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Zum Jahreswechsel : Hoffen auf die Konjunkturwende

Bild: F.A.Z.

Die deutsche Wirtschaft gerät im Winterhalbjahr nahe an eine Rezession. Aber es gibt auch hoffnungsvolle Zeichen. Der monatliche Konjunkturbericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Zum Jahresende liegt die deutsche Wirtschaft zwischen Hoffen und Bangen. Alle harten Indikatoren zeigen, dass die Wirtschaftsleistung im letzten Quartal 2012 geschrumpft ist. Besonders hart hat es die Industrie getroffen, die seit gut einem Jahr unter zunehmender Investitionszurückhaltung leidet, weil die Euro-Krise die Unternehmen verunsichert hat. Die Auftragspolster der Industrie sind geschwunden, die Produktion ist stark gesunken. Dagegen hat sich die Dienstleistungswirtschaft noch recht gut gehalten. Ökonomen rechnen für das Schlussquartal mit einem Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um etwa ein viertel Prozent. Das Konjunkturklima ist im Spätherbst auf frostige Temperaturen gesunken.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Allerdings gab es zum Winteranfang auch hoffnungsvolle Signale: Der Ifo-Geschäftsklimaindex hat sich im Dezember zum zweiten Mal in Folge verbessert. Der Index stieg um einen Punkt auf 102,4 Punkte und lag damit über den Voraussagen der Beobachter. Zwar hat sich die aktuelle Geschäftslage der Unternehmen verschlechtert - sie ist nun so schwach wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Aber der Pessimismus, der zuvor viele Chefetagen beherrschte, hat merklich nachgelassen. Es keimt wieder etwas mehr Zuversicht. Zwar prognostizieren Konjunkturforscher für 2013 im Jahresdurchschnitt nur ein sehr mäßiges Wachstum. Das liegt aber vor allem an der Talfahrt im Winterhalbjahr, somit ist die Ausgangsbasis für 2013 niedrig. Zwischen 0,3 und 0,8 Prozent Wachstum erwarten die Wirtschaftsforschungsinstitute für das Gesamtjahr - unter der Annahme, dass es zu keiner neuen Eskalation der Schuldenkrise kommt.

          Aktuell jedoch ist die Lage gedrückt. „Die gegenwärtige Schwächetendenz geht hauptsächlich von der Industrie aus, die ihre Produktion zuletzt erheblich gedrosselt hat“, erklärt die Bundesbank. Der Ausstoß der Industrie ging im Oktober nochmals um 2,4 Prozent zurück. Am schlimmsten sind die Hersteller von Investitionsgütern, also Maschinen, Geräten und Fahrzeugen, betroffen. Ihre Produktion lag im Oktober, dem jüngsten verfügbaren Monatswert, sogar um 6,5 Prozent unter dem Niveau des Sommerquartals. Noch relativ gut gehalten hat sich der private Konsum, der im dritten Quartal moderat um 0,3 Prozent zulegte. Die Konsumgüterhersteller expandierten zum Herbstanfang um 1 Prozent. Doch die schweren Einbußen für Investitionsgüterhersteller haben die Industrie insgesamt weit ins Minus gedrückt.

          Gemischte Gefühle hat die Bauwirtschaft. In der ersten Jahreshälfte konnte sie ihr hohes Niveau nicht halten, weil die letzten Projekte der Konjunkturpakete ausliefen. Die schwache Entwicklung des Tiefbaus wurde dann aber vom kräftigen Wohnungsbau überspielt, der von den sehr günstigen Hypothekenzinsen und der Flucht in Sachwerte profitiert. Im Oktober gab es einen überraschend starken Dämpfer für den Bau. Auch der frühe Wintereinbruch dürfte viele Baustellen zeitweilig gestoppt haben. Mitte Dezember war die Lage am Bau gedämpft, ergab die Ifo-Umfrage, doch nahm die Zahl der Optimisten zu. Jüngst haben die Aufträge wieder kräftig zugelegt.

          In der Industrie hat ein längerer Auftragsrückgang tiefe Spuren hinterlassen. Die Bestellungen sowohl aus den angeschlagenen Euroländern als auch aus dem Inland waren bis zum Spätherbst in der Tendenz rückläufig. Lediglich aus Amerika und Asien kam eine kräftige Nachfrage. Im Oktober nahm der Auftragseingang - auch wegen einiger Großaufträge - überraschend um 3,9 Prozent gegenüber dem schwachen Vormonat zu. Volkswirte warnten aber davor, dies schon als Wende zu interpretieren. Die Inlands- und Euroraumnachfrage lagen noch immer um bis zu 2 Prozent unter dem Vorquartalswert. Dennoch ist im Dezember die Stimmung deutlich gestiegen, weil die Industrie hofft, das Schlimmste sei vorbei.

          Der Euroraum befindet sich seit dem Sommer offiziell in einer Rezession, in ganz Südeuropa schrumpft die Wirtschaftsleistung in bedrohlichem Tempo. Zum Jahresende dürfte die Rezession sich sogar noch verstärkt haben. Belastend wirken der Investitionsstopp der Unternehmen, die unter schlechten Finanzierungsbedingungen und einem schwachem Absatz ihrer Produkte leiden, die Schuldensorgen vieler privater Haushalte, die sparen müssen, die hohe Arbeitslosigkeit sowie die drastischen Kürzungen öffentlicher Ausgaben und gleichzeitigen Steuererhöhungen. Das BIP der Eurozone ist in diesem Jahr trotz des deutschen Beitrags wohl um etwa 0,5 Prozent gefallen. Die Lage auf den südeuropäischen Arbeitsmärkten ist teilweise katastrophal.

          In Deutschland hingegen sieht die Beschäftigungssituation weiterhin gut aus, auch wenn es einige Bremsspuren gibt. Mit fast 41,7 Millionen - rund 290 000 mehr als im Vorjahr - stagniert die Zahl der Beschäftigten auf einem historischen Höhepunkt. Der Aufschwung der vergangenen Jahre ist vorbei. 2,75 Millionen Menschen sind arbeitslos gemeldet, bereinigt um Saisoneffekte, stieg die Zahl im November auf 2,94 Millionen. Die Arbeitslosenquote beträgt nun 6,9 Prozent. Trotz der Sorgen in der Industrie gab es bislang keine breite Zunahme von Kurzarbeit. Die meisten Unternehmen reagieren auf die Schwäche durch eine Verringerung von Arbeitszeiten, etwa durch die Reduktion von Überstunden und den Abbau von Arbeitszeitkonten, und vermeiden bislang Entlassungen.

          Angesichts des stabilen Arbeitsmarktes und höherer Lohnabschlüsse sind die Verbraucher auch trotz vielerlei Krisensorgen noch recht guter Stimmung. Im dritten Quartal lagen die Reallöhne um 1 Prozent über dem Vorjahresniveau. Der Konsum wird somit die Konjunktur weiter stützen, allerdings gehen von ihm nur mäßige Impulse aus. Vom Außenhandel wird 2013 wohl netto kaum ein nennenswerter Wachstumsbeitrag ausgehen, da der Export wohl im selben Tempo wie der Import zulegt. Erst wenn die Investitionen im kommenden Jahr wieder in der Breite zulegen, kann eine wirkliche Konjunkturwende stattfinden.

          Quelle: F.A.Z.

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