frau Amber Heard glimpflich davon gekommen. Vor dem australischen Gericht gestand Heard, die Quarantänepapiere für ihre beiden Yorckshire-Terrier gefälscht zu haben, als sie im vergangenen Jahr nach Australien einreiste. Vor der Verhandlung hatten Depp und Heard ein Video aufgenommen und sich für ihr Verhalten entschuldigt. Mehr

18.04.2016, 15:15 Uhr | Gesellschaft
Rare Obstbäume in Frankfurt Biotop für Bergamotte und Bischofsmütze

Das Frankfurter Umweltamt hat auf dem Berger Nordhang fast 2000 Obstbäume kartiert. Darunter findet sich auch manche Rarität. Mehr Von Mechthild Harting

01.05.2016, 15:41 Uhr | Rhein-Main

Euro-Alchemisten

Von Holger Steltzner

Nachdem die EZB das Aus für den 500-Euro-Schein beschlossen hat, versucht der für Bargeld zuständige EZB-Direktor die Kritiker zu beruhigen. Was er sagt, ist redlich. Aber leider stieß er innerhalb der EZB bislang auf taube Ohren. Mehr 1 11


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Staatsfinanzen Was tun mit noch mehr Steuer-Milliarden?

Deutschland wird wegen der guten Wirtschaftslage wohl noch viel mehr Steuern einnehmen als gedacht. Schon beginnt der Streit, was damit geschehen soll. Mehr 15

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden